Was können wir von Weltklasse-Sportteams lernen?

Unser Gast - Stefan Kermas

Stefan Kermas, 42 Jahre, gelernter Jurist und leidenschaftlicher “Brückenbauer” zwischen Wirtschaft und Sport. Er unterstützt als Teamenthusiast Organisationen und Führungskräfte dabei, die für sie passende Performance-Struktur zu entwickeln. 

Der „Mann aus zwei Welten“ sammelte viele Jahre Erfahrung auf Geschäftsführungsebene im Business- Kontext sowie als Hockey Bundesliga- und Bundestrainer inklusive zweier Olympischer Goldmedaillen.

Sein Credo: „Nutze Augen und Ohren in der Beratung. Denn nur diese führen Dich zur nächsten klugen Frage, die den Kunden beim Denken unterstützt“.

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Inhalt

Was machst du seit deiner Tätigkeit als Trainer?

Ich begleite Organisationen und Führungskräfte dabei, ihre Strukturen und Teams optimal aufzubauen. Denn erst wenn die Tätigkeiten von Personen zum institutionellen Rahmen und die Personen auch zur Aufgabe passen, können außergewöhnliche Teamleistungen entstehen.

Wie profitierst du dabei von deinen Erfahrungen im Sport? 

Der Sport hat mich zweierlei gelehrt. Menschen müssen nicht die besten Freunde sein, sie brauchen aber Strukturen, in denen sie optimal und vertraut zusammenarbeiten können. Zudem sollte immer klar sein, welche Probleme, z.B. bei Kunden, die Mitarbeiter:innen selber lösen können. So wie ein Spieler nicht andauernd zum Trainer raus schaut was er nun mit dem Ball machen soll, agieren Mitarbeiter:innen eigenständig im Sinne der Organisation. Diese “agile” Fähigkeit muss inhaltlich sowie mental gewollt und gelebt werden. 

Wie unterscheidet sich die Arbeit in erfolgreichen Sportteams von erfolgreichen Teams in der freien Wirtschaft aus deiner Sicht?  

Sportteams erhalten dauerhaft Feedback von der Konkurrenz, nämlich in jedem Wettkampf bestenfalls sogar jede Woche. Sie werden quasi vom Markt erzogen und müssen dauerhaft kleine Anpassungen und Optimierungen vornehmen, um weiterhin und zukünftig wettbewerbsfähig zu sein. Trainer und Spieler denken dauerhaft im Außen und welche Leistung notwendig sein wird, um im harten Wettbewerb zu bestehen. Daraufhin wird das Innen ausgerichtet, in dem Spieler:innen bestimmte Inhalte und Prinzipien trainieren. Diese Außen-Innen Referenz vermisse ich zuteilen, wenn ich mit dortigen Beteiligten spreche. 

In der freien Wirtschaft ist zwar völlig klar, dass es um Zahlen, Verkaufen und Geschäft geht. Gleichzeitig nehme ich einen starken Drang nach Innen wahr. Prozesse, Praktiken und Tools werden ausgerollt und ich weiß nicht immer, ob den Verantwortlichen der originäre Sinn dafür klar ist. Der Sinn sollte nämlich zumindest mittelbar im Außen liegen, denn nur der (externe) Markt entscheidet über die Qualität meines Angebots. Den Kopf zu heben und den Blick weg von der Excel-Liste hin zu echten Kunden- und Marktbedürfnissen zu richten, halte ich für unerlässlich.

Was ist für dich der Schlüssel zu hoch motivierten und engagierten Teams? 

DEN Schlüssen wird es wohl nicht geben, vielmehr ist es ein Zusammenkommen verschiedener Faktoren für mich. Ich denke die intrinsische Motivation von Menschen zu erkennen und diese zu nutzen ist ein banal klingender, aber umso wichtigerer Schlüssel in der Führung. Menschen wollen Teil einer erfolgreichen Truppe sein und spüren, dass sie in der Zusammenarbeit Dinge oder Gefühle erschaffen, zu denen sie alleine nicht im Stande wären. Hierfür den Rahmen zu setzen und echte Zusammenarbeit zu ermöglichen, das motiviert! Oder anders gesagt: Hürden der Zusammenarbeit zu beseitigen, so dass Leistung und Leidenschaft entstehen können. Das wäre vielerorts ein Anfang. 

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Wie schaust du auf das Thema Agilität? Was können Agilisten aus der Welt des Sports lernen?

Was genau sie lernen können, weiß ich nicht, das hängt natürlich von eigenen Überzeugungen und der persönlichen Tätigkeit ab. Ich denke jedoch Denkangebote wie: 

  • das agile Framework hat primär dem externen Nutzen zu dienen und darf nicht zum Selbstzweck werden, 
  • das innere Team ist nach äußeren (Markt-)Gegebenheiten aufzustellen, sowie 
  • Agilität ist nur dort nötig, wo Gegner und Markt dynamisch agieren. Ansonsten ist es unwirtschaftliche Verschwendung, wenn ich Agilität “einführen”, die konkret aber gar nicht gefordert ist, um Wertschöpfung zu betreiben.

 

Vielen Dank für tollen Austausch, lieber Stefan! 

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