Was ist dein Beitrag zu Scrum Theater?

Was ist dein Beitrag zu Scrum Theater?

 

Mal ehrlich, wir sind uns doch einig „Es gibt zu viele dysfunktionale Scrum Umgebungen in denen nur oberflächlich die Mechaniken abgespult werden und doch hat die Umgebung mit dem Anspruch wenig zu tun, oder? Von Anna Rudat habe ich mal vor Jahren die Bezeichnung Scrum Theater für diese Situation kennengelernt und ich finde sie sehr passend.
Das ich dieses Thema in der heutigen Podcast-Folge aufarbeiten resultiert auch aus den wunderbaren Diskussionen der letzten Tage auf LinkedIn. Es gibt eine ganze Reihe an Themen die mir wichtig sind und ich mich doch seit Jahren schwer tue diese klar zu betrachten und zwingend zu benennen. Deswegen noch einmal ein ganz großes Dankeschön an alle die in diesen Diskussionen sich beherzt mit ihrer Perspektive eingebracht haben. Besonders hervorheben möchte ich hier:

Bei den Ursachen für Scrum Theater könnten wir natürlich auch auf die schwierigen Rahmenbedingungen gucken, die wir in vielen Organisationen vorfinden, oder wie tiefgreifend sich Scrum von der alten Arbeitsweise unterscheidet, was es einfach auch schwierig macht sich umzustellen. Die Person auf die du in dieser Situation am ehesten Einfluss hast, bist du selbst und eben nicht die anderen und die umstände. Richtig schön auf den Punkt gebracht hat das 2012 Tim Mois, Geschäftsführer von Sipgate als wir ein Organisatorisches Assessment dort durchgeführt haben und er bei einem Kaffee bemerkte: „Die besten Findings von euch wären, dass ich Schuld bin. Das würde nämlich heißen ich habe es unter Kontrolle und kann es ändern.“ Das hatte er in einer Natürlichkeit und einem Selbstverständnis gesagt, dass es mich so beeindruckt hat, dass ich mich heute an diesen Dialog zurück erinnere. Ich würde mir wünschen, dass sich viele Führungskräfte ein Beispiel nehmen an Tim.

Wenn ich hier jetzt über Führungskräfte spreche, dass schließt dich natürlich auch mit ein. Weil Führung nicht mit der Position in einer Hierarchie zu tun hat, sondern mit deiner Fähigkeit zu führen. Das beinhaltet natürlich auch bei eingetretenen Pfaden neue Wege zu gehen.
Ein neuer Weg für viele ist es bei unserem heutigen Thema eben nicht zu fragen, was müssen andere und der umstand tun bevor ich auf meine Möglichkeiten gucke.
Deswegen bevor wir jetzt inhaltlich einsteigen eine Trigger Warnung.

 

Was ist Scrum Theater?

Meine Definition von Scrum Theater ist:

„Eine Umgebung die in ihrer oberflächlichen Interaktion nach Scrum aussieht, dabei letztlich, aber nur die Mechaniken nachgeahmt werden, ohne jedoch zentrale Kernelemente von Scrum zu leben.“

 

Was uns zu der Frage bringt, welche zentralen Elemente von Scrum werden hier gerne ausgeblendet und ignoriert?

  • Teamwork – Scrum ist ein Rahmen der einer Gruppe von Menschen hilft sich in enger Zusammenarbeit einer Herausforderung zu stellen. Ohne echtes Teamwork hilft es natürlich nur begrenzt und es werden vor allem die vielen Meetings als unnötig kritisiert, die eigentlich zur Abstimmung und Organisation unserer engen Zusammenarbeit gedacht sind.
  • Cross-funktionalität – Anstelle in einer sequentiellen Abarbeitungsweise oder besser bekannt als Wasserfall besitzt das Scrum Team alle Fähigkeiten, damit wir hier übergreifend und schnell zu Ergebnissen kommen und daraus gemeinsam den Kurs anpassen. 
  • Empirie – Anstelle im Vorweg aus dem Wissen von Experten und der vorgelagerten Analyse Produkt und Arbeitsweise zu definieren, stellen wir uns dazu auf zügig belastbare Ergebnisse liefern zu können und nutzen dies um systematisch aus Erfahrung zu lernen. Das heißt wir Reflektieren unsere Arbeitsergebnisse & Erfahrungen, um daraus Produkt und Arbeitsweise weiter Auszugestalten und Optimieren.
  • Transparenz
  • Self-Management
  • Moderne Führung
  • Scrum Werte
 

Jetzt kannst du natürlich mal in sich gehen und dich fragen, inwieweit trifft diese Art von Scrum Theater auf deine Umgebung zu

  • Inwieweit lassen sich die beteiligten Personen Scrum über sich ergehen und bringen sich eigentlich in die Gestaltung der Umgebung ein?
  • Inwieweit hängt es an dir als Kümmerer das bestimmte Sachen passieren? Was passiert, wenn du in den Urlaub gehst oder keine Zeit hast?
  • Inwieweit wir über die Abgrenzung von Verantwortung gesprochen?
  • Inwieweit wird die Lösung so vorbereitet, dass der Sprint eigentlich nur eine verlängerte Werkbank ist?
  • Inwieweit übernehmen die Entwickler Verantwortung für die Sprint oder muss der PO bzw. SM hier wachen, unterstützen und nachsteuern?
  • Inwieweit wird Scrum zur Verwaltung von Dysfunktionen umgebaut statt diese Transparent zu machen und gemeinsam anzugehen
  • Inwieweit werden unbekannte Dinge proaktiv und früh angegangen?
 
Die Liste könnten wir natürlich aus der Orientierung oben beliebig länger machen, aber ich hoffe das Muster kommt rüber. Nachfolgend aber noch mal ein schöner Ansatz zu „Scrum Theater mit Lead-Rollen“:
  
All diese Dysfunktionen und mehr habe ich schon in der Praxis gesehen. Sie scheinen fast mehr die Regel zu sein, als die Ausnahme. Was uns zu der zentralen Frage der heutigen Folge bringt, wie erzeugen wir dies?
 
 

Was ist mein Beitrag zu unserem Scrum Theater?

Wenn du als Scrum Master oder Agile Coach unterwegs bist, dann überleg mal, was du die letzten Wochen konkret gemacht hast. Verschaff dir eine Übersicht wo du wie gewirkt hast. Nur zu leicht übernehmen wir Aufgaben, um den Status Quo zu erhalten, statt unserer Umgebung und den beteiligten Personen sich weiterzuentwickeln

  • So Vor- und Nachbereiten, dass die Gruppe wenig mitdenken und gestalten muss
  • Dysfunktionen Kompensieren

 

Oft geht das soweit, dass man sich für ein gut funktionierendes Scrum auf der Ebene von Mechaniken Verantwortlich fühlt und eben nicht dafür sorgt gemeinsam Scrum für unseren Zweck zu nutzen. Ohne das die Umgebung aus einer gemeinsamen Verantwortung gestaltet wird, wir eure Scrum Umgebung niemals zu einem wirklich Leistungszentrum was über sich hinaus wächst. Und ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass es die Erfüllung deines Lebens ist als “Kümmerer” deinem Scrum Team und deiner Umgebung hinter her zu laufen. Wobei ich damit nicht meine, dass es trivial ist sich hier als Scrum Master weiterzuentwickeln. In meiner Reise zum Agile Coach hatte ich das große Glück damals bei agile42 in einer Umgebung mit unglaublich erfahrenen Kollegen zu arbeiten, was mir den Weg geebnet hat hier meinen Weg zu finden. Aus meinem Online Programm für Scrum Master und Agile Coaches wurde mir dieses Jahr noch einmal besonders deutlich, dass es braucht deinen Mut neues Auszuprobieren, Zeit und passendes Sparring um sich hier weiterzuentwickeln.

[Ablauf aus wiederkehrenden Fall Reflexionen und es braucht üblicherweise schon die ersten zwei Monate um sich von der analytischen Betrachtung hin zu bewegen zu der Idee hier mehr Anstöße zu geben]

 

Keine Ahnung, wie man ohne geeignetes Sparring sich hier aus einer analytischen Kümmerer-Rolle hin zu einem Katalysten entwickeln kann. Ich weiß ja nicht, wie es bei dir ist, aber in den meisten Umgebungen fehlt genau dieses Sparring. Ich würde mir wünschen, dass du in deiner Umgebung 

  • eine gute Community of Practise hast in der ihr gemeinsam voneinander an den schwierigen stellen lernt und nicht in schönen Techniken verliert 
  • euch ein Mentor unterstützt an dieser Entwicklung begleitet 
  • eine Führungskraft habt die euch fordert und den Raum gibt euch zu entwickeln 
  • und dies durch passende und wirkungsvolle Fortbildungen ergänzt wird. 

 

Wenn ihr das habt, könnt ihr euch glücklich schätzen. Nach meinem Eindruck seit ihr da dann aber eher eine Ausnahme. Wir müssen auch so ehrlich sein, dass dies kaum durch die Agile Community außerhalb eurer Organisation kompensiert werden kann.

Hier kann man wunderbar Inspirationen gewinnen, sein Netzwerk erweitern und sich austauschen. Wirklich ins eingemacht bei kritischen Themen kommt man hier nur selten und man kann auch nicht erwarten das man hier Themen aufeinander aufbauend behandelt, so dass es euch auf eurem Lernpfad die notwendige Unterstützung gibt. Das ändert nichts daran, dass ich froh bin über unseren Austausch in unserer Agile Community. Ich engagiere mich da gerne. Sie hat halt nur leider Grenzen.

Wie gesagt, ich würde mir wünschen, dass du hier bei euch in der Organisation eine geeignete Unterstützung hat. Wir brauchen mehr wirkungsvolle Scrum Master und Agile Coaches in den Organisationen statt Leuten die als “Kümmerer” den Status Quo aufrechterhalten.

Der erste Schritt auf dieses Entwicklung ist deine Entscheidung den Status Quo und deine Entwicklungsfelder anzuerkennen und daraus nach Wegen zu suchen dich hier effektiv zu entwickeln. Als kleinen Denkanstoß zur Reflexion deines Handelns als Scrum Master möchte ich dir mein Quiz „Welcher Typ Scrum Master bist du?“ ans Herz legen. Hier reflektierst du über 7 Situationen was für eine Herangehensweise zu präferierst und ich zeige dir dann aufbauend auf, auf welchen Scrum Master Typ deine Antworten hindeuten.

 

Der falsche Start wirkt lange nach!

Wenn der Start falsch gestaltet ist, dann wirkt das lange nach. 
Hier hat mir gerade der Austausch über LinkedIn ungemein geholfen die Größe dieses Problems besser zu erkennen. Hier hatten nämlich einige Angeführt, dass sie Scrum im Shu-Ha-Ri Stiel einführen.
 
Shu-Ha-Ri beschreibt hier drei Phasen, nach denen hier viele die Einführung von Scrum unterteilen.
Shu heißt befolge erstmal die Regeln
Ha heißt brich die Regeln in einer sicheren Umgebung
Ri heißt du bist die Regel und setzt die Regel
Dies kommt aus dem Kampfsport und hatte ich schon einmal in der Podcast-Folge Scrum by the Book behandelt.
 
So etablieren wir zwar die Gewohnheit von neuen Mechaniken, jedoch ohne zu Verstehen warum wir diese nutzen. Dies führt eher zu Mitläufer-Scrum als Ownership für die Umgebung.

 

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