Das Wichtigste in Kürze
- Scrum ist von den Erfindern Ken Schwaber und Jeff Sutherland bewusst als minimales Rahmenwerk definiert – es enthält nur das Nötigste, um komplexe Produkte zu entwickeln.
- Die wahrgenommene Komplexität entsteht meist erst, wenn Teams zusätzliche Praktiken, Tools und Prozesse darauf stapeln und den schlanken Kern aus den Augen verlieren.
- Der eigentliche Zweck von Scrum ist Lernen und Anpassung; wenn sich eure Arbeitsumgebung nach einem Jahr Scrum nicht verändert hat, arbeitet ihr nicht agil.
- Scrum passt nicht für Kontexte ohne echte Teamarbeit, ohne komplexe Aufgaben oder ohne den Willen zu Transparenz und Inspektion.
Worum es geht
Situation: Scrum ist eines der bekanntesten agilen Frameworks. Seine Regeln sind klar im Scrum Guide festgehalten und es ist, für sich genommen, einfach zu verstehen.
Komplikation: In der Praxis wird Scrum jedoch oft als schwerfällig, bürokratisch und komplex erlebt. Was ist da passiert? Das Problem ist nur: Scrum wird fälschlicherweise mit unzähligen Zusatzpraktiken, Tools und Prozessen überladen. Es wird nicht als lernendes Framework begriffen, sondern als starre Methodik implementiert.
Frage: Wie kann man Scrum also so anwenden, dass es seinen minimalistischen, empirischen Kern behält und trotzdem – oder gerade deswegen – im eigenen Kontext wirkungsvoll ist?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Scrum Master oder Agile Coach das Gefühl hast, ständig gegen ein überladenes, bürokratisches "Scrum-But" ankämpfen zu müssen und Argumente für den minimalistischen Kern suchst.
- Als Führungskraft verstehen willst, warum Scrum-Einführungen in deinem Bereich oft so schwerfällig wirken und was der eigentliche, schlanke Kern des Frameworks ist.
- Als Teammitglied frustriert bist von einem "Zeremonien-Marathon" und wissen möchtest, was an eurer Praxis vielleicht nicht Scrum, sondern selbstgewählte Komplexität ist.
Episoden-Insights
Scrum ist ein Rahmenwerk, keine vollständige Methodik
Scrum liefert bewusst nur einen minimalen Satz an Regeln, Rollen, Ereignissen und Artefakten. Es schafft einen Rahmen, innerhalb dessen Teams empirisch – also basierend auf Erfahrung, Inspektion und Anpassung – arbeiten. Alles andere, also konkrete Engineering-Praktiken, Tools oder Teamroutinen, liegt in der Verantwortung des Teams. Versteht mich nicht falsch: Diese Praktiken sind wichtig, aber sie sind nicht Scrum. Sie füllen den Rahmen.
"Scrum ist einfach zu verstehen. Die Krux liegt in der Anwendung für deine Zwecke in deinem Kontext."
Die wahre Herausforderung ist das Lernen und die kontextspezifische Ausgestaltung
Was ich konsistent beobachte ist, dass Teams den Lernauftrag von Scrum vernachlässigen. Scrum ist ein Framework für komplexe Arbeit, bei der vorab nicht klar ist, wie die Lösung aussehen muss. Der Weg dorthin muss also ständig inspiziert und angepasst werden – das gilt nicht nur für das Produkt, sondern auch für den eigenen Arbeitsprozess.
"Wenn ihr mit Scrum arbeitet und eure Arbeitsumgebung heute genauso aussieht wie vor einem Jahr, dann ist es kein Scrum und dann ist es auch kein agiler Ansatz, weil Lernen fester Bestandteil ist."
Nicht jeder Kontext ist für Scrum geeignet
Scrum ist kein Allheilmittel. Es gibt klare Kontexte, in denen es nicht passt. Lasst uns mal gemeinsam abgleichen: Scrum ist wahrscheinlich die falsche Wahl, wenn 1) keine echte Teamarbeit möglich ist (z.B. reine Einzelarbeit), 2) die Aufgaben nicht komplex, sondern einfach oder kompliziert sind, oder 3) die Organisation nicht bereit ist, Transparenz zuzulassen und aus den gewonnenen Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen.
Dein nächster Schritt
Kommt dir das bekannt vor? Wenn du das Gefühl hast, dass Scrum in deinem Umfeld überladen und komplex wirkt, lass uns gemeinsam den Kern freilegen.
Kostenloses Strategiegespräch
In einem 30-minütigen Call analysieren wir, wo in deinem Kontext unnötige Komplexität entsteht und wie ihr zu einem schlankeren, lernfähigeren Scrum kommt.
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Erwähnt in der Folge
Training(Training)
Ralf erwähnt, dass er Organisationen durch Training und Coaching hilft, agile Herangehensweisen effektiv zu nutzen. Er bekommt häufig in Trainings Fragen zum Tailoring von Scrum.
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
Live zu diesem Thema
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72: Effectuation & Scrum
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