Task Board aus der Praxis – Nachlese mit Johannes Schartau

Im Gespräch mit Teamcoach Johannes Schartau: Wie ein Task Board echte Teamarbeit statt Beschäftigung sichtbar macht – und warum die Verbindung zum Sprint-Ziel entscheidend ist.

23. Januar 202008:56
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Das Wichtigste in Kürze

  • Board folgt Arbeitsweise, nicht umgekehrt – Johannes zeigt, warum Teams ihre Zusammenarbeit nicht an Tool-Vorgaben (z.B. Jira) anpassen sollten, sondern das Board für ihre spezifische Situation gestalten müssen.
  • Sprint-Ziel sichtbar machen – Eine überraschende Perspektive: Der entscheidende Moment für Teamarbeit ist nicht das Abarbeiten von Tickets, sondern die gemeinsame Visualisierung des Sprint Backlogs mit klarem Bezug zum Ziel.
  • Board als lebendiges Artefakt – Konkrete Beispiele aus der Praxis zeigen, dass starre, standardisierte Boards die Team-Entwicklung hemmen. Ein gutes Board entwickelt sich mit dem Team.
  • Visualisierung = Arbeit – "Die Visualisierung vom Sprint Backlog ist der Moment, wo tatsächlich die Arbeit passiert" – nicht das spätere Verschieben von Tickets.

Kontext: Bezug zur Hauptfolge

In Episode #7: Task Board - Eigenverantwortliches Arbeiten im Sprint habe ich über Task Boards als Werkzeug für Team-Selbstorganisation gesprochen und dabei die fünf zentralen Fragen beleuchtet, die ein Board beantworten muss.

In dieser Nachlese vertiefe ich das Thema im Dialog mit Johannes Schartau (Certified Team Coach). Er bringt langjährige Praxiserfahrung mit und teilt konkrete Einblicke, wie Task Boards in der Realität funktionieren – mit allen Herausforderungen und Überraschungen, die zwischen Tool-Zwang und echter Teamarbeit entstehen.

Über den Gast: Johannes Schartau

Johannes Schartau ist Agile Organizational Developer bei Holisticon AG und begleitet Organisationen auf ihrem Weg zu nachhaltiger Agilität. Als Co-Autor des "Zombie Scrum Survival Guide" (2020) hat er sich intensiv mit den typischen Dysfunktionen agiler Teams auseinandergesetzt – darunter auch die ineffektive Nutzung von Task Boards.

Expertise & Schwerpunkte:

  • CTC (Certified Team Coach) - Höchste Coaching-Zertifizierung der Scrum Alliance
  • Co-Autor: "Zombie Scrum Survival Guide" (2020) - Buch über agile Dysfunktionen
  • Spezialisiert auf Team Coaching und Organisationsentwicklung
  • Experte für Liberating Structures und Cross-Team Portfolio Transparency
  • Schwerpunkt: Priorisierung und effektive Visualisierung in agilen Teams

Warum diese Perspektive wertvoll ist: Johannes bringt als Agile Organizational Developer tiefe Praxiserfahrung in der Begleitung von Teams und Organisationen mit. Seine Expertise in Liberating Structures und Cross-Team Portfolio Transparency bietet wertvolle Einblicke für die Gestaltung effektiver Task Boards und die Überwindung von "Zombie Scrum".

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Die zentralen Insights aus dem Gespräch

1. Das Board muss die Verbindung zum Sprint-Ziel herstellen

Ein Task Board ist mehr als eine Sammlung von Tickets. Johannes macht deutlich: Die Kernaufgabe eines Boards ist es, für das gesamte Team sichtbar zu machen, wie jede einzelne Aufgabe zum Erreichen des gemeinsamen Sprint-Ziels beiträgt. Ohne diese Verbindung arbeitet das Team beschäftigt, aber nicht zielorientiert.

"Ich glaube, dass die Visualisierung vom Sprint Backlog [...] der Moment ist, wo tatsächlich die Arbeit passiert." – Johannes Schartau

Die Visualisierung selbst – das gemeinsame Strukturieren und Verknüpfen der Aufgaben mit dem Ziel – ist der entscheidende Kollaborationsmoment. Das spätere Verschieben von Tickets ist nur noch Execution.

2. Die Arbeitsweise bestimmt das Tool – nicht umgekehrt

Ein häufiger Fehler in der Praxis: Teams passen ihre Zusammenarbeit den Vorgaben eines digitalen Tools an. Johannes beobachtet das besonders bei Jira und ähnlichen Tools, die durch ihre Struktur eine bestimmte Arbeitsweise vorgeben.

"Das Taskboard folgt der Art, wie wir zusammenarbeiten und nicht umgekehrt." – Johannes Schartau

Was das in der Praxis bedeutet:

  • Das Board ist ein lebendiges Artefakt, das sich mit den Bedürfnissen des Teams entwickelt
  • Spezifische Swimlanes, Farbkodierungen oder visuelle Hilfen werden vom Team selbst gestaltet
  • Tool-Dogmatismus (z.B. "Jira macht man so") untergräbt Team-Autonomie und echte Selbstorganisation

Johannes' Rat: Startet mit einem physischen Board (Whiteboard, Post-its), um die für euch passende Struktur zu finden – und zwingt dann das digitale Tool in diese Form, nicht umgekehrt.

3. Standardisierte Boards hemmen Team-Entwicklung

Eine provokante These aus dem Gespräch: Ein starres, von der Stange übernommenes Task Board wird dem Anspruch von Scrum nicht gerecht. Die wahre Herausforderung liegt in der intelligenten Anpassung auf den eigenen Kontext.

"Scrum ist einfach zu verstehen. Die Krux liegt in der Anwendung für deine Zwecke, in deinem Kontext." – Johannes Schartau

Konkrete Beispiele aus Johannes' Praxis:

  • Teams, die ein "Standard Scrum Board" nutzen, arbeiten oft wie Einzelkämpfer – das Board zeigt zwar Status, fördert aber keine Zusammenarbeit
  • Ein gutes Board macht sichtbar: Wo sind Abhängigkeiten? Wo können wir gemeinsam arbeiten? Was blockiert uns?
  • Die Struktur des Boards muss sich entwickeln – ein Board für ein Team im 2. Sprint sollte anders aussehen als nach 20 Sprints

Johannes' Appell: Habt den Mut, das Board immer wieder zu hinterfragen und so zu gestalten, dass es für eure spezifische Situation den maximalen Nutzen bringt.

Dein nächster Schritt

Kommt dir das bekannt vor? Wenn du diese Herausforderungen im Alltag siehst und mehr praxisnahe Impulse für deine Arbeit als Agile Begleiter suchst, dann lass uns im Austausch bleiben.

Transkript-Auszug (Optional)

[TODO: Falls verfügbar - 2-3 besonders prägnante Dialog-Abschnitte aus dem Interview]

Beispiel-Struktur:

Ralf: Johannes, du sagst "Das Board folgt der Arbeitsweise" - aber in der Realität sehe ich oft genau das Gegenteil. Woran liegt das?

Johannes: Ja, das ist ein Klassiker. Teams bekommen Jira aufgesetzt mit einem "Standard Scrum Board" und dann heißt es: "So macht man das jetzt". Dabei ist das Board ein Werkzeug für die Zusammenarbeit des Teams – und die sieht in jedem Team anders aus.

Ralf: Was wäre denn ein konkreter erster Schritt für ein Team, das merkt: "Unser Board hilft uns nicht wirklich"?

Johannes: Stellt euch die Frage: Können wir am Board sehen, ob wir unser Sprint-Ziel erreichen? Wenn die Antwort "nicht wirklich" ist, dann fehlt die Verbindung zwischen den einzelnen Tasks und dem übergeordneten Ziel. Das ist der Hebel.

[...]

Hinweis: Das vollständige Gespräch findest du im Audio-Player oben.

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