Sprint Planning Nachlese - Interview mit Christoph Steinhauer

Sprint Planning läuft schief? Erfahre, wie eine klare Definition of Ready und echte Teamverantwortung Qualität und Commitment sichern. Praxis-Insights für Scrum Master und Product Owner.

28. Januar 202012:56
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Definition of Ready ist kein starres Kontrollinstrument, sondern ein gemeinsamer Qualitätsrahmen, der dem Team Sicherheit und Autonomie im Sprint Planning gibt.
  • Ein dysfunktionales Planning entsteht, wenn Führungskräfte oder Product Owner das Team bis an den Rand auslasten – notwendige Qualitätsarbeit fällt dann hinten runter.
  • Ein "vernünftiger Backlog" zeichnet sich nicht durch detaillierte Spezifikationen aus, sondern durch klare Ziele, die dem Team Freiraum für die Umsetzung lassen.
  • Die größte Herausforderung liegt nicht in der Methode selbst, sondern in ihrer intelligenten Anpassung an den eigenen, spezifischen Kontext.

Kontext: Bezug zur Hauptfolge

In Episode #9: Sprint Planning habe ich über Sprint Planning als zentrales Planungsevent in Scrum gesprochen und dabei die typischen Fallstricke bei der Vorbereitung und Durchführung beleuchtet.

In dieser Nachlese vertiefe ich das Thema im Dialog mit Christoph Steinhauer (Head of Corporate Development & Certified Enterprise Coach). Er bringt über 10 Jahre Erfahrung in Business Agility mit und zeigt konkret, wie Definition of Ready und Teamverantwortung in regulierten Branchen funktionieren.

Worum es geht

Versteht mich nicht falsch: Sprint Planning ist ein zentrales Ritual in Scrum. Was ich konsistent beobachte ist, dass es in der Praxis jedoch oft zu einem reinen Abarbeits-Meeting verkommt, das von Mikromanagement und späteren Schuldzuweisungen geprägt ist.

Das Problem ist nur: Warum führt ein formal korrekt durchgeführtes Planning so häufig zu mangelndem Team-Commitment und qualitativ schwachen Ergebnissen? Die Komplikation liegt in traditionellen Planungsmustern, die unbewusst übernommen werden und echte Teamverantwortung sowie klare Qualitätskriterien untergraben.

In diesem Interview mit Christoph Steinhauer gehen wir der Wurzel des Problems auf den Grund. Wir klären, wie eine sinnvolle Definition of Ready aussieht, was einen "ready" Backlog wirklich ausmacht und wie das Team wieder in die Verantwortung für sein Commitment kommt.

Für wen?

Für wen?

Diese Episode ist ein praxisnaher Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Sie richtet sich primär an Agile Coaches und Scrum Master, die ihre Teams zu mehr Effektivität und Eigenverantwortung im Planning führen wollen. Ebenso profitieren Product Owner, die verstehen möchten, wie sie durch Backlog-Qualität das Team besser unterstützen können.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master spürst, dass eure Sprint Plannings zäh und unmotivierend verlaufen.
  • Als Product Owner frustriert bist, weil das Team deine gut vorbereiteten Items nicht annimmt oder das Commitment verweigert.
  • Als Teammitglied das Gefühl hast, im Planning nur Aufgaben zugeteilt zu bekommen, anstatt sie mitzugestalten.

Episoden-Insights

Definition of Ready als Ermächtigungs-Tool, nicht als Kontrolle

Eine effektive Definition of Ready (DoR) wird oft missverstanden. Sie ist nicht dazu da, dem Product Owner oder dem Management mehr Kontrolle über das Team zu geben. Stattdessen dient sie als gemeinsam vereinbarter Qualitätsrahmen. Dieser Rahmen gibt dem Team die Sicherheit, dass ein Backlog-Item alle notwendigen Informationen für eine solide Schätzung und Umsetzung enthält. Das Ergebnis ist mehr Autonomie und weniger Rückfragen während des Sprints.

"Die Crux liegt in der Anwendung für deine Zwecke in deinem Kontext."

Team-Auslastung ist der Feind der Qualität

Ein häufiges, dysfunktionales Muster im Planning ist die vollständige Auslastung des Teams bis an die Kapazitätsgrenze. Was auf den ersten Blick nach Effizienz aussieht, führt direkt zu Qualitätsproblemen. Das Team hat keinen Puffer für unvorhergesehene Herausforderungen, Refactoring oder notwendige technische Verbesserungen. Die Verantwortung dafür liegt oft bei denen, die den Druck auf den Plan ausüben.

"Wenn ich das Team auslastet bis an den Rand, dann werden Dinge, die auch notwendig sind im Sinne von Qualität, einfach hinten runterfallen gelassen."

Ein "vernünftiger Backlog" fokussiert auf Ziele, nicht auf Details

Die Qualität des Sprint Plannings steht und fällt mit der Qualität des Product Backlogs. Ein "vernünftiger Backlog" zeichnet sich jedoch nicht durch ausformulierte, detaillierte Lösungsvorschriften aus. Im Gegenteil: Er enthält klare Ziele und Problembeschreibungen (das "Was" und "Warum"). Dies gibt dem Team die Freiheit und Verantwortung, den besten Weg zur Lösung (das "Wie") selbst zu erarbeiten und fördert so das Commitment.

Über den Gast: Christoph Steinhauer

Christoph Steinhauer ist Head of Corporate Development bei CG Car-Garantie Versicherungs-AG und bringt über 10 Jahre Erfahrung in Digitalisierung und agilen Methoden mit. Als Executive Agile Coach für Business Agility verbindet er strategische Unternehmensentwicklung mit praktischer agiler Umsetzung.

Expertise & Schwerpunkte:

  • CEC (Certified Enterprise Coach) - Enterprise-Level Coaching-Zertifizierung
  • CSM (Certified Scrum Master) - Scrum Alliance Zertifizierung
  • Über 10 Jahre Erfahrung in Digitalisierung und agilen Methoden
  • Spezialisiert auf Business Agility und Executive Agile Coaching
  • Experte für Design Thinking und agile Transformation in regulierten Branchen
  • Schwerpunkt: Strategische Unternehmensentwicklung mit agilen Methoden

Warum diese Perspektive wertvoll ist: Christoph bringt als Executive Agile Coach für Business Agility und Head of Corporate Development in einem Versicherungsunternehmen eine einzigartige Perspektive mit. Er verbindet strategische Unternehmensentwicklung mit praktischer agiler Umsetzung - besonders wertvoll für die Anwendung von Agilität in etablierten, regulierten Branchen.

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