Agiles Schätzen Nachlese - Interview mit Dennis Wagner

Agiles Schätzen wird oft falsch genutzt. Lernen Sie, wie Sie den wertvollen Team-Dialog fördern und sich von pseudogenauen Zahlen lösen. Für Scrum Master und Product Owner.

13. Februar 202014:14
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wert liegt im Dialog, nicht in der Zahl: Die eigentliche Stärke von Schätzungen wie Planning Poker ist das gemeinsame Verständnis und die Diskussion im Team – nicht die pseudogenaue Zahl, die am Ende steht.
  • Komma-Zahlen sind ein Alarmzeichen: Wenn Ihr Team bei Story Points mit Kommazahlen oder extrem feinen Abstufungen arbeitet, ist das ein klares Signal, dass der Fokus auf falsche Präzision gerichtet ist.
  • Schätzungen sind Wahrscheinlichkeiten, nicht Versprechen: Agile Schätzungen erzeugen eine Wahrscheinlichkeitsverteilung für den Aufwand. Nutzen Sie Confidence-Werte oder Percentile aus Histogrammen, um realistische Erwartungen zu kommunizieren.
  • Das Werkzeug ist nicht das Problem: Story Points sind ein gutes Werkzeug, das konsistent falsch angewendet wird. Die Herausforderung liegt in der Anwendung und den darum herum aufgebauten Erwartungen.

Worum es geht

Versteht mich nicht falsch – agile Schätzmethoden sind an sich wertvoll. Was ich konsistent beobachte ist, dass Teams und Organisationen diese Werkzeuge aber oft ins Gegenteil verkehren. Aus einem konstruktiven Team-Dialog wird ein mechanisches Abfragen von pseudogenauen Zahlen, das mehr mit Scheinpräzision als mit echter Planung zu tun hat.

Das Problem ist nur: Dieser falsche Fokus führt direkt zu Frustration. Das Team fühlt sich kontrolliert, Führungskräfte bekommen scheinbar präzise Zahlen, die aber keine verlässliche Planungsgrundlage bieten, und am Ende entsteht Blaming, wenn die "Versprechen" nicht gehalten werden. In diesem Gespräch mit Dennis Wagner gehen wir der Frage nach: Wie können wir Schätzen wieder zu dem machen, was es sein sollte – ein Werkzeug für bessere Gespräche und realistischere Erwartungen?

Für wen?

Für wen?

Diese Episode spricht alle an, die mit der Planung und Durchführung von Arbeit in agilen Teams zu tun haben – und die die Frustration rund ums Schätzen aus erster Hand kennen.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach erlebst, dass Schätzmeetings zur leeren Formalie verkommen sind.
  • Als Product Owner unter Druck stehst, "genaue" Aufwandszahlen an Stakeholder zu liefern, obwohl du die Unsicherheit kennst.
  • Als Teammitglied das Gefühl hast, dass das Abfragen von Zahlen wichtiger ist als das Verstehen der Aufgabe.

Episoden-Insights

Schätzen dient dem Dialog, nicht der präzisen Vorhersage

Der größte Wert von Formaten wie Planning Poker liegt im Prozess selbst. Wenn das Team diskutiert, Annahmen hinterfragt und ein gemeinsames Verständnis der Komplexität einer Aufgabe entwickelt, ist der eigentliche Gewinn erzielt. Die anschließende Zahl ist oft nur ein Nebenprodukt – und wird leider zum Hauptzweck degradiert. Diese Verkehrung raubt der Übung ihre Wirksamkeit.

"Der Vorgang des Schätzens ist unglaublich wertvoll. Die Zahl, die rauskommt, ist ein Problem ganz oft."

Falsche Präzision untergräbt den Sinn

Teams, die anfangen, Story Points in Kommazahlen oder mit unnötig feiner Granularität (wie 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100) zu vergeben, signalisieren ein grundlegendes Missverständnis. Schätzen ist per Definition unscharf. Der Versuch, sie präzise aussehen zu lassen, schafft eine trügerische Sicherheit und lenkt von der eigentlichen Unsicherheit und den Risiken der Aufgabe ab.

"Wenn ihr Kommazahlen seht, bei StoryPoint-Schätzungen läuft was falsch."

Das Werkzeug ist nicht schuld – die Anwendung ist es

Es ist verlockend, die Methode (z.B. Story Points) für die schlechten Ergebnisse verantwortlich zu machen. Die Wahrheit ist: Ein Werkzeug kann nur so gut sein wie seine Anwender und der Kontext, in dem es genutzt wird. Oft werden die Zahlen aus dem Schätzprozess isoliert, in Projektpläne überführt und als feste Commitments missverstanden. Damit wird ein hilfreiches Team-internes Werkzeug zu einem externen Kontrollinstrument umfunktioniert.

"Story points für ein richtig gutes Werkzeug, das ganz oft ganz falsch benutzt wird."

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