Das Wichtigste in Kürze
- Die Reise-Metapher verstehen: Ein gutes Product Backlog funktioniert wie eine Reiseplanung: die nächsten Schritte (die nächsten 2-3 Sprints) sind bis ins Detail geplant („Hotelbuchung“), während der weitere Ausblick („Ziel: Cuxhaven“) gröber, aber richtungsweisend bleibt.
- Praktische Faustregeln anwenden: Halte die Übersicht mit max. 120-150 Items im Backlog. Pro Sprint sollten 5-10 detaillierte Items bereitstehen, wobei idealerweise das 1,5- bis 2-fache an „ready“ Items für den nächsten Sprint vorliegt.
- Vom „Grooming“ zum echten „Refinement“ kommen: Es geht nicht um kosmetische Änderungen, sondern um inhaltliche Schärfung. Das Ziel ist, früh das Gespräch darüber zu triggern, was wichtig und was unwichtig ist – bevor das Team in der Umsetzung steckt.
- Die gemeinsame Übersicht bewahren: Wenn das Backlog in zu viele, zu kleine technische Schnipsel zerfällt, verliert das Team die Fähigkeit, das Produkt gemeinsam zu gestalten. Das Backlog muss für alle Beteiligten verständlich bleiben.
Worum es geht
Viele Scrum Teams kennen das: Das Product Backlog wird gepflegt, Items werden geschrieben und priorisiert – und trotzdem arbeitet man sich von Sprint zu Sprint, ohne ein klares Gefühl für die gemeinsame Richtung zu haben. Die Übersicht geht im Kleinklein der einzelnen Aufgaben verloren.
Das Problem ist nur: Ein reiner Aufgabenstapel ist kein Steuerungsinstrument. Wenn das Backlog in unzählige technische Teilaufgaben zerfällt, „sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr“. Die Folge ist fragmentiertes Arbeiten, bei dem das Team das Produkt nicht mehr gemeinsam und zielgerichtet gestalten kann.
Wie schafft man es also, dass das Product Backlog nicht nur verwaltet, sondern als lebendiger, strategischer Ausblick genutzt wird, der dem Team echte Orientierung gibt? In dieser Episode zerlegen wir die zentralen Qualitäten eines wirkungsvollen Backlogs und liefern konkrete, anwendbare Faustregeln für die Praxis.
Für wen?
Für wen?
Diese Episode spricht alle an, die mit der Steuerung und Ausrichtung von Produktentwicklung zu tun haben. Sie bietet konkrete Werkzeuge für die tägliche Praxis und ein klares Mindset für die strategische Funktion des Product Backlogs.
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Product Owner oder Product Manager das Gefühl hast, dein Backlog ist eine endlose Wunschliste, aber kein klares Steuerungsinstrument.
- Als Scrum Master oder Agile Coach dein Team dabei unterstützen willst, im Refinement mehr inhaltliche Tiefe zu erreichen und nicht nur Tasks zu verwalten.
- Als Führungskraft oder Team Lead verstehen möchtest, wie ein gut gepflegtes Backlog Transparenz schafft und hilft, strategische Risiken frühzeitig zu erkennen.
Episoden-Insights
Ein gutes Backlog kombiniert konkrete nächste Schritte mit strategischem Ausblick
Die Kernaufgabe eines Product Backlogs ist es, dem Team Orientierung zu geben – ähnlich einer Reiseplanung. Die unmittelbar nächsten Schritte (die nächsten 1-2 Sprints) müssen sehr konkret und ausführbar sein („wir buchen das Hotel“). Gleichzeitig muss das Backlog eine gröbere, aber klare Fernsicht auf die übergeordneten Ziele bieten („wir wollen nach Cuxhaven“). Nur diese Kombination ermöglicht zielgerichtetes und dennoch flexibles Vorgehen.
"Ein gutes Product Backlog ... ist ein guter, strategischer Ausblick, der gleichzeitig in der näheren Zukunft sehr konkret ist."
Refinement dient der inhaltlichen Schärfung, nicht der kosmetischen Pflege
Der oft verwendete Begriff „Backlog Grooming“ (Pflegen) verfehlt den eigentlichen Zweck. Es geht nicht darum, Items hübsch zu machen. Beim echten Refinement steht die inhaltliche Diskussion und gemeinsame Klärung im Vordergrund. Das Ziel ist, frühzeitig Unsicherheiten und unterschiedliche Interpretationen aufzudecken.
"Die Idee dahinter ist, dass wir früh das Gespräch triggern, darüber was ist jetzt wichtig und was ist unwichtig."
Die richtige Granularität erhält die gemeinsame Übersicht
Ein zu detailliertes und umfangreiches Backlog wird unübersichtlich und demotivierend. Praktische Faustregeln helfen, die Balance zu halten: Ein Backlog sollte nicht mehr als 120-150 Items umfassen. Pro Sprint sollten etwa 5-10 Items detailliert vorbereitet sein, wobei idealerweise ein Puffer von etwa dem 1,5- bis 2-fachen an „ready“ Items für den Folgesprint existiert. Diese Grenzen sind keine Dogmen, sondern sollen Sinnhaftigkeit und Übersicht im eigenen Kontext sicherstellen.
Dein nächster Schritt
Die Faustregeln aus der Episode sind ein guter Startpunkt. Doch wie gesund und steuerungsfähig ist Ihr konkretes Product Backlog wirklich?
Product-Backlog Quick-Check (PDF)
Lade dir unsere einseitige Zusammenfassung mit der Reise-Metapher, den Faustregeln und kritischen Reflexionsfragen für dein nächstes Refinement herunter.
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Erwähnt in der Folge
Training und Coaching(Training)
Ralph Kruse stellt sich vor und beschreibt seine Tätigkeit: 'Ich helfe Organisationen durch Training und Coaching Agile herangehen...'
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
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