Das Wichtigste in Kürze
- Drei Qualitätskriterien für eine wirkungsvolle Vision: Sie muss (1) kurz & prägnant, (2) breit & eingrenzend und (3) von allen geteilt sein – nicht nur an alle kommuniziert.
- Praktische Übungen statt Buzzword-Bingo: Konkrete Techniken wie der Elevator Pitch, die fiktive Pressemitteilung oder die Produktbox-Übung führen zu einer echten, gemeinsamen Vision.
- Integration in Scrum ist entscheidend: Eine Vision, die nur in einer Präsentation existiert, ist wertlos. Sie muss in Refinement, Planning und Review aktiv genutzt werden, um Entscheidungen zu treffen.
- Die größte Herausforderung ist das „Leben“: Die Erstellung ist der erste Schritt. Die eigentliche Wirkung entfaltet die Vision erst, wenn sie täglicher Kompass für das Team wird.
Worum es geht
Scrum selbst liefert keine Produktvision, doch genau daran mangelt es oft: Teams arbeiten ohne klares, gemeinsames Ziel. Was ich konsistent beobachte ist, dass diese Lücke zu fehlendem Fokus, Zynismus ("noch so ein künstliches Artefakt") und einer sprunghaften, ineffektiven Produktentwicklung führt, bei der man von Stakeholder-Wunsch zu Stakeholder-Wunsch springt.
Das Problem ist nur: Wenn die Fliegkräfte der Organisation blind auf ein Team wirken, ohne dass es eine klare Orientierung hat, wird zielgerichtete Entwicklung schwierig. Diese Episode beantwortet die implizite Frage: Wie schafft man eine gute, wirkungsvolle Produktvision, die nicht nur an der Wand hängt, sondern tatsächlich gelebt wird?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Product Owner oder Product Manager das Gefühl hast, nur noch Backlog-Administrator zu sein und dir eine "ungemeine Kraft und Klarheit" im Umgang mit Stakeholderwünschen wünschst.
- Als Scrum Master oder Agile Coach erlebst, dass dein Team ohne Richtung arbeitet und du praktische Tools suchst, um gemeinsam eine Vision zu erarbeiten und zu verankern.
- Als Führungskraft siehst, dass deine Teams oder Abteilungen ohne übergreifendes Ziel arbeiten und an Silos oder divergierenden Prioritäten leiden.
Episoden-Insights
1. Eine echte Vision wird gemeinsam erstellt, nicht nur präsentiert
Der kritischste Qualitätsfaktor ist die geteilte Ownership. Eine Vision, die vom Product Owner oder der Führungsetage allein erdacht und dann "verkauft" wird, bleibt oft wirkungslos und erzeugt Zynismus. Wirkungsvolle Visionen entstehen durch kollaborative Workshops und Übungen, bei denen das gesamte Team – Entwicklung, PO, Stakeholder – seinen Input einbringt. Dies schafft Commitment und Verständnis.
"Eine gute Produktvision [...] muss von allen Beteiligten geteilt werden. Nicht, dass sie an alle Beteiligten geteilt wird, sondern, dass sie von allen Beteiligten geteilt wird."
2. Konkrete Übungen führen aus der Abstraktion
Versteht mich nicht falsch – eine Strategie-Offsite voller Buzzwords bringt nichts. Stattdessen braucht es handfeste Methoden, um die abstrakte Idee einer Vision greifbar zu machen. Bewährte Techniken sind der Elevator Pitch ("Für [Zielgruppe], die [Problem] hat, ist unser Produkt ein/e [Kategorie], das [Nutzen] bietet. Im Gegensatz zu [Alternative] liefern wir [Unterscheidungsmerkmal]"), die fiktive Pressemitteilung oder die physische "Produktbox", die das Team gestaltet.
3. Die Vision muss in den Scrum-Events leben
Ein Dokument im Wiki ist tot. Die eigentliche Herausforderung beginnt nach der Erstellung. Damit die Vision ihre ausrichtende und fokussierende Kraft entfalten kann, muss sie integraler Bestandteil der täglichen Arbeit werden: Dient sie im Refinement als Filter für neue Ideen? Hilft sie im Sprint Planning bei der Zielsetzung? Wird in der Review geprüft, ob man der Vision näher gekommen ist?
"Die größte Herausforderung ist [...] wie müssen wir sie leben, damit eine Produktvision ihre Wirkung entfaltet?"
Dein nächster Schritt
Kommt dir das bekannt vor? Eine vage oder nicht-geteilte Vision kostet Energie und Fokus. Lass uns das konkret angehen.
Kompakt-Guide: Produktvision-Checkliste & Template
Lade dir unsere praktische PDF-Checkliste mit den 3 Qualitätskriterien und einem direkt anwendbaren Elevator-Pitch-Template herunter, um sofort mit deinem Team starten zu können.
Checkliste & Template herunterladen →Ressourcen
Erwähnt in der Folge
Training und Coaching(Training)
Ralph Kruse stellt sich vor und sagt, er helfe Organisationen durch Training und Coaching, agile Arbeitsweisen effektiv zu nutzen.
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
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