Das Scrum Team

Warum Scrum-Teams scheitern, wenn eine Person allein entscheidet. Lerne, wie gleichrangige Rollen und Gewaltenteilung frühe, bessere Entscheidungen ermöglichen.

17. März 202028:49
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Scrum Team ist als System der Gewaltenteilung („Checks and Balances“) zwischen Product Owner, Scrum Master und Entwickler:innen gedacht, um Machtkonzentration zu vermeiden.
  • Der tiefere Sinn dieses Aufbaus ist es, früher harte Entscheidungen treffen zu müssen – bevor große Investitionen in die falsche Richtung fließen.
  • Wenn eine Rolle dominiert (z.B. der Product Owner als „Chef“), entsteht „Scrum Theater“: Risiken, Qualitätsmängel und Realitätsverlust werden zu spät erkannt.
  • Die Lösung ist explizite, gemeinsame Entscheidungsfindung aller drei Rollen – das ist Teamsport und keine Einzelentscheidung.
  • Eine regelmäßige Rollenreflexion hilft, aus der Illusion der Zusammenarbeit in die tatsächliche, effektive Praxis zu kommen.

Worum es geht

Scrum definiert das Team als fundamentale Einheit mit drei gleichrangigen Rollen: Product Owner, Scrum Master und Entwickler:innen. In der Theorie klingt das schlüssig, in der Praxis beobachten wir jedoch oft ein anderes Bild.

Das Problem ist nur: In vielen Organisationen kippt dieses sensible Gleichgewicht. Es stellt sich die Frage „Wer ist denn hier der Chef?“, und oft übernimmt eine Person – meist der Product Owner oder ein (agiler) Manager – die alleinige Entscheidungsgewalt. Was wie Effizienz aussieht, entpuppt sich als große Gefahr.

Diese Episode geht der Frage nach, warum das Scrum-Team genau so konstruiert ist und was passiert, wenn wir sein Prinzip der gegenseitigen Kontrolle und Balance ignorieren. Die Antwort führt uns zu früheren Feedbackschleifen, mutigeren Diskussionen und der Vermeidung von „Berliner Flughafen“-Projekten.

Für wen?

Für wen?

Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Führungskraft erlebst, dass Projekte trotz „Agilität“ immer wieder in teuren Verzögerungen oder Qualitätsproblemen enden und du verstehen willst, warum.
  • Als Scrum Master oder Agile Coach das Gefühl hast, dein Team spielt nur Theater und du willt das Prinzip der Gleichrangigkeit wiederherstellen.
  • Als Product Owner im ständigen Spannungsfeld zwischen Stakeholder-Erwartungen und Team-Realität steckst und nach einer strukturellen Lösung suchst, die dich aus dem „AlleinentScheider“-Dilemma befreit.

Episoden-Insights

Erkenntnis 1: Scrum als System der Gewaltenteilung verstehen

Die drei Rollen im Scrum Team sind nicht hierarchisch, sondern komplementär angelegt, ähnlich der Gewaltenteilung in einer Demokratie. Jede Rolle hat eine spezifische Verantwortung und Macht, um die anderen Rollen in Schach zu halten. Der Product Owner vertritt den Wert und die Stakeholder-Interessen, die Entwickler:innen die technische Realisierbarkeit und Qualität, und der Scrum Master die Effektivität des Prozesses. Erst dieses Spannungsfeld zwingt zu expliziten, gemeinsamen Abwägungen.

"Die Idee... ist zu sagen: Wir müssen das mit allen drei Rollen hier als Teamsport leben."

Erkenntnis 2: Das Ziel ist frühe, schmerzhafte Entscheidungen

Der wahre Nutzen dieses Aufwands ist nicht Bürokratie, sondern beschleunigtes Lernen. Das System ist darauf ausgelegt, schlechte Nachrichten und Hindernisse frühzeitig ans Licht zu zwingen. Es soll Teams dazu bringen, unrealistische Zeitpläne, nicht machbare Features oder technische Schulden schon nach dem ersten Sprint zu diskutieren – und nicht erst, wenn 80% des Budgets verbrannt sind. „Wir müssen früher harte Entscheidungen treffen“ – das ist der Schutzmechanismus gegen monumentales Scheitern.

Erkenntnis 3: „Scrum Theater“ entsteht, wenn eine Rolle dominiert

Kommt dir das bekannt vor? Der Product Owner diktiert das „Was“ und „Wann“, das Team nickt es ab, und der Scrum Master verwaltet nur noch den Kalender. Das ist „Scrum Theater“. In diesem Szenario funktioniert die Gewaltenteilung nicht. Die Entwickler:innen trauen sich vielleicht nicht, auf unmögliche Anforderungen hinzuweisen, und der Scrum Master scheut den Konflikt. Das Ergebnis: Die Entscheidung wird von einer Person getroffen, und das Team erkennt Risiken und Qualitätsprobleme zu spät. Echte Zusammenarbeit wird durch Illusion ersetzt.

Dein nächster Schritt

Die Theorie der Gewaltenteilung ist klar, die Umsetzung im Alltag oft hart. Wie steht es um die Rollenklarheit und Entscheidungskultur in deinem Team?

Praktische Übung: Rollenreflexion für Scrum Teams

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