Das Wichtigste in Kürze
- Der größte Hebel liegt im Sozialen, nicht im Technischen: Erfolgreiche Remote-Zusammenarbeit steht und fällt mit der Qualität der menschlichen Interaktion, nicht mit der Auswahl des Videokonferenz-Tools.
- Prozesse bewusst anpassen: Etablierte Formate wie das Daily müssen für die virtuelle Umgebung neu gedacht werden, z.B. durch die Nutzung der Teilnehmerliste als digitalen "Talking Stick".
- Präsenz ist unersetzlich für Vertrauen: Regelmäßige, reale Treffen zum Team-Building sind eine notwendige Investition, die sich in der täglichen Remote-Arbeit auszahlt.
- Reflexion wird zur Pflicht: In verteilten Teams fallen non-verbale Signale weg. Desto wichtiger werden strukturierte Reflexionsformate wie Retrospektiven, um Missverständnisse früh aufzudecken.
Worum es geht
Die Umstellung auf verteilte oder hybride Teamarbeit ist für viele Organisationen längst Alltag. Was mit der Notwendigkeit begann, hat sich oft als dauerhafte Herausforderung etabliert. Versteht mich nicht falsch – die technischen Voraussetzungen sind heute meist gegeben.
Das Problem ist nur: Teams und Führungskräfte konzentrieren sich zu sehr auf diese Tools und unterschätzen die sozialen und kommunikativen Tiefenwirkungen. Was im Büro nebenbei läuft – der kurze Plausch, das Erkennen von nonverbaler Unzufriedenheit – muss remote explizit gestaltet werden. Die Frage ist also: Wie schaffen wir es, dass Scrum-Teams auch über Distanz nicht nur funktionieren, sondern wirklich lebendig und hochperformant zusammenarbeiten?
In dieser Episode teilt Agile Coach Sven Köhler von Siemens konkrete Erfahrungen und Learnings aus der Praxis eines Großkonzerns mit international verteilten Teams.
Für wen?
Für wen?
Diese Episode richtet sich in erster Linie an die Menschen, die für den reibungslosen Ablauf und das Miteinander in agilen Teams verantwortlich sind. Die konkreten Tipps sind direkt in deinen Arbeitsalltag übertragbar.
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Scrum Master oder Agile Coach dein Team durch die Herausforderungen der verteilten Zusammenarbeit führen möchtest.
- Als Team- oder Abteilungsleiter verstehen willst, wie du die Produktivität und den Zusammenhalt in remote arbeitenden Teams fördern kannst.
- Dich fragst, warum die Stimmung in deinem Team trotz guter Technik leidet und was du konkret dagegen tun kannst.
Episoden-Insights
1. Tooling ist nur die Grundlage – der Mensch macht den Unterschied
Viele Teams starten die Remote-Reise mit der Diskussion um das beste Tool. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Was ich konsistent beobachte ist, dass die eigentliche Arbeit erst danach beginnt: die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, muss bewusster gestaltet werden. In der Präsenz gleichen wir unbewusst viele kleine Missverständnisse aus. Remote fallen diese Puffer weg, sodass Klarheit und Empathie aktiv gefördert werden müssen.
"Tooling als solches ist halt nur eine Sache. Die Art und Weise wie man halt miteinander umgeht, also das Soziale, das menschliche [...] macht eine sehr große Rolle."
2. Etablierte Formate müssen für die Remote-Umgebung "übersetzt" werden
Ein Daily Stand-up ist nicht einfach ein Meeting per Video. Die Dynamik ist eine völlig andere. Ein praktischer Tipp ist hier die Nutzung der Teilnehmerliste als strukturgebendes Element – eine Art digitaler "Talking Stick", der sicherstellt, dass jeder zu Wort kommt und die Aufmerksamkeit nicht verloren geht. Diese bewusste Anpassung von Prozessen verhindert, dass Meetings ineffektiv werden und Frustration entsteht.
3. Investition in Präsenz zahlt sich in der Remote-Arbeit aus
Kommt dir das bekannt vor? Man möchte Kosten sparen und verzichtet komplett auf reale Treffen. Das ist kurzfristig gedacht. Gerade für den Aufbau von Vertrauen, das Lösen komplexer Konflikte oder die gemeinsame Visionierung sind Face-to-Face-Begegnungen unschlagbar. Sie schaffen das soziale Kapital, das das Team dann in den Phasen der verteilten Zusammenarbeit zehrt. Es geht nicht um ein "Entweder-oder", sondern um ein smartes "Sowohl-als-auch".
4. Die Haltung des Lernens ist entscheidend
Probleme in der Remote-Zusammenarbeit sind unvermeidbar. Die entscheidende Frage ist, wie das Team damit umgeht. Eine defensive Haltung sucht die Schuld beim Tool oder bei anderen. Eine lernende Haltung fragt: Was können wir daraus mitnehmen?
"Ein guter Handwerker wird niemals ein Hammer beschimpfen, dass er ihm auf den Daumen gehauen hat [...] was nehme ich daraus mit zum nächsten Mal?"
Diese Analogie unterstreicht: Es geht darum, aus jeder Situation zu lernen und die eigene Zusammenarbeit kontinuierlich zu verbessern – eine Kernkompetenz agiler Teams, die remote noch essentieller wird.
Dein nächster Schritt
Die Theorie ist das eine – die Umsetzung in deinem spezifischen Kontext das andere. Lass uns gemeinsam abgleichen, wo dein Team gerade steht und welche Hebel den größten Unterschied machen können.
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