Das Wichtigste in Kürze
- Ein guter Product Owner schafft Klarheit, nicht die eine Wahrheit. Seine Kernaufgabe ist es, aus widersprüchlichen Stakeholder-Bedürfnissen eine verständliche und geteilte Richtung für das Produkt zu formulieren.
- Drei fatale Dysfunktionen halten POs gefangen: Sie agieren als fachlicher Experte, als reiner Spezifikateur von Anforderungen oder als Antreiber des Teams – anstatt Verantwortung für das Produkt-Ergebnis zu übernehmen.
- Erfolg entsteht durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Scrum Master. Während der PO für das "Was" und "Warum" verantwortlich ist, kümmert sich der Scrum Master um das "Wie" der Zusammenarbeit.
- Entwickeln Sie eine kritische Haltung: Seien Sie beim Zuhören Ihr eigener größter Kritiker, aber werden Sie zum glühendsten Verfechter der getroffenen Entscheidung, sobald Sie sprechen und handeln.
Worum es geht
Die Rolle des Product Owners ist entscheidend für den Erfolg von Produkten in agilen Umgebungen. In der Praxis beobachten wir jedoch oft, dass diese Rolle ihr volles Potenzial nicht entfaltet.
Das Problem ist nur: Viele Product Owner scheitern daran, echte unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen fungieren sie als Administratoren, reine Anforderungsmanager oder Task-Antreiber für das Entwicklungsteam. Sie verwalten Backlogs, statt Klarheit zu schaffen und wertorientierte Entscheidungen zu treffen.
Diese Episode, eine vertiefende Nachlese mit Coach und Podcaster Tim Kleinen, geht der Frage nach: Was unterscheidet einen rein verwaltenden von einem wirkungsvollen, unternehmerisch denkenden Product Owner – und wie gelingt dieser Schritt?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Product Owner oder Product Manager das Gefühl hast, mehr zu verwalten als zu gestalten, und nach Wegen suchst, echte unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.
- Als Scrum Master oder Agile Coach deinen Product Owner besser unterstützen und die Zusammenarbeit auf ein neues Level heben möchtest.
- Als Führungskraft verstehen willst, woran eine gute PO-Besetzung scheitern kann und welche Qualitäten du bei der Besetzung dieser Schlüsselrolle wirklich suchen solltest.
Episoden-Insights
Klarheit schaffen, nicht die Wahrheit verkünden
Die zentrale Aufgabe eines Product Owners ist nicht, die eine objektive "Wahrheit" über das Produkt zu finden oder durchzusetzen. Das ist oft unmöglich bei widersprüchlichen Stakeholder-Interessen. Was er stattdessen leisten muss, ist Klarheit zu schaffen. Das bedeutet, aus komplexen und teils gegenläufigen Bedürfnissen eine kohärente, für alle Beteiligten verständliche und akzeptierte Produktrichtung abzuleiten. Diese Klarheit ist die Grundlage für zielgerichtetes Handeln des gesamten Teams.
"Also der Produkt Owner als die eine Wahrheit? – Nein, die eine Wahrheit würde ich gar nicht so richtig formulieren, sondern eher die eine Klarheit."
Die drei Dysfunktionen: Experte, Spezifikateur, Antreiber
Was ich konsistent beobachte, sind drei typische Muster, in denen Product Owner stecken bleiben und so ihre Wirkung verfehlen. Erstens agieren sie als fachlicher Experte, der alle Domänenkenntnisse selbst horten muss. Zweitens verkommen sie zum Spezifikateur, der nur noch Anforderungen aus der Stakeholder-Perspektive übersetzt und dokumentiert. Drittens werden sie zum Antreiber, der das Entwicklungsteam nur noch zu mehr Output drängt. Alle drei Muster bedeuten: Der PO übernimmt keine echte Produktverantwortung mehr, sondern verwaltet lediglich Prozesse.
Die kritische Partnerschaft: PO und Scrum Master
Ein wirkungsvoller Product Owner steht nie alleine da. Der Erfolg hängt maßgeblich von einer funktionierenden, vertrauensvollen Partnerschaft mit dem Scrum Master ab. Versteht mich nicht falsch – die Rollen sind klar getrennt: Der PO ist verantwortlich für das "Was" und "Warum" (Produktinhalt, Wert, Entscheidungen), der Scrum Master für das "Wie" (Prozess, Zusammenarbeit, Beseitigung von Hindernissen). Doch genau diese klare Aufgabenteilung ermöglicht es dem PO, sich auf seine strategische und entscheidungsorientierte Kernaufgabe zu fokussieren.
Die Haltung des entscheidungsfähigen Verfechters
Ein unternehmerischer Product Owner braucht eine spezifische innere Haltung. Sie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: "Wenn du sprichst, sollst du der glühendste Verfechter [...] sein, aber wenn du zuhörst, sollst du dein eigener größter Kritiker sein." Das bedeutet, in der Phase des Zuhörens und Sammelns von Informationen müssen Sie skeptisch und kritisch hinterfragen. Sobald jedoch eine Entscheidung getroffen wurde, müssen Sie diese voll und ganz vertreten und nach außen tragen – auch gegenüber widersprechenden Stakeholdern.
Dein nächster Schritt
Kommt dir das bekannt vor? Wenn Sie als Product Owner oder verantwortliche Führungskraft die Dysfunktionen aus dieser Episode in Ihrem Umfeld wiedererkennen, dann lassen Sie uns mal gemeinsam abgleichen, wo Sie konkret stehen.
Product Ownership reflektieren
In einem unverbindlichen Strategiegespräch analysieren wir Ihre aktuelle PO-Situation, identifizieren Hebel für mehr Klarheit und unternehmerische Wirkung und besprechen mögliche nächste Schritte.
Gespräch vereinbaren →Ressourcen
Erwähnt in der Folge
Die Produktwerker(podcast)
Der Gast Tim Kleinen ist Mitbegründer des Podcasts 'Die Produktwerker'. Der Host empfiehlt diesen Podcast explizit für die Produkt-Owner-Perspektive: '...wenn ihr dazu Podcast sucht, das ist ein Podcast, den ich da nur empfehlen kann...'
Live zu diesem Thema
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Weiterführende Themen & Ressourcen
72: Effectuation & Scrum
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