Hilfe, unsere Experten werden zum Bottleneck!

Scrum-Teams verzögern die Wertlieferung, weil Wissen bei Einzelnen gebunkert ist. Erfahre, wie du den konkreten Bedarf für Wissensverteilung sichtbar machst, bevor du handelst.

30. März 202130:18
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Das Wichtigste in Kürze

  • Scrum macht Probleme sichtbar, löst sie nicht automatisch: Die Framework-Struktur zeigt dir zuerst, wo Engpässe wie ein einzelner Experte ("Bob") den Fluss der Wertlieferung blockieren.
  • Lösungen scheitern ohne konkreten Bedarf: Maßnahmen zur Wissensverteilung werden ignoriert, solange das Team den konkreten Handlungsdruck nicht gemeinsam sieht und anerkennt.
  • Priorisiere dein Backlog konsequent nach Business-Wert: Diese einfache Praxis macht sofort sichtbar, welche hochwertigen Items wegen fehlender Skills oder eines "Bobs" nicht angegangen werden können.
  • Visualisiere den Bedarf mit einer Skill-Matrix: Sie zeigt Lücken und Abhängigkeiten auf und schafft eine gemeinsame, faktenbasierte Grundlage für Verbesserungsgespräche im Team.

Worum es geht

Versteht mich nicht falsch – welches Scrum-Team startet denn nicht mit einer unausgewogenen Verteilung von Fähigkeiten und Skills? Das ist normal. Das Problem ist nur, dass diese Ungleichheit oft zu kritischen Engpässen wird.

Was ich konsistent beobachte ist diese Situation: Das Team arbeitet mit einem priorisierten Backlog und stellt plötzlich fest: "Das hat eigentlich immer Bob gemacht" und "Bob kann in den nächsten zwei Wochen nur zwei dieser Items bearbeiten". Der Wertfluss kommt ins Stocken, Frustration steigt, und der Druck auf Bob wird ungesund.

In dieser Episode gehen wir der Frage nach: Wie können wir diese Bottleneck-Situation überwinden, ohne in voreilige, nicht nachhaltige Lösungen zu verfallen? Die Antwort liegt nicht im sofortigen Pair-Programming-Mandat, sondern darin, den Bedarf für Veränderung erst einmal für alle Beteiligten konkret und unausweichlich sichtbar zu machen.

Für wen?

Für wen?

Diese Episode spricht alle an, die erleben, dass der Fluss der Wertschöpfung in ihrem Team immer wieder an denselben Stellen ins Stocken gerät.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach das Gefühl hast, gegen die Wand zu reden, wenn du Wissensverteilung vorschlägst.
  • Als Product Owner frustriert bist, weil deine Top-Prioritäten im Backlog wochenlang nicht angegangen werden können.
  • Als Team- oder Abteilungsleiter siehst, dass deine Teams in der Lieferung unzuverlässig sind und du die strukturelle Ursache verstehen willst.

Episoden-Insights

1. Scrum ist ein Spiegel, kein Problemlöser

Scrum ist so gestrickt, dass es uns erst mal kein Problem löst, sondern es uns vor allem sichtbar macht. Das Framework zwingt uns durch regelmäßige Überprüfung und Anpassung, uns mit den realen Hindernissen auseinanderzusetzen – wie dem "Bob"-Bottleneck. Erst wenn dieses Hindernis für alle klar auf dem Tisch liegt, kann das Team beginnen, wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Das ist unbequem, aber notwendig.

"Scrum ist ja so gestrickt ..., dass es uns erst mal ja kein Problem löst, sondern uns diese erst mal vor allem sichtbar macht."

2. Sichtbarer Bedarf schafft Eigenantrieb

Ein klassischer Fehler ist es, als Scrum Master oder Führungskraft mit fertigen Lösungen ("Ab jetzt machen wir alle Pair Programming!") zu kommen. Das stößt oft auf Widerstand. Der wirksamere Hebel ist es, den Team-Mitgliedern selbst die Konsequenzen der aktuellen Situation vor Augen zu führen. Wenn das Team im Sprint Planning oder anhand der Skill-Matrix selbst sieht, welche wertvollen Backlog-Items liegen bleiben, entsteht ein intrinsischer Drang, etwas zu ändern.

"Meiner Erfahrung ist ... dass wenn die beteiligten Personen diesen Bedarf sehen und auch ein konkretes Handlungsfeld gemeinsam sehen, dann werden Verbesserungsideen ganz anders aufgegriffen."

3. Nutze das Product Backlog als Diagnose-Tool

Ein einfacher, aber extrem wirkungsvoller Schritt: Priorisiere dein Product Backlog strikt nach Business-Wert. Diese klare Priorisierung legt sofort offen, welche der wertvollsten Anforderungen blockiert sind, weil das notwendige Wissen nur bei einer Person liegt. Dies schafft eine objektive, wertorientierte Grundlage für das Gespräch mit dem Product Owner und dem Team über Wissensverteilung. Es verschiebt den Fokus von "Bob ist schuld" zu "Unser wertvollstes Ziel ist in Gefahr".

Dein nächster Schritt

Kommt dir das bekannt vor? Die Bottleneck-Problematik ist komplex und lässt sich nicht mit einer Standardlösung wegdrücken. Für weitere praxisnahe Impulse, wie du als agiler Begleiter Teams nachhaltig entwickelst, melde dich für unseren wöchentlichen Newsletter an.

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Ressourcen

Erwähnt in der Folge

Online-Programm für praktizierende Scrum Master und Agile Coaches(Training)

Ralf stellt sein neues Online-Programm vor, das sich auf die Aufarbeitung konkreter Praxisbeispiele der Teilnehmer konzentriert. Er erwähnt, dass das Thema dieser Folge (Wissensverteilung) dort diskutiert wurde und die Folge eine gute Ergänzung dazu ist. Er lädt Interessierte ein, auf enablechange.de vorbeizuschauen oder ihn direkt anzuschreiben.

Scrum Master Dojo(Webinar)

Ralf erwähnt ein monatliches, kostenloses Scrum Master Dojo, bei dem strukturiert Fallbeispiele aufgearbeitet werden. Das Thema der letzten Session war 'Hilfe, meine Experten werden zum Bottleneck'. Er lädt die Zuhörer ein, sich für den nächsten Termin anzumelden.

Weitere Ressourcen aus dem Netz

Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.

Die besten Tipps zu Scrum und Agilität

  • Wo macht eine agile Arbeitsweise Sinn? Wo nicht?
  • Was zeichnet Scrum im Kern aus?
  • Wie gestalte ich Scrum effektiv aus?
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