Das Wichtigste in Kürze
- Juristen früh einbinden: Holen Sie rechtlichen Rat bereits in der Projektkonzeption, nicht erst bei Konflikten. Das schafft Klarheit und vermeidet teure Nachverhandlungen.
- Vom Werk- zum Dienstvertrag denken: Für komplexe, unsichere Vorhaben ist ein agiler Dienstvertrag oft passender als ein starrer Werkvertrag, da er die notwendige Flexibilität für Entdeckungen zulässt.
- Definitionen im Vertrag festhalten: Legen Sie vertraglich genau fest, was z.B. ein "abgeschlossener Sprint" oder eine "erfolgreiche Abnahme" ist. Diese Klarheit verhindert spätere Interpretationsspielräume.
- Vergütung an Wertschöpfung koppeln: Modelle wie "Time & Material" oder feste Sprintbudgets mit klaren Abnahmekriterien sind oft agiler als ein Festpreis für ein unklares Endergebnis.
Worum es geht
Agile Projekte leben von Anpassungsfähigkeit, Feedback und kontinuierlicher Wertschöpfung. Versteht mich nicht falsch – das ist in der Theorie allen klar. Das Problem ist nur, dass die vertragliche Grundlage dieser Projekte oft genau das Gegenteil vorschreibt: starre Festpreise, fixierte Leistungskataloge und Abnahmekriterien, die zu spät greifen.
Was ich konsistent beobachte ist, dass diese Diskrepanz zwischen agiler Praxis und starrer Vertragslogik zu massiven Konflikten, wirtschaftlichen Risiken und zermürbenden Schuldzuweisungen führt. Die Frage ist also: Wie können Verträge gestaltet sein, um agile Zusammenarbeit zu ermöglichen und zu schützen, statt sie zu behindern?
In dieser Episode spreche ich mit Philipp Kühn, Rechtsanwalt mit Agile-Expertise. Wir klären, warum klassische Verträge so oft scheitern und welche konkreten Alternativen und Formulierungen Sie nutzen können, um Ihr nächstes Projekt auf ein sicheres rechtliches Fundament zu stellen.
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Verantwortung für Projektbudgets oder -verträge trägst und nach Wegen suchst, wirtschaftliche Risiken in unsicheren Projekten zu minimieren.
- Als Scrum Master oder Agile Coach immer wieder gegen starre Vertragsklauseln ankämpfst und Argumente für agile Vertragsformen benötigst.
- Als Product Owner wissen möchtest, welche rechtliche Verantwortung und Entscheidungsmacht du in einem Vertrag haben solltest, um dein Team effektiv zu schützen.
Episoden-Insights
1. Das Problem liegt oft im fehlenden Verständnis, nicht im bösen Willen
Viele Konflikte entstehen, weil Juristen die agile Arbeitsweise nicht kennen und Agile-Praktiker die rechtlichen Implikationen ihrer Arbeit nicht verstehen. Ein Vertrag, der "Sprints" und "Backlogs" erwähnt, aber rechtlich als klassischer Werkvertrag ausgestaltet ist, schafft eine toxische Mischung. Der Schlüssel ist gegenseitiges Verständnis.
"Meiner Meinung nach muss ein Anwalt [...] natürlich verstehen, was da passiert. Ansonsten reite ich am Thema vorbei."
2. Präzise Definitionen sind Ihr bester Schutz
Die größte Herausforderung in agilen Verträgen ist, das "Ungenau" rechtlich verbindlich zu fassen. Die Lösung liegt nicht in detaillierten Leistungsbeschreibungen, sondern in der präzisen Definition der Prozesse und Entscheidungspunkte. Legen Sie im Vertrag fest, was ein "abgeschlossener Sprint" ist, wer und wie abnimmt und was passiert, wenn etwas nicht abgenommen wird. Diese Klarheit erspart späteren Streit.
"Die Herausforderung bei einem agilen Werkvertrag ist tatsächlich [...] das aufzuzeichnen, was im Ungenauen ist."
3. Erfolg beginnt mit frühem und offenem Dialog
Warten Sie nicht mit der juristischen Beratung, bis der Konflikt da ist. Beziehen Sie Ihren Anwalt oder die Rechtsabteilung frühzeitig in die Projektplanung ein. Erklären Sie die agile Vorgehensweise und das Ziel: einen Rahmen für Zusammenarbeit zu schaffen, nicht einen Schuldigen für mögliches Scheitern zu definieren. Dieser frühe Dialog wandelt den Juristen vom Verhinderer zum Enabler.
"Meine Message ist eigentlich immer: Traut euch miteinander zu reden, traut euch die Juristen mit einzubinden."
Dein nächster Schritt
Die im Podcast erwähnte Checkliste hilft Ihnen zu erkennen, wann und wie Sie rechtliche Expertise in Ihrem agilen Projekt einbinden sollten. Holen Sie sich dieses konkrete Tool, um Fallstricke von vornherein zu vermeiden.
Checkliste: Wann Sie in agilen Projekten einen Anwalt hinzuziehen sollten
Die praktische PDF-Checkliste aus der Episode hilft Ihnen, kritische Vertragspunkte zu identifizieren und rechtliche Beratung zum richtigen Zeitpunkt einzuholen.
Checkliste jetzt herunterladen →Ressourcen
Erwähnt in der Folge
Checkliste für Agile-Verträge / Zusammenarbeit(Guide)
Ergänzend zur Podcast-Folge wurde eine Checkliste zusammengestellt, die hilft, bei der Anbahnung einer neuen Zusammenarbeit zu prüfen, wann es sinnvoll ist, einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen und worauf in der Vertragsgestaltung zu achten ist.
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
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