Das Wichtigste in Kürze
- Eine Zertifizierung ist wie ein amerikanischer Führerschein: Sie erlaubt das Fahren, ist aber kein Nachweis für Fahrkönnen in den Alpen. Kompakte Scrum-Trainings vermitteln Grundverständnis, aber keine kontextspezifische Meisterschaft.
- Der größte Wert liegt in der Orientierung und im Erlebnis: Ein gutes Training deckt fundamentale Missverständnisse auf, macht den "Spirit" von Scrum erlebbar und zeigt den Weg für die eigene Praxis auf.
- Die wahren Kosten sind versteckt: Ein schlechtes Training ist teuer – unabhängig vom Kurspreis –, weil es Dogmen schafft, falsche Ansatzpunkte festigt und langfristig dysfunktionale Strukturen zementiert.
- Praxis und Begleitung sind unersetzlich: Die Anwendung von Scrum im eigenen Kontext lernt man nicht in 2-3 Tagen. Dafür braucht es Erfahrung, Reflexion und oft externe Begleitung.
Worum es geht
Scrum-Trainings und -Zertifizierungen sind seit Jahren ein zentraler Motor für die Verbreitung agiler Arbeitsweisen. Viele Organisationen und Einzelpersonen investieren in diese kompakten Formate mit der klaren Erwartung, danach "Scrum zu können".
Das Problem ist nur: Die Realität sieht oft anders aus. Es gibt zu viele dysfunktionale Scrum-Umgebungen und Scrum Master, die dem komplexen Anspruch der Rolle nicht gerecht werden. Die Namen der Zertifizierungen – "Master", "Professional" – suggerieren eine Kompetenz, die in wenigen Tagen schlicht nicht aufgebaut werden kann. Diese Diskrepanz führt zu Frustration, Fehlinvestitionen und einem Abwerten der agilen Idee.
Die entscheidende Frage ist also: Was können diese Trainings wirklich leisten, wo liegen ihre natürlichen Grenzen und wie erkennt man ein wertvolles Training?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Führungskraft Budget für Agile Trainings verantwortest und sichergehen willst, dass die Investition nachhaltigen Nutzen bringt und nicht nur "Zertifikate sammelt".
- Als (angehender) Scrum Master oder Agile Coach deine eigene Zertifizierung reflektieren und verstehen möchtest, wie du von den Grundlagen zur echten Praxis-Kompetenz kommst.
- Als Product Owner oder Teammitglied gerade ein Training absolviert hast und nun unsicher bist, wie ihr das Gelernte jetzt konkret und sinnvoll in eurem Kontext umsetzen könnt.
Episoden-Insights
Erkenntnis 1: Der Wert liegt in der Klarheit, nicht in der Vollständigkeit
Ein gutes Basistraining schafft ein klares, gemeinsames Grundverständnis der Scrum-Regeln, Werte und Prinzipien. Es räumt mit grundlegenden Missverständnissen auf und macht den Spirit von Scrum in Simulationen erlebbar. Das ist wertvoll, weil es eine solide Ausgangsbasis für alle Beteiligten schafft. Es ist jedoch nur der Startpunkt.
"Scrum ist einfach zu verstehen. Die Krux liegt in der Anwendung für deine Zwecke in deinem Kontext."
Erkenntnis 2: Die Bezeichnung "Master" oder "Professional" ist irreführend
Eine Zertifizierung nach einem 2-3-tägigen Kurs signalisiert primär, dass die Grundlagen verstanden wurden – nicht, dass man sie bereits meisterhaft anwenden kann. Der Vergleich mit dem "amerikanischen Führerschein" trifft den Kern: Man ist berechtigt, auf die Straße zu gehen, hat aber noch keine Erfahrung mit schwierigen Strecken oder Wetterbedingungen. Die eigentliche Meisterschaft entwickelt sich erst in der Praxis, durch Fehler, Reflexion und Lernen im eigenen Umfeld.
Erkenntnis 3: Die Qualität des Trainings macht den entscheidenden Unterschied
Nicht jedes Training ist gleich wertvoll. Gute Trainings zeichnen sich durch Interaktion, die gezielte Aufarbeitung von Halbwissen und erfahrene Trainer aus, die aus der Praxis berichten können. Schlechte Trainings hingegen vermitteln Dogmen, oberflächliche Rezepte und schaffen so falsche Sicherheit.
"Ein schlechtes Scrum Training ist ganz schön teuer. Egal, wie teuer der Kurs selber ist, weil sie Dogma schaffen, weil sie Missverständnisse schaffen und weil sie falsche Ansatzpunkte schaffen."
Dein nächster Schritt
Versteht mich nicht falsch – fundierte Scrum-Trainings sind ein essenzieller erster Schritt. Die Frage ist: Was kommt danach? Wenn du erkannt hast, dass reine Theorie nicht ausreicht, lass uns über den praktischen Teil sprechen.
Praxis-Begleitung für Scrum Master
In einem unverbindlichen Gespräch analysieren wir, wo Sie oder Ihr Team stehen und welche Art der Begleitung – Coaching, Mentoring oder fortgeschrittene Formate – der sinnvolle nächste Schritt ist.
Kennenlerngespräch vereinbaren →Ressourcen
Erwähnt in der Folge
Scrum Meistern(podcast)
Der Podcast 'Scrum Meistern' wird als Ressource erwähnt, die Tipps und Anregungen zur Anwendung von Scrum im eigenen Kontext gibt. (~48:60)
Öffentliche Scrum-Trainings von EnableChange(Training)
Ralf spricht über seine öffentlichen Trainings, in denen eine Simulation enthalten ist, um den Kern von Scrum zu erleben. (~46:30)
Freiswäbinar (vermutlich 'Freies Webinar') zur Scrum-Simulation(Webinar)
Ralf erwähnt, dass die Simulation, die den Kern von Scrum vermittelt, auch als kostenloses Webinar angeboten wird. (~47:20)
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
Live zu diesem Thema
Vertiefe dieses Podcast-Thema in unseren Live-Webinaren und Trainings:
Weiterführende Themen & Ressourcen
110: Meilensteine auf dem Weg zum guten Scrum Master
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