Das Wichtigste in Kürze
- Scrum als vorgefertigte Lösung zu „verkaufen“ erzeugt Passivität und Widerstand im Team – die eigentlichen Probleme bleiben ungelöst.
- Deine Aufgabe ist nicht, Scrum durchzusetzen, sondern einen Rahmen zu schaffen, in dem das Team selbst Scrum für seine Zwecke nutzen will.
- Starte „imperfect“ mit den einfachsten Tools und konzentriere dich auf das Lösen konkreter Probleme, nicht auf die perfekte Methodenanwendung.
- Ein klares Zeichen für echte Agilität: Du als Scrum Master könntest guten Gewissens in den Urlaub gehen, und der Prozess läuft weiter.
- Verstecke dich nicht hinter „Mindset“-Forderungen. Statt „Die haben kein agiles Mindset“ zu sagen, identifiziere die strukturellen Hindernisse, die das Verhalten verursachen.
Worum es geht
Scrum ist einfach zu verstehen. Die Krux liegt in der Anwendung für deine Zwecke in deinem Kontext. Was ich konsistent beobachte, ist ein grundlegendes Missverständnis: Scrum wird wie ein Allheilmittel oder ein fertiges Produkt an Teams und Organisationen „verkauft“ – oft von Führung oder auch von Scrum Mastern selbst.
Das Problem ist nur: Dieser Verkaufsansatz führt direkt in die Sackgasse. Er erzeugt „Scrum Theater“, wo Rituale abgespult werden, ohne dass sich echte Verbesserungen einstellen. Teams werden passiv, weil ihnen die Lösung vorgesetzt wird, anstatt dass sie den Rahmen aktiv für ihre Probleme nutzen. Die Folge sind Frustration, Energieverschwendung und das Gefühl, „Agile“ sei doch nur wieder der nächste Kontrollmechanismus.
Wie können wir also ohne Scrum zu verkaufen, effektiver zusammenarbeiten? Die Antwort liegt in einer radikalen Neu-Positionierung: Scrum ist eher ein Rahmen, mit dem wir unsere Probleme angehen, als dass es uns alle Sachen löst.
Für wen?
Für wen?
Diese Episode spricht direkt die Herzen und Schmerzpunkte aller, die Scrum in der Praxis begleiten und erleben. Sie ist ein Weckruf für alle, die das Gefühl haben, gegen Widerstände anzukämpfen oder nur leere Rituale zu verwalten.
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Scrum Master oder Agile Coach das Gefühl hast, ständig „Scrum verkaufen“ oder durchsetzen zu müssen.
- Als Führungskraft Scrum eingeführt hast, aber jetzt feststellst, dass die Teams passiv sind oder nur „Theater“ spielen.
- In einem Team arbeitest, das alle Scrum-Events durchläuft, aber keine spürbare Verbesserung oder mehr Eigenverantwortung erlebt.
Episoden-Insights
1. Der „Verkauf“ von Scrum ist das Problem – nicht die Lösung
Wenn Scrum als fertige Lösung von oben oder von der Rolle des Scrum Masters herangetragen wird, übernimmst du die Verantwortung für den Erfolg. Das Team wird zum passiven Empfänger, dessen Hauptaufgabe darin besteht, Widerstand zu leisten oder Compliance zu zeigen. Echte Ownership für den Prozess und seine Ergebnisse kann so nicht entstehen. Das Ergebnis ist oft ein leeres Ritual – das „Scrum Theater“.
"Scrum ist eher ein Rahmen, mit dem wir unsere Probleme angehen, als dass es uns alle Sachen löst."
2. Gute Scrum Master adressieren Probleme, sie verkaufen keine Methoden
Was zeichnet wirklich gute Scrum Master aus? Dass sie Problemstellungen erkennen und adressieren und eben nicht akzeptieren. Ihre Rolle ist es nicht, die „Scrum-Polizei“ zu spielen oder ein „Helikopter“-Begleiter zu sein. Stattdessen schaffen sie Klarheit über den Zweck: Welches konkrete Problem versuchen wir hier eigentlich zu lösen? Aus dieser gemeinsamen Klarheit heraus entsteht der Wille der Gruppe, ein Werkzeug wie Scrum zu nutzen.
3. Stoppe die „Verschlimmbesserung“ und starte pragmatisch
Typische Fehler, die die Situation verschlimmbessern, sind: unreflektierte „Mindset“-Forderungen an das Team, die Einführung komplexer Tools bevor die Grundlagen sitzen, oder Retrospektiven als Pflichttermin ohne spürbare Konsequenzen. Der bessere Weg: Starte „imperfect“, nutze die einfachsten möglichen Tools (Whiteboard, Sticky Notes) und fokussiere dich darauf, dem Team zu ermöglichen, ein eigenes dringendes Problem zu lösen. So wird Scrum zum Mittel zum Zweck.
"Arbeitet bitte so, dass ihr als Scrum Master auch guten Gewissens in den Urlaub gehen könnt."
Dein nächster Schritt
Erkennst du dich in der „Verkäufer“- oder „Polizei“-Rolle wieder? Kommt dir das bekannt vor? Der Ausweg beginnt mit einer klaren Diagnose deiner spezifischen Situation.
Kostenfreies Strategiegespräch
In einem 20-minütigen Gespräch analysieren wir, wo bei euch der Schuh drückt und wie du aus der Verkäuferrolle in die Rolle des Ermöglichers kommst.
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Erwähnt in der Folge
Online-Programm(Training)
Ralf erwähnt ein Beispiel aus einem Dialog in seinem Online-Programm, wo eine Teilnehmerin zu aktiv Scrum verkaufte und sich dadurch ins Abseits positionierte.
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
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