Hilfe, warum sind unsere Mitarbeiter so passiv

Passive Mitarbeiter sind kein Charakterproblem, sondern Folge dysfunktionaler Rahmenbedingungen. Erkenne die 7 Anhaltspunkte für oberflächliches Scrum und schaffe echte Agilität.

6. Oktober 202128:39
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Das Wichtigste in Kürze

  • Passivität im Team ist fast immer ein Systemproblem, kein persönliches Versagen. Die bestehenden Planungs- und Steuerungsstrukturen verhindern Eigeninitiative.
  • "Sweatshop 4.0" ist das Negativbeispiel: Teams werden mit gleichwichtigen Tasks vollgepackt und mikromanagt – das erstickt jede Teamfähigkeit und Kommunikation.
  • Echte Agilität erkennst du an priorisierten Zielen, echter Selbstorganisation und vollständiger Transparenz – nicht nur an Ritualen wie Daily Scrums.
  • Führungskräfte fordern oft teamfähige, flexible Mitarbeiter, vergessen aber, die dafür nötigen Freiräume und klaren Ziele zu schaffen.
  • Die Lösung liegt im Loslassen zentraler Steuerung: "Wir müssen uns davon verabschieden, wo dieser Plan wichtiger ist als alles."

Worum es geht

Situation: In vielen Unternehmen ist die Erwartung klar: Mitarbeiter sollen teamfähig, kommunikativ, flexibel und initiativ sein. Agile Methoden wie Scrum werden eingeführt, um genau diese Eigenschaften zu fördern.

Komplikation: Doch oft bleibt die gewünschte Dynamik aus. Statt lebendiger Teams erleben Führungskräfte Passivität, fehlende Eigenverantwortung und ein Festhalten an alten, starren Arbeitsweisen. Der Reflex ist häufig, das Problem bei den Mitarbeitern oder ihrer "Mentalität" zu suchen.

Frage: Liegt das Problem wirklich am Charakter der Belegschaft? Oder gibt es strukturelle Gründe, warum sich die gewünschte Agilität nicht entfalten kann? In dieser Episode gehen wir der Ursache auf den Grund.

Für wen?

Für wen?

Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:

Passive MitarbeiterAgile FührungScrum MasterRahmenbedingungenTeam-EntwicklungSelbstorganisation

Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Führungskraft frustriert bist, weil deine Teams nicht die erhoffte Eigeninitiative und Zusammenarbeit zeigen.
  • Als Scrum Master oder Agile Coach spürst, dass eure Scrum-Events hohl bleiben und du Argumente brauchst, um systemische Hindernisse anzusprechen.
  • Dich fragst, warum agile Methoden bei euch nicht die erwarteten Ergebnisse bringen und ob ihr nur die Oberfläche adaptiert habt.

Episoden-Insights

1. Passivität ist ein Symptom, keine Ursache

Was ich konsistent beobachte ist: Wenn Teams passiv wirken, liegt das selten an mangelndem Willen der einzelnen Personen. Das Verhalten ist eine logische Reaktion auf die gegebenen Rahmenbedingungen. In einem System, das minutengenaue Planung, Mikromanagement und eine Flut gleichgewichtiger Aufgaben ("alle Tasks sind wichtig") belohnt, ist passives Abarbeiten die rationalste Überlebensstrategie. Eigeninitiative wird hier systematisch bestraft.

"Die Rahmenbedingungen setzen die Verhaltensweisen, die in eurer Firma stattfinden."

2. "Sweatshop 4.0": Das Anti-Pattern für Agilität

Ein plakatives Negativbeispiel ist der "Sweatshop 4.0". Hier wird Scrum oberflächlich über alte Kommandostrukturen gestülpt: Das Team erhält einen vollen Backlog mit dutzenden Tasks, die alle als gleich wichtig deklariert werden. Es gibt kein klares, priorisiertes Ziel, nur Output-Vorgaben. Die "Selbstorganisation" beschränkt sich darauf, wer welche vordefinierte Task abarbeitet. In diesem System sind Kommunikation und echte Zusammenarbeit nicht nur unnötig, sondern störend – sie kosten wertvolle Zeit für die reine Abarbeitung.

3. Echte Agilität braucht klare Spielregeln und Freiraum

Agilität entsteht nicht durch Rituale, sondern durch drei fundamentale Rahmenbedingungen: Erstens ein klares, priorisiertes Ziel (nicht nur eine Task-Liste). Zweitens den echten Freiraum für das Team, den Weg dorthin selbst zu organisieren. Und drittens volle Transparenz über Fortschritt und Hindernisse. Fehlt eines dieser Elemente, kollabiert das System zurück in Passivität und Kontrolle. Der entscheidende Schritt für Führungskräfte ist das Loslassen der Illusion, alles zentral planen und steuern zu können.

"Wir müssen uns von dieser zentralen Steuerung, wo dieser Plan wichtiger ist als alles, verabschieden."

Dein nächster Schritt

Versteht mich nicht falsch – die Erkenntnis ist der erste Schritt. Der zweite ist, konkret zu werden. Kommt dir das bekannt vor? Dann lass uns gemeinsam abgleichen, wo dein Team oder deine Organisation steht.

Die 7-Punkte-Checkliste für echte Agilität

Lade dir unsere praktische Checkliste herunter. Erkenne, ob bei euch oberflächliches Scrum oder echte agile Rahmenbedingungen vorliegen – und erhalte konkrete Impulse für die nächsten Schritte.

Checkliste jetzt herunterladen →

Die besten Tipps zu Scrum und Agilität

  • Wo macht eine agile Arbeitsweise Sinn? Wo nicht?
  • Was zeichnet Scrum im Kern aus?
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  • Wie arbeite ich in meiner Organisation agil?
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