Sind wir als Scrum Master zu übergriffig?

Scrum Master und Agile Coaches agieren oft unbeabsichtigt übergriffig und behindern so Team-Entwicklung. Lerne, woran du das erkennst und wie du es änderst.

2. Februar 202228:20
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Krux liegt in der Anwendung: Scrum ist einfach zu verstehen, die wahre Herausforderung ist die Umsetzung in deinem spezifischen Kontext, ohne Teamprozesse zu vereinnahmen.
  • Reflektiere deine Rolle in der Retro: Die größte Gefahr für inhaltliche Übergriffigkeit liegt in Retrospektiven. Deine Aufgabe ist die Gestaltung eines funktionierenden Rahmens, nicht die inhaltliche Steuerung.
  • Hinterfrage deine Idealbilder: Agilität bedeutet nicht, eigene "Gedankenluftschlösser" zu erträumen und sie dem Team aufzuzwingen. Konzentriere dich auf das Schaffen von Lernumgebungen.
  • Monitoring ist kein Vorarbeiter-Job: Wenn du inhaltlich so eng drinsteckst wie ein Entwickler, stellt sich die Frage nach dem eigentlichen Mehrwert deiner Rolle für die Selbstorganisation.

Worum es geht

Versteht mich nicht falsch – die Intention von Scrum Mastern und Agile Coaches ist fast immer, Teams bestmöglich zu unterstützen. Was ich konsistent beobachte, ist jedoch ein unbeabsichtigtes Muster: Wir agieren manchmal zu übergriffig und behindern damit genau die Selbstorganisation und das Ownership, die wir fördern wollen.

Das Problem ist nur, dass dieses Verhalten oft subtil ist und sich in scheinbar gut gemeinten Aktionen versteckt: in der Vereinnahmung von Retrospektiven, im Aufoktroyieren persönlicher Idealbilder oder in einem Monitoring, das an einen Vorarbeiter erinnert. Diese Episode stellt die provokante Frage "Sind wir zu übergriffig?" und bietet einen klaren Reflexionsrahmen, um das eigene Handeln zu hinterfragen und zu korrigieren.

Für wen?

Für wen?

Diese Episode ist ein essenzieller Spiegel für alle, die Teams in agilen Transformationen begleiten. Kommt dir das bekannt vor?

Scrum MasterRetrospektiveSelbstorganisationTeamführungAgile Haltung

Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach das Gefühl hast, gegen Widerstände zu arbeiten oder dass deine Retrospektiven nicht den gewünschten Impact haben.
  • Unsicher bist, wo die Grenze zwischen notwendiger Führung und hinderlicher Einmischung liegt.
  • Die Feedback-Schleifen zu deiner eigenen Wirkung verbessern und deine professionelle Haltung schärfen möchtest.

Episoden-Insights

1. Die Retro ist der kritischste Ort für Übergriffigkeit

Die Retrospektive ist das Herzstück der Team-Entwicklung und gleichzeitig der Ort, an dem Scrum Master am ehesten in die inhaltliche Falle tappen. Die Komplikation entsteht, wenn wir aus einem "Mediator-Albtraum" heraus handeln oder Themen vorgeben, anstatt dem Team den Raum zu geben, seine eigenen Prioritäten zu setzen. Ein funktionierender Scrum-Rahmen bringt die relevanten Themen von selbst ans Licht.

"Wenn der Scrum-Rahmen als Steuerungsrahmen gut gesetzt ist, gut funktioniert, dann werden diese Themen auch eingetragen."

2. Eigene Idealbilder sind eine gefährliche Blaupause

Wir alle haben Vorstellungen davon, wie "gute" Agilität aussieht. Das Problem ist nur, wenn wir diese Idealbilder – unsere persönlichen "Gedankenluftschlösser" – unbewusst zum Maßstab für das Team machen. Agilität soll Problemlösungsfähigkeit erhöhen, nicht ein bestimmtes Dogma erfüllen. Deine Aufgabe ist es, eine Umgebung für eigenständiges Lernen zu schaffen, nicht eine vorgefertigte Lösung zu implementieren.

"Agilität soll ja nicht heißen, dass wir uns krude Gedankenluftschlösser erträumen und diese anderen aufoktroyieren."

3. Inhaltliches Monitoring untergräbt deine Rolle

Es gibt einen feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen unterstützender Begleitung und kontrollierender Überwachung. Wenn dein Fokus darauf liegt, detailliert inhaltlich mitzudenken und zu monitoren ("Wie steht's mit dem Ticket?"), rutscht du in eine Vorarbeiter-Rolle. Das hinterlässt beim Team die Frage: Warum bist du eigentlich da, wenn du nicht den Raum für Selbstorganisation schaffst, sondern sie einschränkst?

"Wenn wir so inhaltlich eng drinstecken, wie es ein normaler Entwickler tut, warum hat man dann nicht einfach einen weiteren Entwickler eingestellt?"

Dein nächster Schritt

Die Reflexion ist der erste Schritt. Der nächste ist, konkret an deiner Haltung und deinen Methoden zu feilen.

Scrum Master Mentoring-Programm

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Ressourcen

Erwähnt in der Folge

Training und Coaching(Training)

Ralf stellt sich vor und erwähnt, dass er Organisationen durch Training und Coaching hilft, agile Ansätze effektiv zu nutzen.

🎥

Höhe aufständig das Retrospektiven Format zu wechseln(Video)

Ralf erwähnt, dass die heutige Folge aus einem Austausch über eines seiner neuen YouTube-Videos entstanden ist. Er spricht über ein spezifisches Video zum Thema Retrospektiven-Formatwechsel, das er auf LinkedIn gepostet hat.

Weitere Ressourcen aus dem Netz

Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.

Die besten Tipps zu Scrum und Agilität

  • Wo macht eine agile Arbeitsweise Sinn? Wo nicht?
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  • Wie arbeite ich in meiner Organisation agil?
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