Episode 131: Wert und Dysfunktionen von Hierarchien

Sind Hierarchien immer schlecht? Erfahre, welche Funktionen sie wirklich erfüllen und warum Scrum andere Strukturen für komplexe Umgebungen braucht. Für Scrum Master und Führungskräfte.

8. Juni 202235:16
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Das Wichtigste in Kürze

  • Hierarchien erfüllen wichtige Funktionen wie klare Entscheidungswege und effiziente Abläufe – sie sind nicht per se dysfunktional.
  • Das Problem ist nicht die Hierarchie an sich, sondern dass sie oft die falschen Dinge optimiert (z.B. Kontrolle statt Wertschöpfung).
  • In komplexen Umgebungen, für die Scrum gemacht ist, braucht es dynamischere, rollenbasierte Strukturen statt starrer Befehlslinien.
  • Teams bauen oft informelle Hierarchien wieder auf, anstatt die Prinzipien von Selbstorganisation und "Separation of Concerns" im Scrum-Rahmen wirklich zu leben.
  • Eine "dynamische Hierarchie" – etwa basierend auf Expertise in einer bestimmten Situation – kann funktionieren, wenn das Zusammenspiel im Team klar geregelt ist.

Worum es geht

In der agilen Welt gelten Hierarchien oft als der Feind schlechthin – als überholte Strukturen, die Innovation und Selbstorganisation ersticken. Diese pauschale Verurteilung ist aber zu kurz gedacht.

Die Situation: Jede Organisation hat eine Struktur. Traditionelle Hierarchien mit klaren Befehlslinien sind die bekannteste Form. Sie bringen Vorteile mit sich: schnelle, eindeutige Entscheidungen und effiziente Abläufe in stabilen Umgebungen.

Die Komplikation: Agile Befürworter kritisieren Hierarchien oft pauschal als dysfunktional, ohne die zugrundeliegenden Funktionen zu verstehen. Gleichzeitig scheitern viele Scrum-Teams daran, die alternativen Strukturen des Frameworks wirklich zu etablieren und fallen in informelle Hierarchien zurück oder leiden unter langsamen, realitätsfernen Entscheidungen.

Die zentrale Frage dieser Episode ist also: Welche wertvollen Funktionen erfüllen Hierarchien eigentlich, und welche Strukturen braucht Scrum stattdessen, um in komplexen Umgebungen erfolgreich zu sein?

Für wen?

Für wen?

Diese Episode richtet sich an alle, die in oder mit agilen Teams arbeiten und mit den Spannungen zwischen traditionellen Strukturen und neuen Arbeitsweisen konfrontiert sind.

HierarchieScrum FrameworkTeam Self-ManagementEntscheidungsfindungOrganisationsstrukturFührung

Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach das Gefühl hast, dein Team fällt immer wieder in alte hierarchische Muster zurück.
  • Als Führungskraft verstehen willst, welche legitimen Funktionen deine Position hat und wo du bewusst Macht abgeben musst, damit Scrum funktioniert.
  • Im Entwicklungsteam frustriert bist, weil Entscheidungen von oben kommen, die realitätsfern sind oder eure Selbstorganisation untergraben.

Episoden-Insights

1. Hierarchien erfüllen wichtige Funktionen – die Kritik muss präziser sein

Hierarchien sind ein Werkzeug, das bestimmte Probleme löst: Sie schaffen klare Verantwortlichkeiten, skalieren Kommunikation und ermöglichen schnelle Entscheidungen in vorhersehbaren Situationen. Das pauschale Urteil "Hierarchien sind schlecht" ist daher nicht hilfreich. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Oft optimieren bestehende Hierarchien die falschen Dinge, wie interne Kontrolle oder Statuserhalt, statt Wertschöpfung und Anpassungsfähigkeit in unsicheren Umgebungen.

"Mit besseren Hierarchien haben Entscheidungen einfach klare Struktur und schnelle Abläufe."

2. Scrum benötigt rollenbasierte statt positionsbasierte Hierarchien

Scrum ist für komplexe Probleme gemacht, wo die "richtige" Antwort nicht im Voraus bekannt ist. Hier versagen starre Befehlslinien. Scrum bietet mit den Rollen Product Owner, Scrum Master und Entwicklerteam ein alternatives Strukturmodell – eine "Hierarchie der Verantwortung" (Separation of Concerns). Der Product Owner ist verantwortlich für das Was (Wert), das Team für das Wie (Umsetzung) und der Scrum Master für das Framework (Prozess). Diese klare Aufgabentrennung soll schnelle, fachkundige Entscheidungen ermöglichen.

3. Selbstorganisation bedeutet nicht strukturlose Anarchie

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Selbstorganisation die Abwesenheit von Struktur bedeutet. Das Gegenteil ist der Fall: Echte Selbstorganisation braucht klare Rahmenbedingungen und Spielregeln. Was ich konsistent beobachte ist, dass Teams, die diese Scrum-Strukturen nicht aktiv gestalten und leben, automatisch informelle Hierarchien (z.B. basierend auf Lautstärke oder Seniorität) wieder aufbauen. Das führt dann zu den bekannten Dysfunktionen: unbalancierte Entscheidungen, fehlende Tragfähigkeit im Team und überforderte Einzelne.

"Dynamische Hierarchie ist okay, wenn das Zusammenspiel gut funktioniert."

Dein nächster Schritt

Versteht mich nicht falsch – die Auflösung dysfunktionaler Hierarchien ist harte Arbeit. Sie beginnt mit dem Verständnis der zugrundeliegenden Strukturen. Unser Newsletter liefert dir regelmäßig praxiserprobte Insights und konkrete Hebel, um genau diese Transformation in deinem Umfeld voranzubringen.

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Ressourcen

Erwähnt in der Folge

Wir müssen reden (David Simhofen)(podcast)

Ralf erwähnt, dass ihm die Podcastfolge von David Simhofen zum Thema Hierarchien geholfen hat, seine eigene Sicht zu sortieren und in Bezug zu Scrum zu setzen.

Der ganz formale Wahnsinn (Andreas Hermbelle mit Prof. Stefan Kühl)(podcast)

Ralf empfiehlt diesen Podcast für einen tieferen und profunderen Einstieg in das Thema, was Organisationen im soziologischen Sinne auszeichnet.

Training und Coaching(Training)

Ralf stellt sich vor und sagt, dass er Organisationen durch Training und Coaching hilft, agile Ansätze effektiv zu nutzen.

Weitere Ressourcen aus dem Netz

Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.

Die besten Tipps zu Scrum und Agilität

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