Agentic Coding

Entwickeln mit KI-Agenten jenseits von Vibe Coding

Agentic Coding heißt nicht: schneller mehr Code erzeugen. Es heißt: mit Agenten so arbeiten, dass Qualität, Architektur und Review erhalten bleiben.

Vibe Coding lässt dich schnell prototypen. Agentic Coding lässt dich Produkte bauen.

Prinzipien

Sieben Arbeitsprinzipien für Coding Agents

1

Spec vor Code

Der Prompt ist nicht die Spezifikation. Gute Agentic-Coding-Arbeit beginnt mit einem Zielartefakt: Spec, PRD, Akzeptanzkriterien oder ein klarer Issue-Schnitt.

In der Praxis

Lass den Agent zuerst Fragen stellen und eine Spec vorschlagen. Erst nach Review wird Code erzeugt.

2

Tests definieren fertig

Ohne Tests oder Evals kann ein Agent überzeugend falsch liegen. Tests sind nicht Nacharbeit, sondern die Grenze der Aufgabe.

In der Praxis

Vor Implementierung festlegen: Welche Tests müssen grün sein? Welche Fehlerfälle müssen abgedeckt sein?

3

Kleiner Scope, klare Slices

Große Prompts erzeugen große Unsicherheit. Agenten arbeiten besser in kleinen, vertikalen Schnitten mit erkennbarem Ergebnis.

In der Praxis

Ein Slice sollte lesbar, testbar und reviewbar sein. Wenn nicht, ist er zu groß.

4

Context Engineering statt Kontext-Müll

Der Agent braucht die richtigen Dateien, Regeln, Patterns und Fehlerhistorie. Nicht alles auf einmal, sondern genau das, was für die Aufgabe zählt.

In der Praxis

Projektregeln, Architekturhinweise und relevante Beispiele bereitstellen. Unnötigen Chat-Verlauf vermeiden.

5

Read Autonomy, Write Control

Der Agent darf viel lesen, aber nicht beliebig schreiben. Schreibrechte brauchen Grenzen: Dateien, Ordner, Tools, Shell-Kommandos und externe Systeme.

In der Praxis

Vor jedem Lauf klären: Was darf verändert werden? Was bleibt tabu? Wann ist Freigabe nötig?

6

Fresh-Context Review

Der gleiche Agent, der lange implementiert hat, ist kein neutraler Reviewer. Review braucht frischen Kontext und klare Kriterien.

In der Praxis

Review separat starten: Diff, Spec, Tests und bekannte Risiken geben, nicht den ganzen alten Chat.

7

Build for Replacement

Agentischer Code muss für Menschen und andere Agenten verständlich bleiben. Sonst steigt Tempo kurzfristig und Wartungskosten explodieren später.

In der Praxis

Klare Namen, kleine Funktionen, Typen, Tests und dokumentierte Schnittstellen als Mindeststandard setzen.

Workflow

Ein Coding-Agent braucht einen Arbeitsrhythmus

01

Research

Agent liest relevante Dateien, Patterns und offene Fragen.

02

Plan

Agent schlägt Plan und Schnitt vor. Mensch bestätigt oder korrigiert.

03

Implement

Agent arbeitet nur im vereinbarten Scope.

04

Test

Automatische Tests, Type Checks und lokale Checks laufen.

05

Review

Fresh-Context Review gegen Spec, Diff und Tests.

06

Document

Entscheidungen, Learnings und Folgeaufgaben werden festgehalten.

Anti-Patterns

Woran Agentic Coding scheitert

  • Ein großer Prompt ohne Spec und ohne Tests.
  • Agent ändert viele Dateien ohne vorherige Scope-Grenze.
  • Erfolgreicher Build wird mit guter Architektur verwechselt.
  • Review passiert im gleichen verrauschten Chat-Kontext.
  • Temporäre Workarounds bleiben als neue Architektur zurück.