Sprintfortschritt richtig überwachen – Interview mit Andreas Schliep

Sprint-Monitoring ist Teamwerkzeug, nicht Management-Reporting. Lernen Sie, wie Sie den Fokus auf Ergebnisse lenken und das Sprintziel kontrollieren. Praxis-Insights für Scrum Master und Teams.

30. Januar 202021:30
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Das Wichtigste in Kürze

  • Effektives Sprint-Monitoring dient dem Team zur Steuerung des eigenen Fortschritts, nicht primär dem Reporting an das Management.
  • Der Fokus sollte auf der Fertigstellung von "Done" Increments oder Product Backlog Items liegen, nicht auf dem Abarbeiten von Tasks – das sichert die Wertlieferung.
  • Ein Burndown-Chart ist wie eine Tachoanzeige im Auto: ein unterstützendes Instrument, nicht der Hauptzweck der Arbeit.
  • Vermeiden Sie "Waste" durch übertriebenes Schätzen und Reporting in Tools; nutzen Sie nur, was wirklich weiterhilft.

Kontext: Bezug zur Hauptfolge

In Episode #11: Überwachung des Sprint-Fortschritts habe ich über Sprint-Monitoring als zentrales Werkzeug der Selbststeuerung gesprochen und dabei die häufigsten Missverständnisse rund um Burndown Charts und Sprint Tracking beleuchtet.

In dieser Nachlese vertiefe ich das Thema im Dialog mit Andreas Schliep (Partner bei DasScrumTeam AG). Er bringt über 15 Jahre Erfahrung in nachhaltiger Scrum-Einführung mit und zeigt konkret, wie effektives Sprint-Monitoring dem Team dient und nicht zum Selbstzweck verkommt.

Worum es geht

Versteht mich nicht falsch – die Überwachung des Sprintfortschritts ist zentral in Scrum. Was ich konsistent beobachte ist jedoch, dass viele Teams hier in eine Falle tappen: Sie verwechseln das Mittel mit dem Zweck.

Die Situation ist bekannt: Das Team nutzt ein Burndown-Chart oder ein Taskboard. Die Komplikation? Die Aktivität verkommt oft zu einem mechanischen Akt des Aktualisierens von Tasks für einen externen Report. Dabei geht die eigentliche Kontrolle über das Sprintziel verloren. Das Problem ist nur: Wenn wir Aufgaben statt Ergebnisse tracken, wissen wir am Ende vielleicht nicht, ob wir wirklich wertvolle Software geliefert haben.

In dieser Nachlese zum Interview mit dem erfahrenen Agile Coach Andreas Schliep gehen wir der Frage nach: Wie kann Sprint-Monitoring wieder zu dem werden, was es sein sollte – ein Werkzeug für das Team, um sich selbst zu steuern und das Sprintziel sicher zu erreichen?

Für wen?

Für wen?

Diese Episode richtet sich an alle, die Scrum in der Praxis leben und die Effektivität ihrer Sprint-Überwachung hinterfragen wollen. Die Insights sind besonders praxisnah, da sie aus einem Dialog zwischen zwei erfahrenen Agile Coaches stammen.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach das Team befähigen willst, seinen Fortschritt sinnvoller zu visualisieren und zu steuern.
  • Als Product Owner sicherstellen möchtest, dass das Monitoring auf die Lieferung von Wert (Features) ausgerichtet ist.
  • Als Teammitglied das Gefühl hast, dass das Aktualisieren von Charts und Tools mehr Aufwand als Nutzen bringt.

Episoden-Insights

Erkenntnis 1: Der Zweck entscheidet über das Werkzeug

Sprint-Monitoring ist in erster Linie eine Teamaufgabe zur Selbststeuerung. Es ist die Aufgabe des Teams, sich transparent zu machen, wo es steht, um Hindernisse früh zu erkennen und anzupassen. Dieser interne Fokus ist entscheidend. Sobald die Überwachung primär für externe Berichte („fürs Management“) dient, verschiebt sich die Dynamik – von Eigenverantwortung hin zur Rechenschaftslegung.

"Es ist die Aufgabe des Teams. [...] Das ist nicht etwas, was [...] für jemand anderen [ist]."

Erkenntnis 2: Fokus auf Ergebnisse, nicht auf Aktivitäten

Ein häufiger Fehler ist das Tracken von Tasks oder Stunden. Das eigentliche Ziel eines Sprints ist es jedoch, ein "Done" Increment zu liefern. Effektives Monitoring konzentriert sich daher auf den Fortschritt in Bezug auf fertige Product Backlog Items oder Features. Diese Perspektive stellt sicher, dass der Wert im Mittelpunkt steht und nicht nur die Beschäftigung.

Erkenntnis 3: Das Burndown-Chart ist ein Hilfsmittel, kein Selbstzweck

Lasst uns mal gemeinsam abgleichen: Ein Burndown-Chart ist ein nützliches Instrument, um einen Trend zu visualisieren. Es sollte dem Team dienen, nicht das Team dem Chart. Übertriebene Genauigkeit in Schätzungen oder ständiges Aktualisieren für einen "perfekten" Verlauf ist oft reine Verschwendung.

"Sprintbörnern-Chart ist für mich so ein ähnliches Instrument wie jetzt eben eine Anzeige im Auto. Ich benutze diese Informationen, weil sie mich beim Fahren unterstützt. Aber sie macht jetzt nicht mein Fahren aus." "Wir wollen nicht unsere Zeit verschwenden durch übertriebene Reports in Tools, sondern eben halt die Sachen, die uns wirklich weiterhelfen, einsetzen."

Über den Gast: Andreas Schliep

Andreas Schliep ist Partner und Gründungsmitglied der DasScrumTeam AG und bringt über 15 Jahre Erfahrung in der agilen Transformation mit. Als Scrum Coach & Trainer ist er spezialisiert auf die nachhaltige Einführung von Scrum in Organisationen und Agile Leadership.

Expertise & Schwerpunkte:

  • CSP (Certified Scrum Professional) - Höchste technische Zertifizierung der Scrum Alliance
  • Partner & Gründungsmitglied der DasScrumTeam AG
  • Über 15 Jahre Erfahrung in agiler Transformation
  • Spezialisiert auf Agile Leadership und nachhaltige Organisationstransformation
  • Experte für Scrum-Einführung in Unternehmen
  • Gastgeber im "Agile Mentors Podcast" (Mountain Goat Software, Folge #136)

Warum diese Perspektive wertvoll ist: Andreas bringt als Partner der DasScrumTeam AG umfassende praktische Expertise in der Begleitung von Unternehmen und im Agile Leadership mit. Seine Spezialisierung auf nachhaltige Organisationstransformation macht ihn zu einem wertvollen Gesprächspartner für das Thema Sprint-Monitoring als Werkzeug der Selbststeuerung.

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