Die Sprint Retrospektive

Warum Retrospektiven oft scheitern und wie du einen sicheren Raum für echte Team-Verbesserung schaffst. Konkrete Phasen, Methoden und die Prime Directive erklärt.

14. April 202034:30
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Retrospektive ist kein Schuldzuweisungs-Meeting, sondern der zentrale Scrum-Termin für gemeinsames Lernen und strukturelle Verbesserungen im Team.
  • Ein absolut geschützter Raum ist die Grundvoraussetzung. Fehlt diese Sicherheit, bleiben Diskussionen oberflächlich und wichtige Themen werden nicht angesprochen.
  • Nutze eine klare Struktur (z.B. die 5 Phasen: Set the Stage, Gather Data, Generate Insights, Decide What to Do, Close) oder Tools wie den Retromat, um fokussierte und abwechslungsreiche Retros zu gestalten.
  • Die "Prime Directive" nach Norm Kerth ist das mentale Fundament: Jeder hat mit den verfügbaren Ressourcen und dem damaligen Wissen sein Bestes gegeben.
  • Vermeide "Auskotz-Meetings" ohne konstruktive Wendung und oberflächliche Aktionspunkte, die nie umgesetzt werden. Der Fokus liegt auf messbaren, kleinen nächsten Schritten.

Worum es geht

Teams in agilen Umgebungen wissen, dass sie regelmäßig Retrospektiven durchführen sollten. Die Situation ist also oft bekannt: Ein Termin im Kalender, der alle 1-4 Wochen stattfindet.

Das Problem ist nur, dass diese Retrospektiven häufig mechanisch abgearbeitet oder sehr oberflächlich geführt werden. Es entsteht der Eindruck von Zeitverschwendung, weil keine echten Verbesserungen folgen. Wichtige, vielleicht unangenehme Themen bleiben unter dem Tisch, weil der nötige geschützte Raum fehlt.

Was macht also den Unterschied zwischen einer leeren Pflichtübung und einer Retrospektive aus, die das Team tatsächlich voranbringt? In dieser Episode zerlegen wir das Scrum-Event in seine wesentlichen Bestandteile, sprechen über die notwendige Haltung und geben konkrete Werkzeuge an die Hand.

Für wen?

Für wen?

Diese Episode richtet sich primär an die Menschen, die Retrospektiven vorbereiten, moderieren und deren Qualität direkt beeinflussen. Sie ist aber auch wertvoll für Teammitglieder und Führungskräfte, die verstehen wollen, wie echte kontinuierliche Verbesserung funktioniert.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach nach neuen Impulsen und einer fundierten Grundlage für deine Retrospektiven suchst.
  • Das Gefühl hast, eure Team-Retros laufen nur noch im Kreis und produzieren keine spürbaren Verbesserungen mehr.
  • Als Führungskraft verstehen möchtest, welchen Hebel ein gut gemachtes Retrospektive-Event für die Teamperformance hat und warum der "sichere Raum" keine Nice-to-have, sondern eine Must-have-Bedingung ist.

Episoden-Insights

Die Retrospektive ist kein Tribunal, sondern ein Lern-Event

Versteht mich nicht falsch – es geht nicht darum, Probleme zu ignorieren. Aber der Fokus muss auf dem gemeinsamen Lernen und der Suche nach strukturellen Verbesserungen liegen, nicht auf der Suche nach einem Schuldigen. Diese fundamentale Neuausrichtung des Mindsets ist der erste Schritt weg vom "Auskotz-Meeting".

"Eine Retrospektive ist eben kein Meeting, in der wir versuchen, den Schuldigen an einen Baum zu martern, sondern es geht darum, wie schaffen wir es gemeinsam zu lernen."

Sicherheit ist nicht verhandelbar

Was ich konsistent beobachte ist, dass ohne psychologische Sicherheit jede Methode wirkungslos bleibt. Teammitglieder müssen das Gefühl haben, offen über Misserfolge, Frustrationen und unbequeme Wahrheiten sprechen zu können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Der Scrum Master oder Agile Coach hat hier eine zentrale Verantwortung, diesen Raum zu schaffen und zu schützen.

"Wenn dieser [geschützte] Raum nicht gegeben ist, bleibt es immer oberflächlich."

Struktur und Vielfalt verhindern Abstumpfung

Eine klare Phasen-Struktur (Set the Stage, Gather Data, Generate Insights, Decide What to Do, Close) gibt der Retrospektive einen roten Faden und stellt sicher, dass von der Problem-Sammlung bis zur Aktionsplanung alle Schritte bedacht werden. Tools wie der Retromat helfen dabei, mit unterschiedlichen Methoden frisch zu bleiben und die Perspektive zu wechseln, sodass die Retrospektive nicht zur monotonen Routine wird.

Dein nächster Schritt

Lasst uns mal gemeinsam abgleichen: Kommt dir das bekannt vor, dass Retrospektiven oft an der Oberfläche kratzen? Wenn du tiefer in die Praxis der Teamführung und Moderation einsteigen willst, dann wirf einen Blick auf unser vertiefendes Training.

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