Das Wichtigste in Kürze
- Retros sind kein Nice-to-have, sondern der einzige dedizierte Mechanismus im Team-Alltag, bei dem ihr nichts anderes tut, als eure Zusammenarbeit aktiv zu verbessern.
- Vermeide die „grüne-Wiese-Retro“: Ein reines Abarbeiten von „Was lief gut? Was lief schlecht?“ ohne konkrete Experimente führt zu Frust und lässt die Retrospektive scheitern.
- Der Erfolg misst sich an der Kontinuität: Gute Teams führen auch nach Jahren noch gerne Retros durch, weil sie den konkreten Nutzen für ihre tägliche Arbeit spüren.
- Variation ist kein Selbstzweck, sondern dient dem Ziel: Neue Methoden sollten immer dem Zweck dienen, das Team näher zusammenzubringen oder spezifische Probleme zu lösen – nicht der bloßen Abwechslung.
Worum es geht
Versteht mich nicht falsch: Fast jedes Team im agilen Kontext führt Retrospektiven durch. Das Problem ist nur, dass viele diese Zeit als lästige Pflicht oder sogar Zeitverschwendung empfinden. Was ich konsistent beobachte ist, dass die Rituale oft mechanisch abgespult werden, ohne echte Verbesserungen anzustoßen.
Das führt dazu, dass die Energie sinkt, die Teilnahme zur Pflichtübung verkommt und im schlimmsten Fall die Retrospektive ganz gestrichen wird. Damit verschwindet aber der zentrale Hebel für Teams, sich selbstständig weiterzuentwickeln. In dieser Episode spreche ich mit Marc Löffler, Agile Coach und Buchautor zu Retrospektiven, über die strukturellen Ursachen für dieses Scheitern und wie du es besser machst.
Für wen?
Für wen?
Diese Episode richtet sich vor allem an die Menschen, die Retrospektiven vorbereiten, moderieren und deren Erfolg verantworten: Agile Coaches und Scrum Master. Sie bietet tiefe, praxisnahe Einblicke jenseits der oberflächlichen Methodensammlungen.
Besonders wertvoll, wenn du:
- Das Gefühl hast, deine Team-Retros laufen nur noch mechanisch ab und verlieren an Energie.
- Unter dem Druck stehst, jede Retro „kreativ“ und anders gestalten zu müssen.
- Verstehen willst, warum abgeleitete Maßnahmen oft nicht umgesetzt werden und wie du das änderst.
Episoden-Insights
Retrospektiven sind der dedizierte Mechanismus für Verbesserung
Im hektischen Arbeitsalltag gibt es kaum einen anderen festen Termin, der ausschließlich der Reflexion und Verbesserung der eigenen Zusammenarbeit gewidmet ist. Alle anderen Meetings dienen der Arbeit an etwas (dem Produkt, dem Plan). Die Retrospektive ist das einzige Ritual, das sich mit der Arbeit an euch selbst als Team beschäftigt. Wenn dieses Ritual nicht funktioniert, verbessert sich das Team nur zufällig oder gar nicht.
"Retrospektive [sind] deswegen so wichtig, weil das meiner Sicht der eine der wenigen Sachen [ist], wo wirklich dediziert nichts anderes machst, als sich zu verbessern."
Erfolg zeigt sich in der Langfristigkeit, nicht im Einzelmeeting
Der wahre Wert einer Retrospektive misst sich nicht an der Energie eines einzelnen Meetings, sondern daran, ob das Team den Nutzen über Monate und Jahre hinweg erlebt. Ein häufiges Anti-Pattern ist die Suche nach der perfekten, immer neuen Methode. Stattdessen sollte der Fokus darauf liegen, konkrete, kleine Experimente abzuleiten und deren Wirkung in der nächsten Retro zu überprüfen. Diese Rückkopplungsschleife schafft echtes Learning und erhält die Motivation.
"Gute Teams erkennt man daran, dass sie auch nach 1, 2, 3 Jahren immer noch Retrospektiven sehr gerne machen."
Der Zweck heiligt die Methode – nicht umgekehrt
Es muss nicht immer das standardisierte Abfragen von Positiv- und Negativpunkten sein. Kommt dir das bekannt vor? Wenn das Team den Eindruck hat, im Kreis zu laufen, ist es Zeit, den Zweck zu hinterfragen. Vielleicht geht es in einer Phase weniger um Prozessoptimierung, sondern darum, Vertrauen aufzubauen oder Konflikte anzusprechen. Die gewählte Methode (z.B. eine eher spielerische oder dialogorientierte Retro) sollte diesem spezifischen Zweck dienen.
"Es muss nicht immer zwingend sein, was haben wir letztes Mal alles gemacht [...] Es darf auch mal gerne sein, dass man einfach aktiv was macht, dieses Team mehr zusammenbringen."
Dein nächster Schritt
Die Theorie ist klar, aber die Umsetzung in der Praxis mit deinem spezifischen Team ist die eigentliche Herausforderung. Lass uns gemeinsam abgleichen, wo dein größter Hebel für wirkungsvollere Retrospektiven liegt.
Retrospektiven in deinem Team auf das nächste Level heben
In einem unverbindlichen Strategiegespräch analysieren wir, warum eure Retrospektiven nicht den gewünschten Effekt erzielen und entwickeln einen konkreten nächsten Schritt.
Gespräch vereinbaren →Ressourcen
Erwähnt in der Folge
Retrospektiven in der Praxis (Buch von Marc Löffler)(book)
Marc Löffler wird als Buchautor zu diesem Thema vorgestellt. Sein Buch wird als ideale Ressource zum Thema Retrospektiven genannt.
Kurs für Remote Retrospektiven (von Marc Löffler)(course/training)
Marc Löffler hat laut Ralf seit kurzem einen Kurs für Remote Retrospektiven veröffentlicht.
Podcast für passionierte Teams (von Marc Löffler)(podcast)
Marc Löffler führt einen Podcast für passionierte Teams, auf den Ralf eventuell später noch eingehen möchte.
Live zu diesem Thema
Vertiefe dieses Podcast-Thema in unseren Live-Webinaren und Trainings:
Weiterführende Themen & Ressourcen
42: Die Sprint Retrospektive
Warum Retrospektiven oft scheitern und wie du einen sicheren Raum für echte Team-Verbesserung schaffst. Konkrete Phasen, Methoden und die Prime Directive erklärt.
84: Zombie Scrum
Dein Scrum fühlt sich leblos an? Erfahre, was Zombie Scrum ist, warum es so verbreitet ist und wie du mit kleinen Experimenten echte Anpassungsfähigkeit zurückgewinnst.
99: Ein Anstoß zur Reflexion deines Handelns als Scrum Master
Scrum Master handeln oft unreflektiert nach alten Mustern. Finde die richtige Balance zwischen Befähiger, Administrator und Behüter für deinen Kontext. Inkl. Reflexions-Quiz.

