Interview mit Miriam Sasse

Scrum Master vs. Agile Coach: Warum die Rollenverwirrung zu nicht nachhaltiger Agilität führt und wie echte Ownership entsteht. Erklärungen einer erfahrenen Praktikerin.

9. Juni 202001:15:48
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Das Wichtigste in Kürze

  • Der fundamentale Unterschied liegt in der Zielrichtung: Ein Scrum Master arbeitet primär für das Team und dessen Effektivität im Scrum Framework. Ein Agile Coach arbeitet für das Individuum oder das System dahinter, um nachhaltige Veränderung und eigenständige Problemlösungsfähigkeit zu ermöglichen.
  • Ownership ist nicht delegierbar: Nachhaltige Agilität kann nicht "eingeführt" oder "gemanagt" werden. Sie entsteht nur, wenn die Menschen im System selbst die Verantwortung für ihre Prozesse und Lösungen übernehmen – die Aufgabe des Coaches ist es, diesen Raum zu schaffen.
  • Coaching ist höchst persönlich und nicht skalierbar: "Agile Coaches kannst du nicht im Doppelpack oder mehrfachpack [...] irgendwie positionieren, weil es einfach eine wahnsinnig persönliche Komponente ist." Erfolgreiches Coaching baut auf einer vertrauensvollen 1:1-Beziehung auf.
  • Die Haltung des Nicht-Wissens ist entscheidend: Das Zitat "Der Mensch ist der einzige Experte für seine Probleme" (Carl Rogers) unterstreicht die Coaching-Haltung. Der Coach hat nicht die Lösungen, sondern befähigt den Coachee, seine eigenen zu finden.

In Episode #51 sprechen wir mit der erfahrenen Agile Coach und Wirtschaftsingenieurin Miriam Sasse.

Worum es geht

In vielen Organisationen herrscht große Verwirrung: Was macht eigentlich ein Scrum Master? Und wo beginnt die Arbeit eines Agile Coaches? Diese Unklarheit führt zu falschen Erwartungen, ineffektiven Investitionen und vor allem zu nicht nachhaltigen Ergebnissen.

Das Problem ist nur: Wenn die Rollen vermischt oder missverstanden werden, entsteht eine Abhängigkeit. Teams warten auf Anweisungen, und Führungskräfte erwarten, dass "die Agile Leute" die Transformation schon richten werden. Doch so funktioniert es nicht.

In diesem Interview mit Miriam Sasse, die auf zehn Jahre Agile Praxis und Coaching-Erfahrung seit 2007 zurückblickt, klären wir: Wie unterscheiden sich die Rollen konkret? Und wie schafft man es, dass Agilität nicht nur ein Projekt, sondern eine echte, von den Menschen getragene Fähigkeit wird?

Für wen?

Für wen?

Diese Episode spricht in erster Linie Menschen an, die selbst in agilen Begleitrollen unterwegs sind oder mit deren Wirkung zu tun haben. Sie bietet klärende Einordnung und bestärkende Impulse für die eigene professionelle Haltung.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Scrum Master oder Agile Coach deine Rolle und ihr Wirkungsspektrum schärfen und gegenüber Stakeholdern besser erklären möchtest.
  • Als Führungskraft verstehen willst, welche Art von Unterstützung du für deine Teams wirklich brauchst, um nachhaltige Veränderung zu erreichen.
  • Dich in der Agilen Transformation mit der Frage herumschlägst, warum Initiativen oft stecken bleiben und keine dauerhafte Eigenständigkeit entsteht.

Episoden-Insights

1. Scrum Master und Agile Coach: Zwei verschiedene Aufgaben mit unterschiedlicher Fokussierung

Die Rollen werden oft in einen Topf geworfen, doch ihr Kernauftrag ist ein anderer. Der Scrum Master ist eine Rolle innerhalb des Scrum Frameworks, die darauf abzielt, das Team bei der effektiven Anwendung von Scrum zu unterstützen und Hindernisse zu beseitigen. Der Agile Coach hingegen arbeitet häufig außerhalb eines spezifischen Frameworks. Sein Fokus liegt auf der Entwicklung von Individuen, Teams oder ganzen Organisationen – also dem System – hin zu mehr Selbstorganisation, Lernfähigkeit und nachhaltiger Veränderung.

"Agile Coaches kannst du nicht im Doppelpack oder mehrfachpack [...] irgendwie positionieren, weil es einfach eine wahnsinnig persönliche Komponente ist."

2. Nachhaltigkeit entsteht durch Hilfe zur Selbsthilfe und echten Ownership

Die zentrale Aufgabe eines Agile Coaches ist es nicht, Lösungen vorzugeben, sondern die Bedingungen zu schaffen, unter denen die Menschen im System ihre eigenen Lösungen entwickeln können. Das bedeutet, sich zurückzunehmen und den Klienten (ob Einzelperson, Team oder Führungskraft) als Experten für sein eigenes Umfeld anzuerkennen. Nur wenn diese echte Verantwortung (Ownership) für Prozesse und Ergebnisse übernehmen, ist die Veränderung von Dauer. Der Coach befähigt, statt vorzugeben.

3. Die professionelle Haltung: Der Coach als neutraler Facilitator, nicht als Lösungsbringer

Eine professionelle Coaching-Haltung basiert auf der Grundannahme, dass der Coachee alle Ressourcen zur Lösung seines Problems in sich trägt. Diese Haltung, geprägt durch Ausbildungen und Supervision, unterscheidet den Agile Coach fundamental von einem Berater oder Trainer. Es geht um Fragen stellen, nicht um Antworten geben; um Reflexion ermöglichen, nicht um Anweisungen erteilen.

"Der Mensch ist der einzige Experte für seine Probleme."

Dein nächster Schritt

Die Rollenklärung ist der erste Schritt zu einer effektiveren Zusammenarbeit. Vertiefe das Gehörte mit unserem kompakten Leitfaden, der dir hilft, die richtigen Erwartungen zu setzen und den Fokus auf nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe zu legen.

Kostenloser Download: Rollenklärung Scrum Master & Agile Coach

Praktische Checkliste und Gesprächsleitfaden, um Erwartungen abzugleichen, Wirkungsbereiche zu definieren und nachhaltige Ownership zu fördern.

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