Serie: Inkrementelle Entwicklung in der Praxis
Episode 65: Testing und inkrementelle Entwicklung – Wie passt das zusammen?
Ausgehend von der Idee in inkrementeller Entwicklung, dass Lösungen emergent entstehen – also Schritt für Schritt durch frühes Feedback und kontinuierliches Lernen – stellt sich die Frage: Wie lässt sich Episode 65: Testing effektiv damit in Einklang bringen?
Diese Frage ist nicht trivial, denn Episode 65: Testing bringt eigene Anforderungen, Prozesse und Denkweisen mit, die auf den ersten Blick im Widerspruch zu schnellen, kleinen Entwicklungszyklen stehen können.
Diese Episode baut auf der Grundlagen-Folge zur inkrementellen Entwicklung auf:
59Hauptfolge
Product Increment – Inkrementelle Entwicklung in Scrum
Gast dieser Episode
Mike Nogans
Das Wichtigste in Kürze
- Testing ist keine nachgelagerte Phase, sondern ein integraler, frühzeitiger Bestandteil jedes Sprints – das verhindert späte und teure Überraschungen.
- Die wirtschaftlichste Stellschraube ist frühes Feedback: Fehler, die früh im Prozess gefunden und vermieden werden, sind deutlich kostengünstiger zu beheben.
- Nutzen Sie Ihre Tester als "im positiven Sinne destruktive" Gegenpole zu den konstruktiven Entwicklern, um Qualität von Anfang an mitzudenken.
- Effektive Testautomatisierung (Unit, Integration, UI) befreit menschliche Tester von repetitiven Aufgaben und schafft Raum für wertvollere, explorative Testarbeit.
Worum es geht
In vielen Scrum-Teams läuft es immer noch so: Die Entwickler coden los, und die Tester warten, bis etwas "fertig" ist, um dann unter Zeitdruck ihre Arbeit zu beginnen. Das Ergebnis sind ineffiziente Prozesse, Frust im Team und Bugs, die spät – und damit teuer – auffallen.
Das Problem ist nur: Dieses Modell missversteht die agile Idee fundamental. Testing ist kein separates, nachgelagertes Ticket auf dem Board, sondern eine kontinuierliche Aktivität, die den gesamten Sprint durchdringen sollte.
In dieser Episode sprechen wir mit Mike Nogans, der auf über 20 Jahre Erfahrung zurückblickt. Gemeinsam klären wir: Wie bindet man Tester so ein, dass sie von Anfang an Wert liefern? Wie schafft man die richtige Balance zwischen Automatisierung und manueller Testintelligenz? Und wie vermeidet man, dass das Team am Sprint-Ende von Qualitätsproblemen überrascht wird?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist besonders wertvoll, wenn du:
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Scrum Master oder Agile Coach beobachtest, dass Testing in deinem Team zum Flaschenhals wird und die Sprint-Ziele gefährdet.
- Als Product Owner unsicher bist, wie du Testing-Aufwand im Refinement richtig einschätzen und priorisieren sollst, um die passende Qualität an den Markt zu bringen.
- Als (Führungs-)Kraft die wirtschaftlichen Auswirkungen von spät gefundenen Fehlern in deinen Teams reduzieren willst und nach konkreten Hebel suchst.
Episoden-Insights
Erkenntnis 1: Testing ist Team-Aufgabe, keine Phase
Effektives Testing in Scrum bedeutet, die klassische "Test-Phase" aufzulösen. Tester sollten von Beginn eines Sprints an involviert sein – bereits in der Refinement- und Planungsphase. Hier bringen sie ihre Perspektive ein, helfen, Akzeptanzkriterien scharf zu machen und potenzielle Risiken früh zu identifizieren. Diese enge Zusammenarbeit verhindert, dass sich Tester am Sprintanfang langweilen und am Ende überlastet sind.
"Nutzt eure Tester und Testerin, die ihr habt, wirklich so effektiv und effizient, wie es geht, bindet sie frühzeitig ein."
Erkenntnis 2: Frühes Feedback ist ein wirtschaftlicher Hebel
Die Kosten, einen Fehler zu beheben, steigen exponentiell, je später er im Prozess gefunden wird. Ein Bug in der Produktion ist um Größenordnungen teurer als ein Fehler, der während der Entwicklung auffällt. Daher ist die frühe Einbindung der Testing-Expertise kein "Nice-to-have", sondern ein harter Wirtschaftlichkeitsfaktor. Teams, die das verinnerlichen, priorisieren automatisch Maßnahmen für frühes Feedback, wie Pair Programming, automatisierte Unit-Tests oder gemeinsame Refinements.
Erkenntnis 3: Automatisierung befreit Kapazität für wertvolle Testarbeit
Die Testpyramide (viele Unit-Tests, einige Integrationstests, wenige UI-Tests) gibt die Richtung vor: Was stabil und repetitiv ist, sollte automatisiert werden. Dies befreit die menschlichen Tester von monotonen Wiederholungsaufgaben. Die gewonnene Zeit kann für wertvollere Tätigkeiten genutzt werden: exploratives Testen, das Auffinden unerwarteter Fehler, das Testen von Usability oder die Mitgestaltung der nächsten Features.
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