Requirements Engineering & Scrum - Interview mit Kim Lauenroth

Requirements Engineering ist kein Wasserfall-Relikt. Lernen Sie, wie Sie RE als systematisches Handwerk in Scrum integrieren, um bessere Software zu bauen. Interview mit IREB-Vorstand Kim Lauenroth.

26. November 202045:15
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Das Wichtigste in Kürze

  • Requirements Engineering (RE) ist keine Phase und keine dedizierte Rolle, sondern ein kontinuierliches, integratives Handwerk, das Scrum-Teams beherrschen sollten.
  • Das zentrale Ziel ist der Aufbau eines gemeinsamen mentalen Modells zwischen allen Beteiligten – weit über das Schreiben von User Stories hinaus.
  • Systematische RE-Techniken wie Story Maps oder das Kano-Modell erhöhen die Planbarkeit und Qualität in agilen Projekten signifikant, ohne den Flow zu bremsen.
  • Gutes RE ist erlernbar, erfordert aber bewusste Übung und Training – es passiert nicht einfach "nebenbei" in den Events.

Worum es geht

Versteht mich nicht falsch: Scrum liefert einen exzellenten Rahmen für die Entwicklung. Was ich konsistent beobachte ist jedoch, dass Teams bei der Arbeit an den Anforderungen oft ins Stolpern kommen. Das Problem ist nur: Viele verbinden Requirements Engineering noch immer mit starren Wasserfall-Prozessen, dicken Dokumenten und speziellen Analysten-Rollen.

Diese Sichtweise verpasst den Punkt komplett. In dieser Episode gehen Ralf Kruse und Kim Lauenroth, Vorstand des International Requirements Engineering Board (IREB), der entscheidenden Frage nach: Wie passen eigentlich Requirements Engineering und Scrum zusammen?

Die Antwort ist pragmatisch und befreiend: RE ist das systematische Handwerk, um das "Was" zu verstehen, bevor das "Wie" gebaut wird. Es ist die essenzielle Ergänzung, die Ihrem Scrum die nötige Tiefe und Präzision verleiht.

Für wen?

Für wen?

Dieses Gespräch klärt fundamentale Missverständnisse auf und liefert praxistaugliche Einsichten für alle, die Software wertorientiert entwickeln wollen.

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Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Product Owner oder Product Manager spürst, dass dein Backlog zwar voll, aber das gemeinsame Verständnis mit dem Team und den Stakeholdern oft brüchig ist.
  • Als Scrum Master oder Agile Coach suchst, wie du dein Team bei der fachlichen Tiefenarbeit jenseits von Ticket-Abarbeitung unterstützen kannst.
  • Als Führungskraft die Qualität und Planbarkeit deiner agilen Projekte steigern willst und verstehen möchtest, welches Handwerk dafür notwendig ist.

Episoden-Insights

Erkenntnis 1: RE ist ein Handwerk, kein Prozessmodell

Requirements Engineering wird oft missverstanden. Es ist weder eine starre Phase im Projekt noch die Aufgabe einer einzigen Person. Stattdessen ist es ein systematischer Umgang mit Anforderungen, der als integrativer Skill im gesamten Team verankert sein sollte. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen, Annahmen zu hinterfragen und ein tiefes, gemeinsames Verständnis des zu lösenden Problems zu entwickeln. Diese Kompetenz ergänzt den Scrum-Rahmen ideal, anstatt ihn zu ersetzen.

"Requirements Engineering ist der systematische Umgang mit Anforderungen [...] es ist total Sinn macht, sich systematisch [...] zu beschäftigen."

Erkenntnis 2: Das Ziel ist ein gemeinsames mentales Modell

Die Kernaufgabe des RE in agilen Kontexten ist nicht das Produzieren von Dokumentation, sondern das Aufbauen und Abgleichen mentaler Modelle. Jeder Beteiligte – Product Owner, Entwickler, Stakeholder – hat ein eigenes, inneres Bild vom Produkt. Konflikte und Fehlentwicklungen entstehen, wenn diese Bilder voneinander abweichen. Effektive RE-Techniken wie gezielte Dialoge, Visualisierungen und Prototypen bringen diese Modelle ans Licht und sorgen für Alignment.

Erkenntnis 3: Systematik erhöht Agilität, statt sie zu behindern

Der Gedanke, dass Planung und Systematik "unagil" seien, ist ein fataler Irrtum. Kommt dir das bekannt vor? Gerade systematische RE-Praktiken – wie die frühzeitige Identifikation von Abhängigkeiten, die Analyse von Stakeholder-Interessen oder die Priorisierung mit Modellen wie Kano – schaffen die Voraussetzung für echte Agilität. Sie ermöglichen es dem Team, auf Veränderungen fundiert zu reagieren und liefern die notwendige Sicherheit für langfristige Product-Visionen bei kurzen Iterationen.

"Die Arbeit mit Anforderungen ist Handwerk [...] und bei gutem Handwerk ist es halt leider immer so, dass man das üben und trainieren muss."

Dein nächster Schritt

Die Theorie verstanden, aber unsicher bei der Umsetzung? Wir helfen Ihnen, das Handwerk Requirements Engineering in Ihrem Team zu verankern.

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