Agilität ohne Rahmenwerk - Ein Interview mit Joël Krapf

Warum die Eigenentwicklung eines agilen Frameworks oft in politischen Diskussionen versinkt und wie etablierte Modelle wie SAFe den Fokus auf reale Probleme lenken. Lernen Sie aus den Erfahrungen der Migros.

29. September 202135:43
0:00
Auf Apple Podcasts anhörenAuf Spotify anhören

Das Wichtigste in Kürze

  • Der größte Fehler bei der Eigenentwicklung eines Frameworks ist oft, dass Diskussionen politisch und nicht empirisch (also daten- und erfahrungsgetrieben) geführt werden.
  • Etablierte Frameworks wie SAFe bieten einen Startpunkt, der Teams schnell vom endlosen Debattieren ins produktive „Doing“ und Problemlösen bringt.
  • Ein selbstgebautes Framework zu pflegen und allen beizubringen, bindet massive Ressourcen, die für die eigentliche Wertschöpfung fehlen.
  • Die entscheidende Frage ist nicht „Welches Framework ist perfekt?“, sondern „Welches hilft uns, jetzt mit der Verbesserung unserer echten Probleme zu beginnen?“.

Worum es geht

Viele Organisationen stehen vor der gleichen Herausforderung: Sie wollen agiler werden, aber die bestehenden, weit verbreiteten Frameworks wie Scrum, SAFe oder LeSS passen scheinbar nicht hundertprozentig auf ihre spezielle Situation. Also beschließen sie, ihr eigenes, maßgeschneidertes Framework zu entwickeln – den „eigenen Weg“.

Das Problem ist nur: Dieser Prozess entgleist schnell. Was als lösungsorientierte Arbeit beginnt, verwandelt sich in politische Grabenkämpfe um Macht, Einfluss und Definitionshoheit. Plötzlich geht es nicht mehr darum, empirisch zu lernen und Kundenprobleme zu lösen, sondern darum, wer im selbst definierten Framework welche Rolle bekommt.

In dieser Episode teilt Joël Krapf, Head Lean Portfolio & Agile Transformation bei der Migros, seine ehrlichen und reflektierten Erfahrungen aus einer großen Transformation. Er zeigt auf, warum der initiale Ansatz, ein eigenes Framework zu bauen, in politischen Diskussionen stecken blieb und wie die Orientierung an einem etablierten Framework wie SAFe den Fokus wieder auf das Lösen echter Probleme lenken konnte.

Für wen?

Für wen?

Diese Episode ist ein Muss für alle, die in oder mit großen Organisationen an skalierter Agilität arbeiten. Die konkreten Fallstricke und Learnings sind direkt auf vergleichbare Transformationsvorhaben übertragbar.

SAFeFramework-EntwicklungAgile SkalierungPolitische DynamikenMigrosEmpirische Prozesse

Besonders wertvoll, wenn du:

  • Als Führungskraft oder Agile Coach diskutierst, ob ihr ein bestehendes Framework adaptieren oder ein eigenes entwickeln solltet.
  • Die Erfahrung gemacht hast, dass wichtige Transformations-Diskussionen in politische Machtfragen abdriften.
  • Den Aufwand für die Pflege von Prozessdefinitionen und Schulungsmaterialien in deiner Organisation als zu hoch empfindest.

Episoden-Insights

1. Politische Diskussionen ersetzen empirische Arbeit

Die Entwicklung eines eigenen Frameworks lädt fast zwangsläufig zu Machtspielen ein. Diskussionen drehen sich dann nicht um messbare Ergebnisse oder Kundenfeedback, sondern um Fragen wie „Wer darf in unserem Framework ‚Product Owner‘ heißen?“ oder welche Abteilung welche Entscheidungsbefugnis erhält. Diese Dynamik blockiert echte Fortschritte.

"Die Diskussion im Rahmenwerk war dann nicht empirisch getrieben... sie war eigentlich nur politisch getrieben."

2. Ein etabliertes Framework bringt dich schneller ins „Doing“

Der Wert eines vorhandenen Frameworks wie SAFe, LeSS oder Nexus liegt nicht in seiner Perfektion, sondern darin, dass es einen gemeinsamen Startpunkt bietet. Es erspart endlose Definitionsrunden und ermöglicht es Teams sofort, mit der Arbeit an konkreten Problemen zu beginnen. Das Framework wird dann empirisch – also basierend auf den gemachten Erfahrungen – angepasst, nicht auf Basis theoretischer Überlegungen.

3. Der Wartungsaufwand für ein eigenes Framework wird unterschätzt

Ein selbst gebautes Framework ist nie „fertig“. Es muss ständig erklärt, dokumentiert, geschult und weiterentwickelt werden. Dieser administrative Overhead bindet wertvolle Kapazitäten von Agile Coaches und Führungskräften, die eigentlich die Transformation begleiten und Teams unterstützen sollten. Diese Ressourcen fehlen dann bei der eigentlichen Wertschöpfung.

Dein nächster Schritt

Kommt dir das bekannt vor? Die Diskussion über den „richtigen“ Weg frisst Energie, während die eigentlichen Probleme warten? Wir helfen dir, aus dieser Schleife auszubrechen.

Strategiegespräch: Dein Agile-Transformationsweg

In einem unverbindlichen Call analysieren wir gemeinsam, wo Ihre Transformation steht und wie Sie den Fokus von politischen Diskussionen zurück auf wertschöpfende Arbeit lenken können – ob mit oder ohne etabliertes Framework.

Gespräch vereinbaren →

Live zu diesem Thema

Vertiefe dieses Podcast-Thema in unseren Live-Webinaren und Trainings:

Die besten Tipps zu Scrum und Agilität

  • Wo macht eine agile Arbeitsweise Sinn? Wo nicht?
  • Was zeichnet Scrum im Kern aus?
  • Wie gestalte ich Scrum effektiv aus?
  • Wie arbeite ich in meiner Organisation agil?
Apple PodcastsSpotify
Scrum Meistern Podcast mit Ralf Kruse