Das Wichtigste in Kürze
- Stabilität schafft Tiefe: Ein wiederkehrendes Retro-Format ermöglicht es dem Team, sich auf den Inhalt zu konzentrieren, anstatt sich ständig auf neue Methoden einzustellen. Das führt zu substanzielleren Ergebnissen.
- Weniger ist mehr (Moderation): Ein übergriffiger Scrum Master, der ständig Schwerpunkte setzt, kann den Team-Lernprozess behindern. Ein stabiler Rahmen fördert die Eigenverantwortung.
- Das 5-Phasen-Format im Detail: Ein effektives Format umfasst: 1) Check-in, 2) Sammeln von Daten, 3) Erkennen von Mustern, 4) Entscheiden über Maßnahmen, 5) Check-out.
- Champions-Prinzip für Breakouts: Verteile die Moderation von Breakout-Sessions an Teammitglieder (Champions). Das entlastet dich und stärkt das Engagement und Verständnis im Team.
- Zeitlicher Versatz für Reflexion: Baue Pausen oder Zeit zwischen Phasen ein. Dies ermöglicht es den Teilnehmern, "noch mal ganz anders einen Schritt zurückzugehen" und tiefer zu bohren.
Worum es geht
Die gängige Meinung in der Agile-Community lautet oft: Retrospektiven müssen abwechslungsreich und kreativ sein, um das Team bei Laune zu halten. Der Scrum Master wird als Entertainer gesehen, der ständig neue Formate liefern muss.
Das Problem ist nur: Dieser Fokus auf Abwechslung kann genau das Gegenteil bewirken. Statt dass sich das Team auf die eigentliche, oft anstrengende Arbeit der Ursachenanalyse und Verbesserung konzentrieren kann, muss es sich immer wieder auf ein neues Setting einlassen. Noch kritischer ist die Frage: "Ist es dann nicht übergriffig von dem Scrum-Master, wenn er in der Retrospektive [...] die Akzente und die Schwerpunkte setzt?"
In dieser Episode hinterfragt Ralf diesen Common Sense und argumentiert für einen radikal anderen Ansatz: Ein stabiles, wiederkehrendes Format, das dem Team Sicherheit gibt und Raum für echte Vertiefung schafft.
Für wen?
Für wen?
Diese Episode ist ein Muss für Agile Coaches und Scrum Master, die sich in der Retrospektiven-Gestaltung weiterentwickeln wollen. Sie ist ebenso wertvoll für Product Owner, die verstehen wollen, wie sie ihr Team zu effektiveren Reflexionszyklen befähigen können.
Besonders wertvoll, wenn du:
- Das Gefühl hast, ständig neue, "coole" Retro-Ideen suchen zu müssen.
- Den Eindruck hast, dass eure Retrospektiven oberflächlich bleiben und keine nachhaltigen Verbesserungen bringen.
- Deine eigene Rolle als Scrum Master hinterfragst und zwischen "Servant Leadership" und "Übergriffigkeit" navigieren willst.
Episoden-Insights
Erkenntnis 1: Abwechslung kann der Feind der Tiefe sein
Ständig wechselnde Formate fordern kognitive Ressourcen. Das Team muss sich erst in die neue Methode einfinden, anstatt sofort in die inhaltliche Reflexion einzusteigen. Ein bekannter, stabiler Rahmen hingegen wird zur Routine. Das Team weiß, was kommt, fühlt sich sicher und kann seine gesamte Energie darauf verwenden, die eigentlichen Team- und Prozess-Themen zu bearbeiten. Effektivität geht vor Unterhaltung.
"Ist es dann nicht übergriffig von dem Scrum-Master, wenn er in der Retrospektive [...] die Akzente und die Schwerpunkte setzt?"
Erkenntnis 2: Ein bewährtes 5-Phasen-Format als stabiler Kern
Die Lösung ist kein starres Korsett, sondern ein wiederkehrender Ablauf, der Sicherheit gibt. Ein praktisches Beispiel ist dieses Format:
- Check-in: Kurzer emotionaler oder fokussierter Start.
- Daten sammeln: Fakten und Eindrücke zum letzten Sprint werden gesammelt (z.B. via Mad/Sad/Glad).
- Muster erkennen: Das Team analysiert die gesammelten Daten und identifiziert Kernprobleme oder -erfolge.
- Maßnahmen beschließen: Konkrete, umsetzbare Experimente für den nächsten Sprint werden definiert.
- Check-out: Abschluss mit Feedback zum Prozess oder Ausblick.
Erkenntnis 3: Das Team einbinden und Zeit zum Denken geben
Stabile Formate bedeuten nicht, dass der Scrum Master alles alleine macht. Im Gegenteil: Nutze das Champions-Prinzip, bei dem Teammitglieder die Moderation von Teilphasen (z.B. Breakout-Sessions) übernehmen. Das fördert Ownership. Zudem sind gezielte Pausen oder ein zeitlicher Versatz zwischen Phasen (z.B. Muster erkennen in der nächsten Woche) entscheidend.
"Dieser zeitliche Versatz sorgt dafür, dass die Leute noch mal ganz anders einen Schritt zurückgehen können und dann noch mal ganz anders auf diese Themen drauf gucken und tiefer bohren."
Dein nächster Schritt
Hast du genug von der Suche nach dem nächsten kreativen Format und willst stattdessen lernen, wie du mit Stabilität echte Tiefe erreichst?
Das stabile Retro-Format: Schritt-für-Schritt Anleitung
Lade dir unsere detaillierte Vorlage mit dem 5-Phasen-Format, Moderationstipps für das Champions-Prinzip und einem Plan für deine ersten stabilen Retros herunter.
Leitfaden herunterladen →Ressourcen
Erwähnt in der Folge
Scrum-Checkliste(Guide)
Eine Checkliste, die man nutzen kann, um mit einem Scrum-Team kurz und knackig zu reflektieren, welche Scrum-Elemente funktionieren (grün/gelb/rot). Wird als Ressource empfohlen.
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
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