Das Wichtigste in Kürze
- Steuere den Fluss, nicht die Person: Der fundamentale Paradigmenwechsel von Kanban liegt darin, den Arbeitsfluss zu optimieren, anstatt empirisch über Zeitboxen und Arbeiter zu steuern.
- Evolution statt Disruption: Während Scrum mit festen Rollen und Events einen disruptiven Change erzwingt, startet Kanban beim aktuellen Prozess und verbessert ihn evolutionär – das reduziert Widerstand.
- Rollen sind kein Muss: Kanban definiert keine vorgeschriebenen Rollen. Verantwortlichkeiten ergeben sich aus dem Service Commitment. Das entlastet Teams von künstlichen Rollenkonflikten.
- Zwei typische Fallstricke vermeiden: 1) Kanban ist mehr als ein Board, es ist eine Change-Methode. 2) Man kann und sollte Kanban nicht wie ein Framework "verschreiben".
Worum es geht
Scrum und Kanban werden oft in einen Topf geworfen. Versteht mich nicht falsch – beide zielen auf bessere Ergebnisse ab. Das Problem ist nur, dass diese Vermischung zu fundamentalen Missverständnissen führt.
Was ich konsistent beobachte ist, dass Scrum-Anwender Kanban oft nur als Visualisierungs-Tool für ihr Backlog sehen oder versuchen, es als nächstes agiles Framework "einzuführen". Dabei geht der eigentliche Hebel verloren: Kanban als evolutionäre Methode für organisatorischen Wandel zu nutzen.
Diese Episode klärt auf: Worauf musst du als Scrummer achten, damit du Kanban sinnvoll für deine Zwecke einsetzt – und dich nicht in den typischen Fallstricken verfängst?
Für wen?
Für wen?
Diese Episode richtet sich primär an Agile Coaches und Scrum Master, die mit den Grenzen von Scrum konfrontiert sind oder Kanban im Portfolio-Kontext verstehen müssen. Sie ist aber auch wertvoll für Führungskräfte, die den Hebel für flüssigere Arbeitsprozesse suchen.
Besonders wertvoll, wenn du:
- Als Scrum Master oder Coach siehst, dass Teams trotz Scrum in Staus und Überlastung geraten.
- Den Wunsch hast, Kanban einzuführen, aber unsicher bist, wie du es jenseits eines Boards angehst.
- Als Führungskraft erlebst, dass Initiativen im Portfolio nicht vorankommen ("Stop-Starting, Start Finishing") und du den Fluss verbessern willst.
Episoden-Insights
1. Paradigmenwechsel: Vom Arbeiter zum Arbeitsfluss
Scrum steuert empirisch über Timeboxes (Sprints) und fokussiert auf das Team als Einheit. Kanban dreht den Spieß um: Hier steht der Fluss der Arbeit (Workflow) im Zentrum. Metriken wie Durchlaufzeit oder Zykluszeit zeigen, wo sich Staus bilden – unabhängig von der Auslastung der Menschen.
"In Kanban steuern wir die Arbeit und nicht den Arbeiter."
Das bedeutet: Auch bei voll ausgelasteten Teams kann der Fluss stocken. Kanban hilft, diese Engpässe im System sichtbar zu machen und zu beheben, anstatt nur auf Teamvelocity zu schauen.
2. Change-Ansatz: Disruption vs. Evolution
Scrum ist ein Framework, das mit festen Rollen, Events und Artefakten einen klaren, disruptiven Cut zum alten Prozess macht. Das kann kraftvoll sein, stößt aber oft auf Widerstand.
Kanban startet genau dort, wo du heute stehst ("Start with what you do now"). Es werden keine Rollen vorgeschrieben und kein Prozess überstülpt. Stattdessen werden gemeinsam evolutionäre Verbesserungsregeln etabliert, die den aktuellen Workflow schrittweise optimieren. Das ist weniger bedrohlich und führt oft zu nachhaltigerer Veränderung.
"Scrum ist disruptiv, Kanban ist evolutionär."
3. Rollen: Vorgeschrieben vs. emergent
Scrum definiert klare Rollen (Scrum Master, Product Owner, Entwicklerteam) mit spezifischen Verantwortlichkeiten. In Kanban gibt es diese Vorgabe nicht.
Verantwortlichkeiten ergeben sich aus den Service Commitments und den vereinbarten Verbesserungsregeln. Das kann befreiend sein, denn es löst Teams von dem Druck, künstliche Rollenkonflikte ausfechten zu müssen. Führung bleibt notwendig, aber sie ist nicht an eine bestimmte "Master"- oder "Owner"-Rolle gebunden.
"Kanban hat keine Rollen. Und das ist gut so."
Dein nächster Schritt
Agile Begleiter neigen dazu, einen vertrauten Arbeitsmodus – oft Scrum – auf alle Situationen anzuwenden. Der Schlüssel zu effektiver agiler Begleitung liegt jedoch darin, sich mit unterschiedlichen Herangehensweisen auseinanderzusetzen. Nur so kannst du passgenau zum jeweiligen Kontext agieren. Denn wenn du mit einer Herangehensweise scheiterst, hast du mit einer anders gelagerten oft deutlich mehr Chancen.
Kennst du das Problem dieser Folge?
Das Team arbeitet mit Scrum, aber der Fluss stockt trotzdem. In 20 Minuten klären wir, ob Kanban für deinen Kontext der richtige Hebel ist – ohne Buzzwords, mit konkretem Blick auf deine Situation.
Lass uns sprechen →Ressourcen
Ressourcen
Erwähnt in der Folge
Kanban von der Insel von Mike Burrows(book)
Ralf empfiehlt dieses Buch als wunderbaren Einstieg in die Kanban-Methode und für den Kontext, wie man Kanban effektiv einführt.
Kanban in sieben Minuten von Florian Eisenberg(podcast)
Ralf empfiehlt diesen Podcast für kompakte Orientierung darüber, was Kanban wirklich ist.
Kanban Coaching Podcast von Kasten Rischer und Ina Galinsky(podcast)
Ralf empfiehlt diesen Podcast für tiefergehende Auseinandersetzung mit Kanban-Themen.
Training und Coaching(Training)
Ralf stellt sich vor und sagt, dass er Organisationen durch Training und Coaching hilft, agile Ansätze effektiv zu nutzen.
YouTube Live Interview mit Kanban User Group Hamburg(Video)
Ralf erwähnt, dass er am Donnerstag zu Gast im Interview bei der Kanban User Group Hamburg ist und der Link zum YouTube Live in der Beschreibung zu finden ist.
Weitere Ressourcen aus dem Netz
Externe Links zu weiterführenden Inhalten, die im Kontext dieser Episode hilfreich sein können.
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