Scrum Guide

Der umfassende Leitfaden zu Scrum: Events, Rollen, Artefakte und Best Practices

Burndown Chart & Sprint Monitoring

Visualisierung des Sprint-Fortschritts

Zweck

Transparenz über den Arbeitsfortschritt im Sprint schaffen und frühzeitig Risiken erkennen

Video: Burndown Chart & Sprint Monitoring

Bestandteile

  • Verbleibende Arbeit vs. Zeit
  • Ideallinie als Referenz
  • Tägliche Aktualisierung
  • Früherkennung von Abweichungen
Scrum Burndown Chart

Das Burndown Chart zeigt den verbleibenden Aufwand im Sprint

Warum ein Burndown Chart?

In Scrum übernehmen Entwickler eine **hohe Verantwortung** für die eigenverantwortliche Ausgestaltung der Arbeit im Sprint. Sie müssen **proaktiv auf neue Erkenntnisse reagieren**.

Das Problem: Leider sind viele Entwickler es nicht gewohnt, diese Verantwortung zu tragen. Sie erkennen oft erst **zu spät**, dass der Sprint aus dem Ruder läuft.

Wenn Entwickler sich schwer tun, reaktiviert dies leicht **"alte Micromanager"**. Dies verunselbstständigt die Entwickler, statt sie zu mehr Eigenverantwortung zu entwickeln. So kann aber niemals ein effektives Scrum Team entstehen, was einem wirklich weiterhilft.

Die Lösung: Richtig genutzt können Burndown Charts in Scrum ein wichtiges **Hilfsmittel** sein. Es hilft dabei **früh zu erkennen**, wenn der Sprint aus dem Ruder läuft - ein Anstoß, der vielen Entwicklern hilft, **proaktiv im Sprint nachzusteuern**.

Häufige Fehlnutzungen des Burndown Charts

Der Burndown Chart wird leider oft falsch eingesetzt. Diese drei Fehler solltest du vermeiden:

Für Statusreporting an Management

Was passiert: Der Burndown Chart wird als Management-Tool umfunktioniert, um regelmäßig Status-Updates an Führungskräfte zu liefern.

Warum das falsch ist: Erzeugt Schutzmechanismen im Team. Entwickler werden vorsichtig und zeigen Probleme nicht mehr offen. Die Kontrollfunktion verhindert offene Kommunikation und ehrliche Selbsteinschätzung des Teams.

Datengrundlage für Überwachung durch Management

Was passiert: Management nutzt den Chart zur Leistungsüberwachung und Performance-Messung der Entwickler.

Warum das falsch ist: Das Team fühlt sich überwacht statt befähigt. Ownership geht verloren, weil die Verantwortung faktisch beim Management liegt, das "den Überblick behält". Entwickler konzentrieren sich auf ihre isolierte Aufgabe.

Für den Product Owner zur Sprint-Kontrolle

Was passiert: Der Product Owner fühlt sich verantwortlich für das, was im Sprint passiert, und nutzt den Chart zur Kontrolle der Entwickler-Arbeit.

Warum das falsch ist: Mikromanagement untergräbt die Selbstorganisation des Teams. Das Team sollte eigenverantwortlich agieren und den PO proaktiv einbinden - nicht umgekehrt. Der Deal zwischen Team und PO wird aufgelöst.

Tasks vs. Backlog Items: Der entscheidende Unterschied

Burndown auf Basis von Tasks (nicht empfohlen)

  • Zu optimistisch - zeigt Scheinfortschritt durch einfache Tasks
  • Einfache Tätigkeiten werden zuerst gewählt, schwierige Tasks bleiben liegen
  • Team geht viel zu spät auf kritische Themen ein → Kann sehr schlecht nachsteuern
  • Vergessene Tasks werden erst gegen Ende ergänzt → Linie steigt plötzlich an!
  • Kurz vor Ende des Sprints: Viele Tasks + hohe Komplexität = Überfüllter Sprint
  • Team erkennt zu spät, dass es sich übernommen hat

Burndown auf Basis von Backlog Items (empfohlen)

  • Pessimistischer → Linie fällt erst bei 100% Done eines Items
  • Kein Scheinvorteil durch einfache Tätigkeiten mehr
  • Schafft den richtigen Fokus für das Team (Fertigstellung > Beginn)
  • Früher Indikator für Probleme → Team kann gegensteuern
  • Fördert neue Arbeitsweise: Um nah an Ideallinie zu bleiben, benötigt Team Austausch
  • Wird zum Trigger für Gespräch im Daily
  • Integriert ins Daily → Genau der Anstoß, früh gegenzusteuern

Der Burndown Chart als Spiegel der Arbeitsweise

Am Anfang von Scrum ist die Nutzung eines Burndown Charts **ungewohnt**. In den allermeisten Fällen verläuft die Linie **flach** - weil wir uns schwer tun, im Sprint etwas abzuschließen.

Der Grund: Jeder versucht, an **"seinem" Item alleine** und entsprechend seiner Profession nachzugehen. Was sich oft gut anfühlt, ist in der effektiven Arbeit mit Scrum **nicht hilfreich**. Wir weichen uns aus.

Wenn jeder seinem eigenen Thema nachgeht, **lebt das Team sich auseinander**. Dies widerstrebt jedoch der **Grundintention von Scrum**: Eine enge Zusammenarbeit als Team zu ermöglichen, um schnell zu liefern und über Grenzen hinweg gemeinsam die Synergien zwischen den Disziplinen zu nutzen.

Erfolgreiche Entwicklungsteams arbeiten also im Vergleich zu früher (vor Scrum) anders und sind dadurch effektiver. Und das ist auch gut so, denn: Wenn nichts anders wäre, könnte man auch kaum andere Ergebnisse erwarten.

Man kann sogar behaupten: Scrum bei einer **Ansammlung von Individuen**, die ihre Arbeit isoliert bestreiten, macht kaum noch Sinn. Im Gegenteil: Es entsteht **Unmut** darüber, "ständig" Meetings abhalten zu müssen, die beim Abarbeiten stören. Ein unausweichliches Resultat, wenn man eine teamorientierte Methode ohne echte Teamarbeit einsetzt.

5 Techniken für bessere Zusammenarbeit

Diese Techniken helfen deinem Team, enger zusammenzuarbeiten und das Burndown Chart natürlich zu verbessern:

1

Daily um "Was fehlt?" ergänzen

Ergänze das Daily Scrum um die Frage: "Was fehlt, um das nächste Item abzuschließen?"

Impact: Fokussiert das Daily auf Fertigstellung, nicht nur auf Status-Updates. Team denkt in "Done Items" statt in "angefangenen Tasks".

2

Planning: Fokus auf erstes Item

Gehe im Sprint Planning explizit darauf ein, wie das Team das erste Item früh im Sprint abschließen kann.

Impact: Setzt den Ton für den Sprint: Fertigstellung hat Priorität über das Beginnen vieler Items. Etabliert Muster für den restlichen Sprint.

3

Erstes Item gemeinsam anpacken

Das erste Item gemeinsam als Team angehen und eine kleine Belohnung für die Fertigstellung am nächsten Tag ausloben (z.B. gemeinsames Frühstück).

Impact: Etabliert das Muster enger Zusammenarbeit von Tag 1 an. Bricht isolierte Arbeitsweise auf und zeigt konkret, wie effektive Teamarbeit aussieht.

4

Retro-Fragen zur Zusammenarbeit

Greife das Thema Zusammenarbeit in der Retrospektive systematisch auf: (1) Wie können wir in engerer Zusammenarbeit schneller Items abschließen? (2) Welche Skills müssen besser verteilt werden? (3) Was an unserer Arbeitsweise hält uns zurück?

Impact: Systematische Reflexion und kontinuierliche Optimierung der Teamarbeit. Team entwickelt eigene Lösungen statt externe Vorgaben zu bekommen.

5

Backlog-Item-basierter Chart als Trigger

Die Nutzung eines Backlog-Item-basierten Burndown Charts forciert automatisch enge Zusammenarbeit, da nur fertiggestellte Items die Linie senken.

Impact: Der Chart selbst wird zum permanenten Trigger für bessere Arbeitsweise. Team kann sich nicht mehr in Scheinfortschritt wiegen - nur echte Fertigstellung zählt.

Zusammenfassung

Das Sprint Monitoring wird oft für die Befriedigung der Informationsbedürfnisse der **alten Arbeitsweise** benutzt und erzeugt dadurch Dysfunktionen.

Es ist eigentlich ein **Trigger, um im Team zu arbeiten** und sich auszutauschen - auch wenn es ungewohnt ist.

  • **Task-basierte Charts**: Oft zu optimistisch, erzeugen Dysfunktionen
  • **Backlog-Item-basierte Charts**: Pessimistischer, forcieren Austausch und Umstellung der Arbeitsweise

Eine enge Zusammenarbeit im Team verbessert letztendlich nicht nur das Burndown Chart, sondern schafft auch einen **anderen Spirit und eine Dynamik**, Ergebnisse zu erzielen. Das Team arbeitet dadurch **effizienter**, managt **Risiken besser** und hat **mehr Spaß** bei der Arbeit.

Häufig gestellte Fragen zu Burndown Chart & Sprint Monitoring

Was ist der eigentliche Zweck der Sprint-Fortschrittsüberwachung in Scrum?

Die Überwachung des Sprintfortschritts dient ausschließlich dem Entwicklungsteam selbst, um eigenverantwortlich zu erkennen, wo es im Sprint steht und ob nachgesteuert werden muss. Sie ist ein internes Werkzeug und Trigger für notwendige Team-Gespräche. Die Informationen sind nicht für Reporting an das Management oder den Product Owner gedacht, da dies zu Schutzmechanismen im Team führen und die effektive Nutzung untergraben kann. Das Team soll befähigt werden, selbstständig zu agieren.

Warum werden taskbasierte Burn-down-Charts in diesem Podcast nicht empfohlen?

Taskbasierte Burn-down-Charts gelten als zu optimistisch und erzeugen Dysfunktionen. Da im Sprintverlauf oft neue Tasks entdeckt werden, zeigt der Chart nicht die tatsächliche verbleibende Arbeit und verleitet dazu, den Sprint zu voll zu planen. Teams neigen außerdem dazu, zuerst die einfachen Tasks abzuarbeiten, wodurch kritische, komplexe Arbeiten zurückbleiben. Dies verzögert die Erkennung von Problemen und führt oft dazu, dass Sprints nicht erfolgreich abgeschlossen werden.

Welche Vorteile bietet ein Burn-down-Chart auf Basis von Backlog-Items?

Ein Backlog-Item-basierter Burn-down-Chart ist pessimistischer und damit hilfreicher, da er nur fortschreitet, wenn ein Item vollständig 'Done' ist. Dies zwingt das Team, sich auf die Fertigstellung ganzer Funktionalitäten zu konzentrieren, anstatt auf Teilaufgaben. Er triggert früher notwendige Gespräche, da er Scheinfortschritt vermeidet und gnadenlos offenlegt, wenn keine Items fertiggestellt werden. Diese Fokussierung unterstützt die agile Prinzipien der frühen Wertlieferung und Risikominimierung.

Wie legt ein Backlog-Item-Burn-down-Chart den Finger in die Wunde der Zusammenarbeit?

Dieser Chart zeigt sofort, wenn das Team nicht eng zusammenarbeitet. Bei der traditionellen Arbeitsweise, bei sich jeder Einzelne in seine Expertise zurückzieht, bleibt die Linie lange flach und bricht erst am Sprintende ein. Der Chart visualisiert somit mangelnde kollaborative, fokussierte Arbeit. Er offenbart, ob das Team sich von Tag 1 gemeinsam auf die obersten Prioritäten konzentriert und diese konsequent zu Ende bringt, was Kern einer effektiven Scrum-Arbeitsweise ist.

Was ist die ideale Visualisierung eines effektiv arbeitenden Teams im Burn-down-Chart?

Ein idealer, gesunder Verlauf zeigt einen stetigen, treppenartigen Abfall der Linie. Dies bedeutet, dass das Team von Anfang an gemeinsam an den höchstpriorisierten Items arbeitet und diese in regelmäßigen Abständen fertigstellt – beispielsweise alle ein bis zwei Tage ein Item. Ein solches Muster signalisiert enge Zusammenarbeit, kontinuierliche Fertigstellung und die Fähigkeit, aus jedem abgeschlossenen Item für die nächsten zu lernen. Es entsteht eine Dynamik der Gewissheit und des Flows.

Welche Rolle spielt der Burn-down-Chart im Zusammenhang mit dem Daily Scrum?

Der Burn-down-Chart dient als ergänzendes Werkzeug zum <a href="/scrum/events/daily-scrum/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Daily Scrum</a>. Während das Daily den Fokus auf die Koordination der nächsten 24 Stunden legt ('Was habe ich gestern/getan, was heute?'), bietet der Chart die übergeordnete, visuelle Perspektive auf den gesamten Sprintverlauf. Im Anschluss an das Daily kann das Team einen kurzen Blick auf den Chart werfen, um zu reflektieren: 'Stehen wir insgesamt auf Kurs, um unser Sprintziel zu erreichen, oder müssen wir unsere Arbeitsweise anpassen?' Er ist eine Einladung zum strategischen Nachsteuern.

Dieses Artefakt spielt in folgenden Scrum Events eine wichtige Rolle:

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