Product Vision
Das langfristige Zielbild für das Produkt
Zweck
Richtungsweisendes Leitbild, das dem Team Orientierung gibt und Stakeholder inspiriert
Die Product Vision ist der Leuchtturm, der in Scrum Orientierung gibt. Sie hilft zu identifizieren, was im Scope ist und was nicht, leitet Ressourcen-Allokation und bietet konsistente Orientierung während der Produktentwicklung. Die Vision muss von allen Beteiligten geteilt werden, um wirklich zu funktionieren.
💡 Key Insight
Die Product Vision ist der Leuchtturm, der in Scrum Orientierung gibt.
Bestandteile
- Zielgruppe und deren Bedürfnisse
- Kernnutzen des Produkts
- Differenzierung vom Wettbewerb
- Langfristige Produktziele
Best Practices
- ✓Vision kollaborativ erstellen
- ✓Kurz halten (max. halbe Seite)
- ✓Spezifisch genug für Richtung, breit genug für Flexibilität
- ✓Vision in Sprint-Events integrieren (Refinement, Planning)
- ✓Buy-in von allen Stakeholdern sichern
Häufige Fehler
- ✗Vision isoliert ohne Team-Input erstellen
- ✗Vision zu detailliert oder zu vage machen
- ✗Vision NICHT aktiv in Scrum Events einbinden
- ✗Kein echtes Buy-in von allen Beteiligten
Häufig gestellte Fragen zu Product Vision
Warum braucht ein Scrum Team eine Product Vision?
Eine gute <a href="/scrum/artefakte/product-vision/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Product Vision</a> schafft Alignment zwischen allen Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel. In Scrum ist das Product Backlog eine dynamische Liste von Anforderungen, und ohne klare Orientierung würden die Fliehkräfte der Organisation das Team in verschiedene Richtungen ziehen. Die Vision hilft, den Fokus auf das Wesentliche zu lenken - sie macht klar, was benötigt wird, aber auch was aktuell nicht im Fokus steht. Drittens nutzt eine klare Vision das Potenzial aller Beteiligten: Wenn alle wissen, welchen Unterschied das Produkt machen soll, können sie eigenständig beitragen und Ideen einbringen. Die Vision ist der Nordstern, an dem sich alle Entscheidungen im Product Backlog und in den Sprints orientieren. Ohne diese Orientierung ist zielgerichtete Produktentwicklung in komplexen Umgebungen kaum möglich.
Was sind die Qualitäten einer guten Product Vision?
Eine gute Product Vision ist inspirierend und motivierend - sie beschreibt nicht nur Features, sondern den Unterschied, den das Produkt machen wird. Sie ist klar und verständlich formuliert, sodass alle Beteiligten sie verinnerlichen können. Eine starke Vision ist fokussiert auf das Wesentliche, wie es bei Apple-Produkten unter Steve Jobs zu sehen war: klare Konzentration auf wenige, durchdachte Aspekte statt Überfrachtung mit allen denkbaren Features. Die Vision sollte stabil genug sein, um Orientierung zu geben, aber flexibel genug, um Anpassungen zuzulassen, wenn man aus der Produktentwicklung lernt. Wichtig ist auch, dass die Vision gemeinsam erstellt und gelebt wird - sie darf kein künstliches Artefakt sein, das nur in PowerPoint-Präsentationen existiert, sondern muss tatsächlich Entscheidungen leiten.
Was ist die größte Herausforderung bei Product Visions?
Die größte Herausforderung ist nicht das Schreiben einer Product Vision, sondern dass sie tatsächlich gelebt wird und ihre Wirkung entfaltet. In vielen Organisationen hängt die Vision wie ein 'künstliches Artefakt' über dem Projekt - im besten Fall wird sie ignoriert, im schlimmsten Fall erzeugt sie Zynismus, weil niemand daran glaubt oder danach handelt. Eine Vision, die nicht in tägliche Entscheidungen einfließt, ist wertlos. Die Herausforderung besteht darin, die Vision gemeinsam mit allen Stakeholdern zu entwickeln (nicht top-down zu diktieren), sie kontinuierlich zu kommunizieren, bei Backlog-Priorisierungen darauf zu referenzieren und auch den Mut zu haben, Anforderungen abzulehnen, die nicht zur Vision passen. Die Vision muss lebendiges Arbeitsinstrument werden, kein Lippenbekenntnis.
Wie erstellt man eine gute Product Vision?
Eine gute Product Vision entsteht nicht im stillen Kämmerlein des Product Owners, sondern durch gemeinsame Erarbeitung mit allen relevanten Stakeholdern. Der Prozess sollte verschiedene Perspektiven einbeziehen: Was ist der Nutzen für Kunden? Welches Problem lösen wir? Was unterscheidet uns von Alternativen? Welchen Impact wollen wir erzielen? Es gibt verschiedene Werkzeuge und Templates, die dabei helfen können - wichtig ist aber nicht das perfekte Format, sondern dass ein gemeinsames Verständnis entsteht. Die Vision sollte in einer Form formuliert werden, die leicht zu kommunizieren und zu merken ist. Nach der initialen Erstellung muss die Vision kontinuierlich überprüft und bei Bedarf angepasst werden - sie ist kein in Stein gemeißeltes Dokument, sondern entwickelt sich mit dem Produkt und den Erkenntnissen der Sprints weiter.
Wie verhindert man, dass die Product Vision nur 'Lippenbekenntnis' bleibt?
Um zu verhindern, dass die Vision zum bedeutungslosen Wandschmuck wird, muss sie aktiv in die tägliche Arbeit integriert werden. Der Product Owner sollte bei jeder Backlog-Priorisierung explizit auf die Vision Bezug nehmen: 'Diese <a href="/scrum/artefakte/user-stories/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">User Story</a> bringt uns näher zur Vision, weil...'. Im <a href="/scrum/events/sprint-review/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Sprint Review</a> kann geprüft werden: Bewegen wir uns in die richtige Richtung? Im Sprint Planning sollte die Vision als Entscheidungskriterium dienen. Wichtig ist auch, die Vision regelmäßig zu kommunizieren und sichtbar zu machen - nicht nur einmal bei Projektstart, sondern kontinuierlich. Teams sollten ermutigt werden, Anforderungen zu hinterfragen, die nicht zur Vision passen. Und schließlich: Die Vision muss ehrlich sein und tatsächlich das widerspiegeln, was das Team erreichen will - keine Marketing-Phrase, sondern echter Nordstern. Nur dann wird sie ernst genommen und gelebt.
Warum scheitern viele Product Visions in Organisationen?
Viele Product Visions scheitern, weil sie top-down erstellt werden ohne echte Beteiligung der Betroffenen. Sie werden als Pflichtübung abgehakt ('macht man halt so'), aber niemand identifiziert sich damit. Oft sind sie zu generisch, zu marketinglastig oder zu abstrakt, um konkrete Entscheidungen anzuleiten. Ein weiterer Grund ist mangelnde Kontinuität: Die Vision wird einmal formuliert, präsentiert und dann nie wieder erwähnt - sie verschwindet in der Schublade. Auch fehlender Mut ist ein Problem: Wenn die Vision Fokussierung verspricht, aber in der Praxis trotzdem alle möglichen Anforderungen ins Backlog wandern, verliert sie Glaubwürdigkeit. Schließlich fehlt oft die organisatorische Unterstützung: Wenn Führungskräfte andere Prioritäten setzen oder ständig intervenieren, wird die Vision bedeutungslos. Erfolgreiche Visions brauchen Commitment, Sichtbarkeit und konsequente Anwendung bei allen Entscheidungen.
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