Sprint Planning in Scrum: Ablauf, Tipps & Häufige Fehler
Sprint Planning effektiv gestalten: Wie läuft ein Sprint Planning ab? Welche 3 Fragen müssen beantwortet werden? Best Practices und typische Fehler für erfolgreiche Sprint-Planung.
Zweck
Festlegen, was im Sprint erreicht werden kann und wie die Arbeit erledigt wird
Sprint Planning ist kollaborative Planung, bei der das gesamte Scrum Team gemeinsam einen "Deal" schließt: Das Team übernimmt Verantwortung für das Sprint-Ziel, und der Product Owner stellt sicher, dass das Backlog gut vorbereitet ist. Es geht NICHT um klassisches phasenbasiertes Projektmanagement, sondern um Selbstorganisation und gemeinsames Verständnis.
💡 Key Insight
Sprint Planning hat nicht viel mit klassischer Planung zu tun - es ermöglicht dem Team, unabhängig die Arbeit auszuwählen und sich darauf zu commiten.
Video: Sprint Planning in Scrum: Ablauf, Tipps & Häufige Fehler
Ablauf
- Product Owner präsentiert Product Backlog
- Team schätzt Aufwand der Backlog Items
- Festlegung des Sprint-Ziels
- Auswahl der Backlog Items für den Sprint
- Planung der Umsetzung (Sprint Backlog)
Best Practices
- ✓Gut vorbereitetes Product Backlog
- ✓Klare Definition of Ready
- ✓Aktive Beteiligung des gesamten Teams
- ✓Realistische Schätzungen
- ✓Klare Sprint-Ziel-Formulierung
Häufige Fehler
- ✗Zu viele Items in den Sprint nehmen
- ✗Unklare Sprint-Ziele
- ✗Fehlende Vorbereitung
- ✗Nur Entwickler planen lassen
- ✗Keine Zeit für Fragen und Diskussionen
Praktische Techniken
Item-Auswahl: Silent Voting mit Post-its
Drucke das vorbereitete Product Backlog aus und hänge es an die Wand. Jedes Teammitglied erhält Post-its und markiert unabhängig voneinander, bis zu welchem Punkt es den Sprint für realistisch hält. Dies macht unterschiedliche Einschätzungen (Optimisten vs. Pessimisten) sofort sichtbar, ohne dass laute Stimmen dominieren. Der Scrum Master moderiert anschließend mit "Und was meint ihr?" ein ausgewogenes Gespräch, bei dem das Team gemeinsam zu einer realistischen Auswahl findet. Diese Technik fördert echte, unabhängige Entscheidungsfindung.
💡 Impact:
Verhindert, dass laute Stimmen die Planung dominieren und fördert ehrliche Einschätzungen aller Teammitglieder.
Sprint-Ziel Workshop: Vom Backlog zum gemeinsamen Ziel
Statt dass der Product Owner das Sprint-Ziel vorgibt, nutze einen kollaborativen Workshop: Der PO präsentiert die Top-Prioritäten im Backlog und erklärt WARUM diese wichtig sind (Business Value, Stakeholder-Bedürfnisse, strategische Ausrichtung). Das Team clustert die Items in thematische Gruppen und formuliert gemeinsam ein übergreifendes Ziel, das diese Gruppe beschreibt. Der PO gibt Feedback zur strategischen Passung. So entsteht ein Ziel, das das Team versteht und mit dem es sich identifiziert – nicht nur eine vom PO diktierte Überschrift.
💡 Impact:
Teams entwickeln echtes Ownership für Sprint-Ziele, die sie selbst mitformuliert haben, statt passiv zugewiesene Ziele abzuarbeiten.
Kapazitätsplanung: Team Availability Matrix
Erstelle zu Beginn des Sprint Plannings eine einfache Matrix: Wer ist wann verfügbar? Berücksichtige Urlaube, Feiertage, geplante Meetings und andere Verpflichtungen. Rechne realistisch: Ein 5-Tage-Sprint bedeutet NICHT 5*8=40 Stunden reine Entwicklungszeit. Ziehe ab: Daily Scrums, Refinement-Sessions, Support-Anfragen, ungeplante Meetings. Eine realistische Kapazität liegt oft bei 60-70% der nominalen Zeit. Diese transparente Übersicht verhindert Überlastung und schafft Raum für unvorhergesehene Aufgaben, die IMMER auftauchen.
💡 Impact:
Verhindert systematische Überlastung und unrealistische Planung durch transparente, ehrliche Kapazitätsbetrachtung.
Definition of Ready Check: Quick Validation
Bevor Items in den Sprint gezogen werden, führe einen schnellen "Ready Check" durch: Kann das Team die Story unabhängig umsetzen (keine kritischen Abhängigkeiten)? Sind Akzeptanzkriterien klar formuliert? Gibt es offene Fragen, die VOR dem Sprint geklärt werden müssen? Ist ein grobes technisches Verständnis vorhanden? Dieser Check dauert nur 2-3 Minuten pro Item und verhindert, dass blockierte oder unklare Items in den Sprint kommen und dort wertvolle Zeit kosten.
💡 Impact:
Verhindert, dass unvorbereitete Items den Sprint blockieren und zu Frustration führen.
Task Breakdown: Collaborative Decomposition
Nachdem Items ausgewählt sind, zerlegt das Team sie gemeinsam in Tasks – aber NICHT durch Zuweisung an Einzelpersonen! Stattdessen: Jemand schlägt Tasks vor ("Wir müssen API-Integration machen, Tests schreiben, UI anpassen"), andere ergänzen ("Wir brauchen auch Doku-Update, DB-Migration"). So entsteht ein gemeinsames Verständnis der Arbeit. Tasks bleiben zunächst "unassigned" – die konkrete Übernahme erfolgt dynamisch im Sprint, z.B. im Daily Scrum. Dies fördert Flexibilität und verhindert Silo-Denken.
💡 Impact:
Fördert geteiltes Verständnis und Flexibilität statt starrer Aufgabenzuweisung an Einzelpersonen.

Die drei zentralen Fragen im Sprint Planning: Warum, Was und Wie
Häufig gestellte Fragen
Der Product Owner ist befangen, da er oft unter Lieferdruck steht und Erwartungen managen muss. Diese Position könnte ihn unbewusst dazu verleiten, das Team zu einem überoptimistischen Plan zu drängen, anstatt zu einem realistischen. Ein realistischer Plan ist jedoch essentiell, damit das Team Ownership übernimmt und Probleme frühzeitig sichtbar werden, bevor Zeit und Budget verbraucht sind. Die unabhängige Moderation durch den Scrum Master sorgt für ein faires, druckfreies Umfeld, in dem das Team eine ehrliche Einschätzung abgeben kann.
Ein gutes Sprintziel ist ein übergreifendes, wertorientiertes Ziel, das aus einem gut vorbereiteten <a href="/scrum/artefakte/product-backlog/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Product Backlog</a> mit ausreichendem Ausblick abgeleitet wird. Es entsteht, wenn der PO aus der Übersicht des Backlogs das nächste wichtige Ziel vorschlägt und das Team diesen Vorschlag nachjustieren oder alternativ gestalten kann. Fehlt dieser Ausblick und arbeitet das Team "von der Hand in den Mund", entstehen oft nur inhaltsleere "Sprint-Mottos", die keine echte Orientierung bieten. Ein klares Sprintziel ist ein Indikator für einen gesunden, vorausschauend gepflegten Product Backlog.
Die Definition of Ready wird dysfunktional, wenn sie dazu genutzt wird, das alte Muster der Trennung von Denken und Handeln wieder einzuführen. Teams fordern dann vom PO oft überzogene Spezifikationen wie detaillierte technische Designs oder pixelgenaue Definitionen vor dem Sprint. Dies zerstört die Kernidee von Scrum, dass das cross-funktionale Team die Lösung im Sprint eigenverantwortlich erarbeitet. Statt einer gemeinsamen Vorbereitung wird der PO alleingelassen und das Team entzieht sich seiner Mitverantwortung. Die Intention sollte sein, Risiken früh zu erkennen, nicht Arbeit vorzuziehen.
Kapazitätsplanung (wer ist da, wer im Urlaub) und Velocity (durchschnittlich geleisteter Umfang) sind wertvolle Diskussionsgrundlagen, aber keine blind zu befolgenden Vorgaben. Es ist ein Fehler, die verfügbaren Personenstunden einfach mit Tasks vollzustopfen, da so keine Kapazität für unvorhergesehene Aufgaben oder die während des Sprints notwendige Detaillierung bleibt. Velocity ist "das Wetter von gestern" – ein historischer Anhaltspunkt. Das Team muss unabhängig bewerten, ob die nächsten Items ähnlich komplex sind oder ob besondere Umstände vorliegen. Die Tools sollen das Gespräch triggern, nicht ersetzen.
Eine bewährte Technik ist, das vorbereitete Backlog ausgedruckt an der Wand zu haben. Jedes Teammitglied erhält Post-its und markiert unabhängig, bis zu welchem Punkt es für den Sprint realistisch hält. So werden schnell unterschiedliche Einschätzungen (Optimisten/Pessimisten) sichtbar, ohne dass laute Stimmen dominieren. Der Scrum Master kann dann mit der Frage "Und was meint ihr?" ein ausgewogenes Gespräch anstoßen, bei dem das Team gemeinsam zu einer realistischen Auswahl findet. Dies fördert die unabhängige, gemeinsame Entscheidungsfindung.
Die frühe Zuweisung von Tasks an Einzelpersonen schafft "Nichtverantwortung" bei den anderen Teammitgliedern und untergräbt das Prinzip der gemeinsamen Teamverantwortung. Es fördert Silodenken anstelle von kollektivem Ownership für das gesamte Sprintziel. In der Praxis führt das dazu, dass sich Teammitglieder nicht für die Tasks anderer verantwortlich fühlen, selbst wenn jemand krank wird. Besser ist es, in der Planung eine gemeinsame Übersicht der anfallenden Tätigkeiten zu schaffen, ohne sie zuzuweisen. Die konkrete Übernahme kann dann im Sprint selbst, etwa im Daily, dynamisch erfolgen.
Sprint Planning erfolgreich durchführen: 5 bewährte Techniken
Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitungen für ein effektives Sprint Planning, das echte Selbstorganisation ermöglicht und alle Teammitglieder einbezieht.
Item-Auswahl: Silent Voting mit Post-its
Drucke das vorbereitete Product Backlog aus und hänge es an die Wand. Jedes Teammitglied erhält Post-its und markiert unabhängig voneinander, bis zu welchem Punkt es den Sprint für realistisch hält. Dies macht unterschiedliche Einschätzungen (Optimisten vs. Pessimisten) sofort sichtbar, ohne dass laute Stimmen dominieren. Der Scrum Master moderiert anschließend mit "Und was meint ihr?" ein ausgewogenes Gespräch, bei dem das Team gemeinsam zu einer realistischen Auswahl findet. Diese Technik verhindert, dass laute Stimmen die Planung dominieren und fördert ehrliche Einschätzungen aller Teammitglieder.
Sprint-Ziel Workshop: Vom Backlog zum gemeinsamen Ziel
Statt dass der Product Owner das Sprint-Ziel vorgibt, nutze einen kollaborativen Workshop: Der PO präsentiert die Top-Prioritäten im Backlog und erklärt WARUM diese wichtig sind (Business Value, Stakeholder-Bedürfnisse, strategische Ausrichtung). Das Team clustert die Items in thematische Gruppen und formuliert gemeinsam ein übergreifendes Ziel, das diese Gruppe beschreibt. Der PO gibt Feedback zur strategischen Passung. So entsteht ein Ziel, das das Team versteht und mit dem es sich identifiziert. Teams entwickeln echtes Ownership für Sprint-Ziele, die sie selbst mitformuliert haben, statt passiv zugewiesene Ziele abzuarbeiten.
Kapazitätsplanung: Team Availability Matrix
Erstelle zu Beginn des Sprint Plannings eine einfache Matrix: Wer ist wann verfügbar? Berücksichtige Urlaube, Feiertage, geplante Meetings und andere Verpflichtungen. Rechne realistisch: Ein 5-Tage-Sprint bedeutet NICHT 5*8=40 Stunden reine Entwicklungszeit. Ziehe ab: Daily Scrums, Refinement-Sessions, Support-Anfragen, ungeplante Meetings. Eine realistische Kapazität liegt oft bei 60-70% der nominalen Zeit. Diese transparente Übersicht verhindert systematische Überlastung und unrealistische Planung durch transparente, ehrliche Kapazitätsbetrachtung.
Definition of Ready Check: Quick Validation
Bevor Items in den Sprint gezogen werden, führe einen schnellen "Ready Check" durch: Kann das Team die Story unabhängig umsetzen (keine kritischen Abhängigkeiten)? Sind Akzeptanzkriterien klar formuliert? Gibt es offene Fragen, die VOR dem Sprint geklärt werden müssen? Ist ein grobes technisches Verständnis vorhanden? Dieser Check dauert nur 2-3 Minuten pro Item und verhindert, dass blockierte oder unklare Items in den Sprint kommen und dort wertvolle Zeit kosten. Dies verhindert, dass unvorbereitete Items den Sprint blockieren und zu Frustration führen.
Task Breakdown: Collaborative Decomposition
Nachdem Items ausgewählt sind, zerlegt das Team sie gemeinsam in Tasks – aber NICHT durch Zuweisung an Einzelpersonen! Stattdessen: Jemand schlägt Tasks vor ("Wir müssen API-Integration machen, Tests schreiben, UI anpassen"), andere ergänzen ("Wir brauchen auch Doku-Update, DB-Migration"). So entsteht ein gemeinsames Verständnis der Arbeit. Tasks bleiben zunächst "unassigned" – die konkrete Übernahme erfolgt dynamisch im Sprint, z.B. im Daily Scrum. Dies fördert geteiltes Verständnis und Flexibilität statt starrer Aufgabenzuweisung an Einzelpersonen.
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