Inkrement
Summe aller fertiggestellten Product Backlog Items
Zweck
Potenziell auslieferbares Produktinkrement, das die <a href="/scrum/artefakte/definition-of-done/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Definition of Done</a> erfüllt
Das Inkrement ist die Summe aller Product Backlog Items, die während eines Sprints und allen vorherigen Sprints fertiggestellt wurden. Es ist die kumulative Basis allen Done-Ergebnisse - nicht nur das Sprint-Ergebnis, sondern ALLE bisherigen Sprints zusammen. Jedes Inkrement muss potenziell auslieferbar, nutzbar, additiv zu vorherigen Inkrementen und inspizierbar sein. Das Inkrement ist kein bloßer Prozess-Output, sondern ein Lern-Werkzeug: Es zwingt Teams und Stakeholder, Annahmen sehr früh mit der Realität abzugleichen.
💡 Key Insight
Ein Inkrement ist kein Prozess-Output, sondern ein Lern-Werkzeug für frühe Feedback-Schleifen.
Bestandteile
- Alle Done Items des Sprints UND aller vorherigen Sprints (kumulative Summe)
- Definition of Done erfüllt
- Integriert mit bisherigen Inkrementen
- Potenziell nutzbar und auslieferbar (nicht zwingend deployed!)
Vorteile inkrementeller Entwicklung
💰 Früherer ROI
Kunden können sofort nutzen, was fertig ist - nicht alles auf einmal warten. Schnellere Wertrealisierung statt monatelangem Warten auf Big-Bang-Release.
💡 Impact:
Return on Investment beginnt früher, Kosten-Nutzen-Verhältnis verbessert sich kontinuierlich.
🎯 Besseres Feedback
Echte Nutzung statt Spekulation. Teams erhalten Feedback aus realen Daten, nicht aus Anforderungsdokumenten. Frühe Kurskorrektur wird möglich, bevor große Budgets verbrannt sind.
💡 Impact:
Verhindert "Stille-Post"-Problem: Nutzer bekommen ein reales Produkt in die Hand, anstatt abstrakte Konzepte zu diskutieren.
🛡️ Reduziertes Risiko
Kleinere Releases bedeuten kleinere Risiken. Probleme werden früher erkennbar. Anpassung ist jederzeit möglich, statt erst nach Monaten festzustellen, dass Pläne nicht passen.
💡 Impact:
Vermeidet "Berliner-Flughafen-Syndrom": Spätes Scheitern bei festgeschriebenen Plänen wird verhindert.
🔄 Flexibilität
Prioritäten können sich ändern. Marktanforderungen können berücksichtigt werden. Teams sind nicht an alte Pläne gebunden, sondern können auf neue Erkenntnisse reagieren.
💡 Impact:
Empirisches Vorgehen statt Plan-getriebener Entwicklung - lernen und anpassen in kurzen Zyklen.
Best Practices
- ✓Inkrementell UND iterativ arbeiten: Neue Funktionalität hinzufügen (inkrementell) UND basierend auf Feedback verfeinern (iterativ)
- ✓<a href="/scrum/artefakte/definition-of-done/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Definition of Done</a> konsequent einhalten - sie schützt vor Technical Debt und ermöglicht langfristig höhere Geschwindigkeit
- ✓<a href="/scrum/events/sprint-review/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Sprint Review</a> als brutal ehrliches Gespräch mit echten Nutzern nutzen - nicht als internen Statusbericht
- ✓Story-Splitting auf frühe Lernschleifen ausrichten - nicht auf technische Komponenten
- ✓Continuous Integration & Deployment praktizieren - mehrere Increments pro Sprint sind wünschenswert
- ✓Technische Practices etablieren: CI, CD, Test Automation (Unit, Integration, E2E)
Häufige Fehler
- ✗Inkrement = nur Sprint-Ergebnis denken (FALSCH: Inkrement ist kumulative Summe ALLER Sprints)
- ✗Glauben, dass am Sprint-Ende ausgeliefert werden MUSS (FALSCH: Increment muss auslieferbar sein, Deployment ist Business-Entscheidung)
- ✗Nur Prozess-Output liefern statt echten Lernwert (z.B. nur Code ohne Integration, oder "Design-Sprints" getrennt von Entwicklung)
- ✗Alte Arbeitsweisen "umlabeln": Waterfall-Muster im Scrum-Gewand (z.B. umfangreiche Discovery-Phasen VOR dem Sprint)
- ✗<a href="/scrum/events/sprint-review/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Sprint Review</a> nur intern nutzen statt mit echten Stakeholdern/Nutzern (verhindert brutal ehrliches Feedback)
- ✗In funktionalen Silos arbeiten statt cross-funktional an integriertem Wert
- ✗Qualität gegen Geschwindigkeit ausspielen (FALSCH: Hohe Qualität → weniger Bugs → weniger Nacharbeit → höhere Geschwindigkeit)
Häufig gestellte Fragen zu Inkrement
Warum ist ein inkrementelles Vorgehen für komplexe Produkte essenziell?
Bei hoher Komplexität und vielen Unbekannten ist es entscheidend, frühzeitig ein reales, funktionierendes Inkrement zu liefern. Dies ermöglicht echtes Feedback von Nutzern und Stakeholdern, anstatt auf festgeschriebenen Annahmen zu basieren. So können Teams frühzeitig erkennen, ob Technologie, Architektur oder das Verständnis der Anforderungen korrekt sind, und rechtzeitig nachsteuern. Ohne dieses Feedback scheitert man oft spät und teuer, wie beim Beispiel des Berliner Flughafens. Das Inkrement ist das Werkzeug, um Risiken durch frühe Realitätschecks zu minimieren.
Welche typischen Arbeitsweisen gibt es vor der Einführung von Scrum und wo liegen ihre Grenzen?
Häufig findet man zwei Muster: Das klassische Wasserfallmodell mit festen Phasen und Meilensteinen, das bei steigender Komplexität an Grenzen stößt, weil frühe Pläne nicht mehr passen und Fehler spät erkannt werden. Oder ein dynamisch-chaotischer Ansatz, bei dem zentrale Wissensträger Teilgewerke verteilen, was zu Reibungsverlusten, Integrationsproblemen und Überlastung führt. Beide stoßen an Grenzen, wenn Dynamik und Ungewissheit steigen. Das Inkrement in Scrum bietet einen strukturierten, aber flexiblen Weg zwischen diesen Extremen.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Umstellung auf inkrementelle Entwicklung?
Der Wechsel von einem plangetriebenen Vorgehen oder von spezialisierter Einzelarbeit hin zur gemeinsamen Erstellung eines integrierten Inkrements ist ein riesiger kultureller Schritt. Es fühlt sich zunächst nach mehr Kommunikation und langsameren Fortschritt an, da Integration und Abstimmung nun kontinuierlich erfolgen. Teams müssen lernen, gemeinsam ein minimales, aber vollständiges Ergebnis in kurzen Zyklen zu liefern, anstatt in Silos zu arbeiten oder langfristige Pläne blind zu verfolgen. Die Investition lohnt sich: Frühe Feedback-Schleifen verhindern teure Fehlentwicklungen.
Wann ist der Aufwand, ein potenziell auslieferbares Inkrement pro Sprint zu bauen, nicht sinnvoll?
Der Aufwand lohnt sich nicht in stabilen, überschaubaren Umgebungen mit geringer Komplexität, wo Anforderungen und Lösung klar sind und es kaum Überraschungen gibt. Hier sind klassische Projektmanagement-Ansätze oft effizienter. Das Inkrement ist hingegen essenziell, wenn viele Unbekannte, hohe Dynamik und komplexe Probleme vorliegen. Der "Aufwand" ist dann eine notwendige Investition in Feedback und Risikominimierung - nicht vermeidbarer Overhead, sondern strategische Absicherung.
Wie verhindert inkrementelle Entwicklung das "Stille-Post"-Problem mit den Nutzern?
Indem man den Nutzern oder Fachbereichen regelmäßig ein reales, funktionierendes Inkrement in die Hand gibt, anstatt sich auf schriftliche Anforderungsdokumente zu verlassen. Dies schafft einen völlig anderen Dialog: Statt über abstrakte Wünsche wird über einen konkreten Stand diskutiert. Was fehlt? Was ist gut genug? So werden Annahmen validiert und Missverständnisse direkt aufgedeckt, bevor weitere Investitionen getätigt werden. Das Inkrement macht den Dialog konkret statt abstrakt - und brutal ehrlich.
Was sind typische Missverständnisse, die inkrementelle Entwicklung untergraben?
Ein großes Missverständnis ist das "Umlabeln" alter Arbeitsweisen, z.B. indem vor dem Sprint umfangreiche Discovery-Phasen oder separates UX-Design geschaltet werden, die das Team wieder zu einer bloßen Ausführungseinheit degradieren. Das untergräbt den Kerngedanken: Leichtgewichtige Anforderungen im Sprint zu einem integrierten Ganzen zu verarbeiten und daraus zu lernen. Es wird zur "fünften Kolonne des Wasserfalls" und verhindert echtes empirisches Feedback. Echte inkrementelle Entwicklung bedeutet cross-funktionale Zusammenarbeit an einem integrierten Stück Wert - nicht Siloarbeit in Scrum-Sprache.
Was ist der Unterschied zwischen inkrementeller und iterativer Entwicklung?
Inkrementell bedeutet, das Produkt Stück für Stück aufzubauen - jedes Inkrement fügt neue Funktionalität hinzu und ist potenziell auslieferbar (Sprint 1: Login, Sprint 2: Login + Profil, Sprint 3: Login + Profil + Dashboard). Iterativ bedeutet, das Produkt wiederholt zu verfeinern - Feedback führt zu Verbesserungen (Sprint 1: Login Basis, Sprint 2: Login + OAuth nach Feedback, Sprint 3: Login + Biometric Auth nach Nutzertests). Scrum nutzt BEIDES: Inkrementell UND Iterativ. Teams bauen neue Features (inkrementell) UND verbessern bestehende basierend auf Lernen (iterativ).
Nächste Schritte
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Inkrement - Podcast-Folgen
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