Scrum Guide

Der umfassende Leitfaden zu Scrum: Events, Rollen, Artefakte und Best Practices

Sprint Backlog

Der Plan für den aktuellen Sprint

Zweck

Sprint-Ziel + ausgewählte Product Backlog Items + Umsetzungsplan

Das Sprint Backlog schafft Transparenz und Koordination für das Entwicklungsteam. Teams brechen die Sprint Backlog Items in spezifische Aufgaben herunter, die idealerweise in maximal 24 Stunden erledigt werden können. Das Task Board sollte einfach bleiben und täglich aktualisiert werden.

💡 Key Insight

Das Sprint Backlog ist der Plan, nach dem das Team im Sprint vorgeht - täglich angepasst, gemeinsam verantwortet.

Video: Sprint Backlog

Bestandteile

  • Sprint-Ziel (Sprint Goal)
  • Ausgewählte Product Backlog Items
  • Detaillierter Umsetzungsplan
  • Tägliche Anpassungen im Daily Scrum

Best Practices

  • Task Board einfach halten (z.B. Papier, einfache Tools)
  • 5-10 Backlog Items in konkrete Aufgaben herunterbrechen
  • Status-Spalten: "to do", "in progress", "done"
  • Täglich aktualisieren
  • Einzelne Tasks maximal 24 Stunden Dauer

Häufige Fehler

  • Board mit zu vielen granularen Items überkomplizieren
  • Namen zu früh Tasks zuweisen (isoliert Einzelarbeit)
  • Board NICHT für Team-Kommunikation nutzen
Sprint Backlog Übersicht

Aufbau und Bestandteile eines Sprint Backlogs

Warum Scrum Teams ein Task Board brauchen

Der neue Anspruch an das Team liegt im Kern in der **Eigenverantwortlichkeit des Arbeitens**. Das Entwicklungsteam besteht aus Personen, die gemeinsam alle Fähigkeiten besitzen, um in enger Zusammenarbeit eigenverantwortlich zu agieren und Ergebnisse zu schaffen - und das Sprint für Sprint.

Der "Deal" zwischen Team und Product Owner: - **Ziele werden gemeinsam definiert** (nicht von Vorgesetzten vorgegeben) - **Gemeinsames Commitment** (nicht individuell - jeder fühlt sich für das Sprintziel verantwortlich) - **Team bindet PO rechtzeitig ein** → Keine Überraschungen für PO oder Stakeholder - **Kein Mikromanagement nötig** - PO konzentriert sich auf Product Ownership und Stakeholder, Team auf eigenverantwortliche Umsetzung

Aus dieser **größeren Verantwortung** entsteht in vielen Teams die Notwendigkeit und der Wunsch, sich neben dem Sprint Backlog eine **detailliertere Möglichkeit der Arbeitskoordination** zu schaffen.

Vom Sprint Backlog zum Task Board

Das **Sprint Backlog** ist laut Scrum Guide ein "ausreichend detaillierter Plan", den die Entwickler im Blick haben und Schritt für Schritt zur Erreichung des Sprint-Ziels ausgestalten, um den Fortschritt innerhalb des Sprints (im Daily) erkennen zu können.

Es wird **während des Sprints vom Team angepasst** und entwickelt sich daher mit fortschreitender Arbeit weiter.

Das Team muss jederzeit wissen: - Wo stehen wir beim Sprint-Ziel? - Brauchen wir Hilfe vom Product Owner? - Müssen wir nachjustieren?

Aus dieser Verantwortung heraus entsteht in vielen Teams die **Notwendigkeit**, sich neben dem Sprint Backlog eine detailliertere Möglichkeit der Arbeitskoordination zu schaffen.

Ein **Task Board ist in Scrum nicht zwingend**, jedoch macht es in den meisten Fällen Sinn, da die Übersichtlichkeit und Transparenz anhand der Backlog Items alleine nicht immer gegeben ist.

Praktische Tipps zur Nutzung des Task Boards

1

Zeitliche Komponente hinzufügen

Schätze Tasks in Stunden (z.B. 2h, 4h, 8h). Der Vorteil: Zeitliche Komponenten regen Gespräche an und erhöhen die Qualität, wenn Schätzungen stark auseinandergehen. Teams diskutieren unterschiedliche Einschätzungen und gewinnen dadurch ein besseres gemeinsames Verständnis. Die Zeitschätzungen bilden auch die Grundlage für ein aussagekräftiges <a href="/scrum/artefakte/burndown-chart/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Burndown Chart zur Überwachung des Sprint-Fortschritts</a>.

Anfänger-freundlich
2

24-Stunden-Regel konsequent anwenden

Ein Task sollte maximal 24 Stunden auf "Done" verweilen. Brich Tasks dementsprechend "fein" herunter. Der Vorteil: Das Team stellt sicher, dass es schnell Informationen erhält und Hindernisse früh identifiziert werden. Ein Teammitglied kann sich nicht mehr mehrere Tage in einer Testphase befinden, ohne hilfreiche Information weiterzuleiten.

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3

Tasks täglich markieren

Klebe täglich einen farbigen Punkt auf Tasks, die noch nicht "Done" sind. Der Vorteil: Durch einfaches Aufkleben von Punkten macht man sichtbar, welche Tasks besonders lange bearbeitet wurden. Hindernisse werden so schnell aufgedeckt - ein Task mit 5 Punkten signalisiert: "Hier läuft etwas nicht rund!"

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4

Story Kick-off bei langen Sprints

Bei besonders langen Sprints (>2 Wochen): Brich Items erst dann in Tasks herunter, wenn tatsächlich angefangen wird zu arbeiten. Der Vorteil: Bei ausgedehnten Sprints geht der Fokus dennoch nicht verloren. Das Team plant nicht alle Details für 3 Wochen im Voraus, sondern konzentriert sich auf die nächsten 2-3 Tage.

Fortgeschritten

Zusammenfassung

Es wird oft unterschätzt, dass das selbstorganisierte Entwicklungsteam in Scrum eine **größere Verantwortung** hat als in vielen anderen Arbeitsweisen.

  • Das **Sprint Backlog** ist der Plan, nach dem das Team im Sprint vorgeht
  • Das **Task Board** ist eine detaillierte Darstellung zur Koordination und Organisation der einzelnen Tätigkeiten
  • Mit dem Task Board wird das Team seiner **eigenverantwortlichen Arbeitsweise** gerecht
  • Zur Überwachung des Fortschritts nutzen viele Teams ein <a href="/scrum/artefakte/burndown-chart/" className="text-brand-600 hover:text-brand-700 font-medium">Burndown Chart</a>

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man als Team das Task Board ausgestalten und nutzen kann. Wichtig ist vor allem, dass eine **aktive Ausgestaltung an die individuellen Bedürfnisse des Teams** erfolgt.

Häufig gestellte Fragen zu Sprint Backlog

Was sind die fünf Fragen, die jedes Teammitglied jederzeit im Sprint beantworten können sollte?

Die fünf zentralen Fragen zur Selbstorganisation sind: 1) Was ist in diesem Sprint und was nicht? (Fokus) 2) Was sollte ich als nächstes tun? (nächster optimaler Beitrag zum Teamziel) 3) Woran arbeiten die anderen? (Transparenz und Koordination) 4) Gibt es Blocker oder Hindernisse? (Risikofrüherkennung) 5) Können wir unser Sprintziel erreichen? (fortlaufende Einschätzung). Wenn ein Team diese Fragen leicht beantworten kann, ist es gut aufgestellt. Falls nicht, hilft ein Taskboard, diese Transparenz und gemeinsame Verantwortung zu schaffen.

Warum ist es sinnvoll, Tasks erst beim 'In-Arbeit-Ziehen' einer Person zuzuordnen und nicht früher?

Namen auf Tasks sollten erst bei Arbeitsbeginn zugeordnet werden, um ein 'Dein Sprint/Mein Sprint'-Denken zu vermeiden. Eine frühere Zuweisung im Planning führt oft dazu, dass Teammitglieder sich für bestimmte Aufgaben 'besitzen' und sich weniger verantwortlich für das Gesamtergebnis fühlen. Diese Dynamik verzögert gegenseitige Hilfe. Spätere Zuweisung fördert Offenheit, Flexibilität und die gemeinsame Verantwortung für alle anstehenden Tasks, sodass das Team schneller auf Ausfälle oder Engpässe reagieren kann.

Wie viele Product Backlog Items sollte ein Sprint idealerweise enthalten?

Eine Faustregel sind 5 bis 10 Product Backlog Items pro Sprint. Bei deutlich mehr Items (20-40) verliert das Team typischerweise die gemeinsame Übersicht. Jeder bearbeitet dann nur 'seinen' Bereich, und die Idee der gemeinsamen Teamarbeit geht verloren. Größere, gröbere Items sind besser, die dann im Taskboard in die konkreten Tasks (Tätigkeiten) heruntergebrochen werden. Diese Tasks dienen als Ebene für die tägliche Koordination, während die überschaubare Anzahl an Items den Fokus auf das Sprintziel wahrt.

Was tun, wenn das Team Tasks nicht vollständig im Sprint Planning definieren kann, weil Vorarbeiten fehlen?

Das ist normal. Die agile Herangehensweise ist nicht, alles bis ins Detail vorauszuplanen. Notieren Sie die bekannten notwendigen Vorarbeiten (z.B. 'Design klären', 'Businesslogik abstimmen') einfach als die ersten Tasks. Das gibt Klarheit für den Start. Der Rest der Tasks wird dann just-in-time ergänzt, sobald mehr bekannt ist. Wichtig ist ein gutes Gefühl, anfangen zu können, nicht ein perfekter, vollständiger Plan. Das Taskboard muss leichtgewichtig und schnell aktualisierbar sein, um solche neuen Erkenntnisse sofort abzubilden.

Welche einfachen Signale oder Regeln kann ein Team im Taskboard nutzen, um effektiver zu arbeiten?

Teams können einfache, visuelle Signale vereinbaren, z.B.: einen roten Punkt für blockierte Tasks, einen Blitz für riskante Tasks. Auch hilfreich sind Regeln wie 'Kein Task bleibt länger als 24 Stunden in Arbeit, ohne dass der Blockierer im Daily besprochen wird' oder das Schätzen von Tasks in Stunden, um unterschiedliche Aufwandsannahmen früh sichtbar zu machen. Diese Trigger lösen notwendige Gespräche aus. Wichtig ist, dass die Regeln dem Team helfen, die fünf Kernfragen (z.B. zu Blockern) leichter zu beantworten, und nicht zu bürokratisch werden.

Sind physische Taskboards (Papier) oder digitale Tools zu bevorzugen?

Zu Beginn, besonders bei der Einführung, sind physische Taskboards (Whiteboard, Papier, Haftnotizen) oft besser. Sie fördern Leichtgewichtigkeit, Lockerheit und schnelle Anpassungen, ohne dass man sich in Tool-Konfigurationen verliert. Die physische Interaktion im Team hilft, den gemeinsamen Fokus zu entwickeln. Später, mit klaren Anforderungen aus der Praxis, kann bewusst auf ein digitales Tool umgestellt und dieses passend konfiguriert werden. Die Priorität liegt auf Einfachheit und dem Zweck: dem Team eine Plattform für Koordination und Transparenz zu bieten.

Dieses Artefakt spielt in folgenden Scrum Events eine wichtige Rolle:

Dieses Artefakt steht in Beziehung zu folgenden Scrum Artefakten:

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